Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat eine Reihe von Fluggesellschaften und Leasingunternehmen über bevorstehende Verzögerungen bei der Auslieferung von Maschinen aus der stark nachgefragten A320neo-Modellfamilie in Kenntnis gesetzt.
Nach Informationen des Wirtschaftsnachrichtenportals Bloomberg betreffen die revidierten Zeitpläne insbesondere Bestellungen, die für die Kalenderjahre 2027 und 2028 vorgesehen waren. Betroffene Vertragspartner müssen sich auf eine Verspätung von jeweils mehreren Monaten einstellen. Am stärksten betroffen ist die Variante A321neo, welche als die längste, kapazitätsstärkste und kommerziell erfolgreichste Ausführung der gesamten Baureihe gilt und das wichtigste Triebpferd im zivilen Segment des Herstellers darstellt.
Die Ursachen für die Verzögerungen liegen in anhaltenden, strukturellen Engpässen innerhalb der globalen Zulieferketten, mit denen die gesamte Luftfahrtindustrie seit geraumer Zeit konfrontiert ist. Neben Verzögerungen bei spezialisierten Komponentenwerken betrifft dies primär die Bereitstellung von modernen Triebwerken sowie wichtigen strukturellen Bauteilen für die Rumpf- und Flügelmontage. Diese Engpässe erschweren es Airbus, den geplanten Hochlauf der monatlichen Produktionsrate in den Endmontagelinien wie vorgesehen umzusetzen. Der Konzern musste seine mittelfristigen Expansionsziele bereits anpassen und peilt nun eine Fertigungsrate von 70 bis 75 A320neo-Flugzeugen pro Monat bis zum Ende des Jahres 2027 an, was hinter den ursprünglichen Zielwerten zurückbleibt.
Trotz der drängenden Probleme in der Produktion verzeichnete Airbus im operativen Tagesgeschäft zuletzt solide Zahlen. Im vergangenen Monat Mai gelang dem Konzern die Auslieferung von insgesamt 81 Flugzeugen, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vormonat darstellt und den Hersteller auf Kurs hält, das ausgegebene Jahresziel von rund 870 Auslieferungen zu erreichen. Die Auftragslage ist mit über 760 Nettobestellungen seit Jahresbeginn weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Analysten bewerten die Marktposition des Konzerns aufgrund der Schwäche des US-amerikanischen Konkurrenten Boeing zwar als stabil, warnen jedoch vor den finanziellen Folgekaskaden, da sich Planungsverschiebungen in den Endmontagewerken bis weit in das Jahr 2030 erstrecken könnten.
Die erneuten Verschiebungen im Lieferprogramm haben auch strategische Auswirkungen auf das Produktportfolio des Flugzeugbauers. Aufgrund der personellen und materiellen Kapazitätsbindung zur Stabilisierung der bestehenden Kernprogramme wächst in Branchenkreisen die Skepsis bezüglich geplanter Modellneuerungen. So verdichten sich die Hinweise, dass Airbus die eigentlich für die Branchenmesse Farnborough Airshow erwartete Ankündigung des A220-500, einer gestreckten Variante der kleineren A220-Reihe, vorerst verschieben könnte. Die Leasinggesellschaften zeigen sich diesbezüglich ohnehin zurückhaltend, da sie eine Marktkannibalisierung und einen potenziellen Wertverlust der bereits bestellten A320neo-Flotten befürchten.