Nach acht Jahren in der Luft hat Icelandair, die nationale Fluggesellschaft Islands, den Dienst ihres „fliegenden Gletschers“ eingestellt. Der letzte Flug des Boeing 757-200 in der besonderen Vatnajökull-Sonderbemalung fand am 21. September 2025 statt und markierte das Ende der Ära dieses einzigartigen Flugzeugs.
Das Flugzeug mit der Registrierung TF-FIR startete in London und landete am Keflavík International Airport in Reykjavík. Die Außerdienststellung der Maschine ist Teil der Flottenmodernisierungsstrategie von Icelandair, die darauf abzielt, ältere Flugzeuge durch neuere und wirtschaftlichere Modelle zu ersetzen.
Abschied von einem fliegenden Kunstwerk
Die Vatnajökull-Sonderbemalung wurde im Jahr 2017 anläßlich des 80jährigen Bestehens von Icelandair eingeführt und war eine Hommage an den größten Gletscher Islands. Das Flugzeug, dessen Design die Eismassen des Gletschers nachbildete, hob am 13. Mai 2017 erstmals ab. Der Vatnajökull-Gletscher, der den größten Teil der Landesfläche bedeckt und an seiner dicksten Stelle bis zu 1000 Meter mißt, hat eine besondere Bedeutung für die Isländer. Mit dieser einzigartigen Bemalung wollte Icelandair die Naturwunder des Landes mit ihren Passagieren teilen.
Die Bemalung war nicht die einzige Sonderlackierung in der Flotte der Fluggesellschaft. Die Flugzeuge von Icelandair tragen typischerweise eine der fünf Heckfarben Borealblau, Magenta, Himmelblau, Gelb und Grün, die verschiedene Aspekte der isländischen Natur symbolisieren. Mit der Außerdienststellung der Vatnajökull-Maschine verbleibt eine weitere besondere Lackierung im Dienst: die „Hekla Aurora“-Boeing 757-200, die 2015 eingeführt wurde und von den Nordlichtern inspiriert ist. Diese Maschinen wurden oft für Flüge über Island eingesetzt, bei denen die Passagiere die Nordlichter von ihren Sitzen aus bewundern konnten, was die enge Verbindung der Airline zur einzigartigen Landschaft Islands unterstreicht.
Strategische Flottenmodernisierung als Antrieb
Die Außerdienststellung der Vatnajökull-Maschine ist nicht nur ein symbolischer Akt, sondern Teil der langfristigen Flottenerneuerungsstrategie von Icelandair. Die Fluggesellschaft verfolgt das Ziel, ihre älteren Boeing 757-Jets schrittweise durch modernere und wirtschaftlichere Flugzeugmodelle zu ersetzen. Die Wahl fiel dabei auf die Airbus A321LR und A321XLR-Modelle.
Die ersten Airbus A321LR-Maschinen sind bereits in der Flotte von Icelandair im Einsatz und bedienen Routen, die zuvor von den Boeing 757-Flugzeugen geflogen wurden. Die neuen Flugzeuge sind für die Fluggesellschaft von strategischer Bedeutung, da sie eine höhere Effizienz und eine größere Reichweite bieten. Die A321LR (Long Range) ist besonders für Transatlantikflüge von und nach Island geeignet, da sie die Brücke zwischen Europa und Nordamerika schlägt. Der A321XLR (Extra Long Range) soll die Flotte ab 2029 verstärken und es Icelandair ermöglichen, noch weiter entfernte Ziele zu erreichen. Die XLR-Variante hat eine Reichweite von bis zu 8.700 Kilometern und ist damit ideal für Langstreckenflüge von Keflavík zu Zielen an der Ostküste der Vereinigten Staaten oder in Kanada.
Die Boeing 757-200 war viele Jahre lang das Arbeitspferd von Icelandair und spielte eine Schlüsselrolle in ihrem Transatlantik-Geschäftsmodell, bei dem Keflavík als Brücke für Flüge zwischen Europa und Nordamerika dient. Die fortschreitende Außerdienststellung der 757 markiert das Ende einer Ära und den Übergang zu einer moderneren Flotte, die den zukünftigen Anforderungen des Luftverkehrs besser gerecht wird. Die neuen Airbus-Maschinen sollen die operative Effizienz der Fluggesellschaft verbessern und gleichzeitig den Passagieren ein besseres Flugerlebnis bieten.
Die Boeing 757: Ein Blick in die Vergangenheit
Die Boeing 757 wurde in den frühen 1980er Jahren eingeführt und entwickelte sich zu einem der vielseitigsten Flugzeuge. Obwohl sie ursprünglich für Kurz- und Mittelstrecken konzipiert war, wurde sie aufgrund ihrer Reichweite und ihrer ETOPS-Zertifizierung häufig auf Transatlantikrouten eingesetzt. Die Boeing 757-200 spielte eine wichtige Rolle für Fluggesellschaften, die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen kleineren Städten in den USA und Europa anboten. Auch wenn sie heute als veraltet gilt, war die 757 ein zuverlässiges Arbeitspferd, das über Jahrzehnte hinweg wertvolle Dienste leistete. Ihre schrittweise Ablösung durch modernere Flugzeuge ist ein Zeichen für den technologischen Fortschritt in der Luftfahrtindustrie.
Mit der Außerdienststellung der Vatnajökull-Maschine verabschiedet sich Icelandair von einem wichtigen Stück ihrer jüngeren Geschichte und blickt in die Zukunft mit einer Flotte, die für die Herausforderungen und Chancen des modernen Luftverkehrs besser gerüstet ist.