Air Serbia, die nationale Fluggesellschaft Serbiens, hat das erste von ihr betriebene Embraer E195-Flugzeug am 23. Oktober 2024 erfolgreich in den Liniendienst aufgenommen und setzt damit ein Zeichen für die angestrebte Expansion und Flexibilisierung ihrer Flotte.
Das 16 Jahre alte, geleaste Flugzeug mit der Registrierung YU-ATB absolvierte an diesem Tag seine Erstflüge zwischen Belgrad und den montenegrinischen Städten Tivat und Podgorica. Mit diesem Neuzugang, einem 118-sitzigen Jet, beginnt Air Serbia eine schrittweise Einführung von Embraer-Flugzeugen, die mittelfristig in größerer Zahl die Flotte ergänzen sollen.
Der Weg zur Indienststellung des E195 verlief jedoch nicht ohne Hürden. Ursprünglich war die Einführung dieses Flugzeugtyps für Juni 2024 geplant, wurde jedoch durch behördliche und administrative Verzögerungen hinausgezögert. Bereits seit über einem Jahr war der Jet eingelagert, bevor er nach den notwendigen Anpassungen und der Zulassung durch die Luftfahrtbehörden den aktiven Dienst antreten konnte. Der Embraer E195, ein Regionaljet, der sowohl in Business- als auch in Economy-Class-Kabinen aufgeteilt ist, soll auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt werden, um die Flexibilität der Flotte zu erhöhen und besser auf die Marktnachfrage reagieren zu können.
CEO Jiri Marek erklärte gegenüber EX-YU Aviation News, dass Air Serbia eine starke Nachfrage im Segment kleinerer Jets erwartet und eine Flottenplanung vorsieht, die mittelfristig bis zu 15 Embraer-Jets umfasst. Diese Zahl ergibt sich aus umfassenden Marktanalysen, die auf die Notwendigkeit einer flexibleren Flotte hinweisen. Der Embraer E195, der besonders für Strecken mit geringerem Passagieraufkommen geeignet ist, ergänzt die bestehenden Airbus- und ATR-Flugzeuge der Flotte ideal. Laut Marek wird jedoch die Ausweitung auf diese Flugzeuggröße mit Herausforderungen verbunden sein. Insbesondere das Schulungsprogramm für Piloten erfordert Zeit und Ressourcen, da ein spezielles Training für diesen Flugzeugtyp erforderlich ist. Die Möglichkeit zur Beförderung zum Kapitän setzt eine bestimmte Anzahl an Flugstunden und Erfahrung mit dem E195 voraus.
Ein zentrales Element der Flottenstrategie von Air Serbia ist das kürzlich eingeführte Kadettenprogramm. Durch dieses Programm möchte die Fluggesellschaft den Bedarf an qualifiziertem Personal decken und die Ausbildungskapazitäten für Piloten ausweiten. Das Programm wird für alle Flugzeugtypen angeboten und ermöglicht Nachwuchspiloten, sich in der Flotte zu spezialisieren und notwendige Erfahrung zu sammeln. Diese Initiative trägt dazu bei, dass Air Serbia trotz der Einführung eines neuen Flugzeugtyps keine Engpässe im Personalbereich befürchten muss und langfristig über gut ausgebildete Piloten verfügt.
Air Serbia steht mit diesem Ausbau der Flotte exemplarisch für die Strategie vieler europäischer Fluggesellschaften, die auf die Marktveränderungen reagieren. Regionaljets wie der Embraer E195 bieten eine kostengünstige und effiziente Lösung, um flexible Flugverbindungen für kleinere und weniger frequentierte Routen zu schaffen. Diese Modelle werden von Airlines bevorzugt, die einerseits die Betriebskosten optimieren und andererseits das Streckennetz dynamisch erweitern möchten, um auf saisonale Schwankungen und die sich wandelnden Bedürfnisse der Reisenden einzugehen.
Mit der geplanten Einführung eines zweiten Embraer E195 bis Ende November 2024 und langfristigen Flottenerweiterungen zeigt sich Air Serbia gewillt, die wachsende Nachfrage nach Direktverbindungen im Balkan- und Zentraleuropa-Gebiet zu bedienen und gleichzeitig eine stärkere Position im regionalen Luftverkehr zu sichern. Die Strategie könnte sich als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen, da kleinere Flugzeuge es der Airline ermöglichen, das Streckennetz effizient zu erweitern und neue Märkte in Süd- und Osteuropa zu erschließen, ohne auf eine hohe Auslastung angewiesen zu sein.