Die chinesische Staatsfluggesellschaft Air China hat ihre Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 vorgelegt und weist einen Nettoverlust von 1,77 Milliarden Yuan aus, was umgerechnet etwa 222 Millionen Euro entspricht.
Damit liegt das Ergebnis zwar innerhalb der bereits im Januar kommunizierten Prognosespanne von 1,3 bis 1,9 Milliarden Yuan, markiert jedoch eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr 2024, in dem der Fehlbetrag lediglich bei 233 Millionen Yuan gelegen hatte. Besonders das vierte Quartal belastete das Gesamtergebnis schwer, da sich das Minus in diesem Zeitraum auf 3,64 Milliarden Yuan weitete. Zuvor hatte ein profitables drittes Quartal, getrieben durch das hohe Reiseaufkommen während der Sommermonate, die Bilanz kurzzeitig stabilisiert.
Als primäre Ursache für die negativen Zahlen führt das Management den intensivierten Wettbewerb auf dem chinesischen Inlandsmarkt an. Trotz einer vollständigen Erholung der Passagierzahlen auf das Niveau vor der Pandemie stehen die Margen der Fluggesellschaft massiv unter Druck. Branchenanalysen verdeutlichen, dass ein Überangebot an Sitzplatzkapazitäten zu einem aggressiven Preiskampf geführt hat, von dem insbesondere die staatlichen Großfluggesellschaften betroffen sind. Hinzu kommen gestiegene operative Kosten sowie eine langsame Erholung des internationalen Flugverkehrs von und nach China, der traditionell höhere Renditen abwirft als die Inlandsstrecken. Viele Langstreckenverbindungen, insbesondere in die USA und nach Europa, erreichen noch nicht die Auslastungsgrade früherer Jahre.
Zusätzliche Recherchen im asiatischen Luftfahrtsektor zeigen, dass Air China nicht als Einzelfall dasteht. Auch die Konkurrenten China Southern Airlines und China Eastern Airlines kämpfen mit ähnlichen strukturellen Problemen. Die chinesische Regierung hat zwar Maßnahmen zur Unterstützung des Sektors eingeleitet, doch die schwächelnde Binnennachfrage und die veränderten Reisegewohnheiten der chinesischen Mittelschicht bremsen den Aufschwung. Während Billigflieger im Kurzstreckensegment Marktanteile gewinnen, leidet Air China unter der hohen Kostenstruktur einer Full-Service-Airline. Experten weisen zudem darauf hin, dass die geopolitischen Spannungen und die damit verbundenen Umwege bei Überflügen die Treibstoffkosten auf internationalen Routen zusätzlich in die Höhe getrieben haben.
Um der Verlustspirale entgegenzuwirken, plant Air China für das Jahr 2026 eine Optimierung des Streckennetzes und eine stärkere Fokussierung auf margenstarke Regionalverbindungen innerhalb Asiens. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in die Modernisierung der Flotte, um die Wartungskosten langfristig zu senken. Die Airline setzt darauf, dass die schrittweise Lockerung von Visabestimmungen für ausländische Reisende den internationalen Sektor im laufenden Jahr beleben wird. Dennoch bleibt die finanzielle Lage angespannt, da die Volatilität der Kerosinpreise und die Währungsschwankungen des Yuan gegenüber dem US-Dollar weiterhin unkalkulierbare Risiken für die Bilanz der kommenden Quartale darstellen.