Der Flughafen Nürnberg verzeichnet im aktuellen Sommerflugplan eine Veränderung seines Türkei-Angebots. Die Fluggesellschaft AJet, eine Tochtergesellschaft der staatlichen Turkish Airlines, bedient den nordbayerischen Regionalflughafen und nimmt Linienflüge zur türkischen Destination Bodrum auf.
Die Verbindung wird in Zusammenarbeit mit dem Reisekonzern Tui betrieben, wodurch die Flüge sowohl im Einzelplatzverkauf als auch als Bestandteil von Pauschalreisen inklusive Hotelunterkunft und Transferleistungen verfügbar sind. Nach Angaben des Nürnberger Flughafengeschäftsführers Michael Hupe stellt die Neuanbindung eine Ergänzung des bestehenden Portfolios im Segment der Urlaubsreisen dar.
Der Markteintritt von AJet in Nürnberg steht im Kontext einer Neuausrichtung der Fluglinie. Das Unternehmen, das bis Frühjahr 2024 unter dem Namen AnadoluJet operierte, wurde von Turkish Airlines als eigenständige Low-Cost-Airlines positioniert, um im margenstarken Ferienflugverkehr Marktanteile gegen Mitbewerber wie SunExpress oder Pegasus Airlines zu sichern. Für den Flughafen Nürnberg bedeutet die Präsenz der Gesellschaft eine Stabilisierung des Verkehrsaufkommens in Richtung der Urlaubsregionen an der türkischen Ägäis. TUI-Konzernsprecher Aage Dünhaupt verwies in diesem Zusammenhang auf eine anhaltende Nachfrage nach Flugreisen in die Türkei, wobei zunehmend auch Destinationen abseits der klassischen Destination Antalya nachgefragt werden.
Luftfahrtexperten bewerten die Etablierung neuer Punkt-zu-Punkt-Verbindungen an kleineren deutschen Standorten als Reaktion auf die gestiegenen staatlichen Abgaben und Flughafengebühren an den großen Drehkreuzen wie Frankfurt oder München. Ausländische Billigflieger weichen vermehrt in die Regionen aus, um betriebliche Kosten zu optimieren. Dennoch bleibt das Segment der Urlaubsflüge im osteuropäischen und vorderasiatischen Raum stark saisonabhängig und durch einen intensiven Preiswettbewerb gekennzeichnet. Kritische Branchenbeobachter geben zu bedenken, dass der Erfolg solcher Nischenstrecken stark von den Kontingentabnahmen der großen Reiseveranstalter abhängt, da reine Individualreisende auf diesen Routen oft nicht ausreichen, um eine dauerhafte Auslastung der Flugzeuge im Linienbetrieb zu sichern.
Zudem birgt die Fokussierung auf den Billigflugsektor operative Herausforderungen für Regionalflughäfen. Die Abfertigungsprozesse müssen kosteneffizient und mit kurzen Bodenzeiten organisiert werden, um den Anforderungen von Low-Cost-Anbietern gerecht zu werden. Ob sich die Flugverbindung nach Bodrum über die aktuelle Sommersaison hinaus fest im Nürnberger Flugplan etablieren kann, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Treibstoffpreise sowie von der allgemeinen Kaufkraft der Verbraucher in der Metropolregion Nürnberg ab.