Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic befindet sich an einem entscheidenden Punkt in ihrer Unternehmensgeschichte. Nach einem Gespräch mit einem strategischen Investor steht das Unternehmen vor schwierigen Entscheidungen bezüglich seiner Zukunft. Der Aufsichtsratsvorsitzende Klavs Vasks warnte in einem Posting auf seiner privaten LinkedIn-Seite, dass Air Baltic nun vor einem Scheideweg stehe und es noch unklar sei, wie die Airline weiter verfahren werde.
In einem LinkedIn-Beitrag machte Vasks deutlich, dass die Verhandlungen mit einem potenziellen strategischen Investor, der das Geschäftsmodell der Fluggesellschaft validieren und einen Börsengang ermöglichen sollte, noch nicht wie erhofft vorangekommen sind. Laut Air Baltic dauern die Gespräche mit einem möglichen Investor weiterhin an. Besonders die Rolle der lettischen Regierung und ihrer Entscheidungsträger wurde von Vasks betont. Obwohl der lettische Verkehrsminister Kaspars Briškens wiederholt erklärt hatte, dass die Kapitalbeschaffung für Air Baltic in den Händen von Vasks und CEO Martin Gauss liege, so müsse auch die Unterstützung der Aktionäre entscheidend sein, wenn der Börsengang realisiert werden soll.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Eigentümer von Air Baltic größtenteils aus der Republik Lettland (mit 97,97 % der Anteile) und Aircraft Leasing 1, einer lettischen Gesellschaft, bestehen. Vasks unterstrich, dass Uneinigkeit unter den Anteilseignern und in politischen Kreisen die Zukunft der Fluggesellschaft erheblich erschweren könnte. Solche Uneinigkeiten könnten das Vertrauen in das Unternehmen und dessen Fähigkeit, sich erfolgreich auf den Kapitalmärkten zu positionieren, beeinträchtigen.
Die Fluggesellschaft Air Baltic erklärte dazu wie folgt: „Die Verhandlungen mit dem strategischen Investor, der vor dem Börsengang in airBaltic investiert, laufen und befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang sind ebenfalls im Gange, wobei der frühestmögliche Zeitpunkt für die Börsennotierung im Jahr 2025 anvisiert wird, wenn die Marktbedingungen stimmen.“
Air Baltic betont weiterhin, dass die Gespräche mit dem potentiellen Investor nicht gescheitert sind, sondern weiterhin andauern würden. Auch weist das Unternehmen zurück, dass die Sondierungen ins Stocken geraten wären. Man verweist auch darauf, dass eben genau dies der Chairman so eben nicht gepostet habe.
Der geplante Börsengang und die finanziellen Herausforderungen
Ein Börsengang, der Air Baltic ermöglichen würde, frisches Kapital zu beschaffen und die finanziellen Herausforderungen des Unternehmens zu bewältigen, ist weiterhin ein zentrales Ziel. Doch die Gespräche mit potenziellen strategischen Investoren, darunter auch die Lufthansa Group, die möglicherweise 10 % der Anteile an der Airline erwerben wollte, sind ins Stocken geraten. Für Vasks und Gauss ist der Weg an die Börse daher ungewiss, besonders da die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in Lettland nicht immer förderlich waren.
Der CEO von Air Baltic, Martin Gauss, hatte bereits im Mai 2024 eine Anleihe im Wert von 340 Millionen Euro mit einem Zinssatz von 14,5 % aufgelegt. Die Mittel aus dieser Anleihe sollten nicht nur die bestehenden Verbindlichkeiten refinanzieren, sondern auch die Flotteninvestitionen der Airline unterstützen. Momentan umfasst die Flotte von Air Baltic 49 Flugzeuge des Typs Airbus A220-300, ein Modell, das als modernes und effizient betriebenes Flugzeug gilt. Doch Vasks wies darauf hin, dass die derzeitigen finanziellen Bedingungen für das Unternehmen nicht tragbar seien und eine erneute Kapitalzufuhr notwendig sei, um die langfristige Überlebensfähigkeit der Fluggesellschaft zu sichern.
Wirtschaftliche Bedeutung von Air Baltic
Trotz dieser finanziellen Herausforderungen bleibt Air Baltic eine wichtige Größe für die lettische Wirtschaft. Laut einer Untersuchung der International Air Transport Association (IATA) trägt die Luftfahrtindustrie in Lettland jährlich mit etwa 1,9 Milliarden US-Dollar, was rund 4,4 % des Bruttoinlandsprodukts des Landes entspricht. Für Vasks stellt sich die Frage, ob diese Bedeutung ausreichend anerkannt wird, um notwendige politische Entscheidungen zu treffen. So fordert er eine klare Vision und die Unterstützung aller relevanten Akteure, damit Air Baltic auf Kurs bleibt.
Politische Schwierigkeiten und Medienkritik
Die politische Landschaft Lettlands, insbesondere der Umgang mit der Fluggesellschaft in den Medien, wird als weiteres Hindernis für den Erfolg der Airline angeführt. Vasks erklärte, dass Entscheidungen, die Air Baltic betreffen, oft zu heftigen öffentlichen Diskussionen führen, die nicht immer auf fundiertem Wissen basieren. Diese negativen Reaktionen aus der Öffentlichkeit, die häufig auf Missverständnissen oder einer mangelnden Einsicht in die Komplexität der Airline-Strategie beruhen, erschweren die Entscheidungsfindung der politischen Akteure.
Für Vasks und Gauss stellt sich daher die Frage, ob Lettland bereit ist, die notwendige politische Unterstützung für einen erfolgreichen Börsengang und die langfristige Stabilität von Air Baltic zu liefern. Ohne diese Unterstützung könnte das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten und seinen Beitrag zur nationalen Wirtschaft verlieren.
Ein ungewisser Weg für Air Baltic
Der Weg für Air Baltic bleibt steinig. Die Airline steht vor der Herausforderung, ihre finanziellen Ziele zu erreichen, während sie gleichzeitig die politische Unterstützung und die Zustimmung ihrer Anteilseigner sicherstellen muss.
Der Börsengang, der als einzige Lösung zur Sicherstellung der Zukunft der Fluggesellschaft angesehen wird, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob Air Baltic in der Lage ist, die notwendige Unterstützung zu finden, um auf den Kapitalmärkten erfolgreich zu sein. Wenn Air Baltic diese Hürden überwindet, könnte das Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Andernfalls könnte die Fluggesellschaft vor weiteren Unsicherheiten stehen.