Das Jahr 2008 war ein turbulentes Jahr für das südlichste Bundesland Österreichs. Kärnten rückte durch die Fußball-Europameisterschaft 2008 international in den Fokus: Klagenfurt war Austragungsort, und im Wörthersee Stadion fanden mehrere Spiele statt, an denen unter anderem die Nationalmannschaften von Deutschland, Kroatien und Österreich beteiligt waren. Im selben Jahr wurde das Bundesland jedoch von einem tragischen Ereignis erschüttert: Jörg Haider, damaliger Landeshauptmann von Kärnten, kam bei einem Autounfall ums Leben und versetzte das Land in einen Schockzustand.
Kürzlich zugesendete Bilder eines Folders zum Winterflugplan 2007/08 des Flughafen Klagenfurt haben mich zu diesem beinahe nostalgischen Rückblick angeregt – auch wenn diese Zeit erst 18 Jahre zurückliegt. Daraus entstand ein Bericht mit besonderem Fokus auf die damals letztmalige Anbindung an den Flughafen Frankfurt.
Monat für Monat, Jahr für Jahr und Beitrag für Beitrag wiederholen sich auf Social Media die Diskussionen rund um den Flughafen Klagenfurt – stets kreisen sie um nahezu identische Forderungen und Kommentare: „Wann kommt endlich wieder eine Anbindung an Frankfurt?“, „Wir brauchen Frankfurt!“ oder „Wann gibt es endlich wieder eine funktionierende Hub-Anbindung?“.
So sehr man sich eine entsprechende Pressemeldung auch herbeisehnt – realistisch ist sie derzeit kaum. Stattdessen richtet sich der Blick zurück: beinahe zwei Jahrzehnte sind vergangen seit dem letzten Abflug vom Flughafen Klagenfurt zum Flughafen Frankfurt.
Winterflugplan 2007/2008


Im Winterflugplan 2007/2008 hob zum letzten Mal eine Maschine zum so wichtigen Drehkreuz Flughafen Frankfurt ab. Genauer gesagt am 27. März 2008, mit dem Ende des Winterflugplans. Zu dieser Zeit war die Austrian Airlines noch vollständig eigenständig und führte diese Verbindung mit eigener Crew und eigenen Flugzeugen selbst durch. Erst ein Jahr später wurde sie von der Lufthansa übernommen und in den Konzern integriert.
Es ging 3x am Tag und insgesamt 21x pro Woche von und Richtung Frankfurt zu den wichtigsten Flugzeiten des Tages, einmal früh Morgens, zu Mittag und am Abend. Diese Abflugzeiten haben sich damals wie heute kaum geändert, um optimale Anschlussmöglichkeiten für den Weiterflug zu erhalten.

Neben der Anbindung an Frankfurt ging es wochentags bis zu 5x pro Tag nach Wien. Insgesamt gab es 31x Flüge pro Woche nach Wien.



Neben den zwei Drehkreuzen gab es Verbindungen nach Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Düsseldorf und London. Speziell die deutschen Städtedestinationen und ihre dazugehörigen Regionen sind bis heute unverändert allesamt wichtige Kernmärkte des Kärntner Tourismus und bringen Hunderttausende von Nächtigungen ein. Ausgerechnet der Flughafen Graz verfügt mit der Stationierung eines Flugzeugs von Eurowings und regelmäßigen Verbindungen nach Berlin und Hamburg über genau jenes Angebot, das dem Flughafen Klagenfurt guttun würde. Gerade diese beiden Städte aus Nord- und Ostdeutschland bergen zusätzliches Potenzial für den Incoming-Tourismus nach Kärnten. Ein Blick auf die Nächtigungszahlen von Kärnten im Vergleich zur Steiermark für das Kalenderjahr 2025 legt nahe, dass entsprechende Flugverbindungen –zumindest saisonal und mehrmals wöchentlich – wirtschaftlich tragfähig sein könnten.
Aktuell steht mit der Strecke nach Köln, die von Eurowings ab Mai dreimal wöchentlich bedient wird, lediglich eine Destination aus Deutschland im Flugplan. Gleichzeitig erzielt Kärnten in jeder zusammengefassten deutschen Region mehr Nächtigungen als das benachbarte Bundesland Steiermark – und das, obwohl es keine direkten Flugverbindungen in diese Märkte gibt. Das unterstreicht einerseits die starke Nachfrage nach Kärnten als Reiseziel. Andererseits lässt es erkennen, dass der Kärntner Tourismus sein Potenzial seit Jahren nicht vollständig ausschöpft.

Von 2008 – 2012 flog man nach München als Ersatz
In einem von „Der Standard“ veröffentlichten Artikel aus dem Jahr 2008 wurde nach der Einstellung der Verbindung nach Frankfurt als Ersatz eine Anbindung nach München eingerichtet. Zuvor wurden auf der Strecke nach Frankfurt jährlich über 70.000 Passagiere befördert. Vergleichbare Zahlen wurden in der Folge auch für die Verbindung nach München gemeldet.
Die Flugverbindung nach München bestand noch weitere vier Jahre bis 2012. Seither ist Klagenfurt von beiden deutschen Drehkreuzen – München und Frankfurt – abgeschnitten, ohne dass diese Anbindungen bis heute wieder aufgenommen wurden. Wie dem Bericht zu entnehmen ist, wurde die Strecke damals mit einem 46-sitzigen Flugzeug bedient – eine Größe, die im heutigen Airline-Markt kaum noch vorstellbar ist.
Die heutige Situation im Jahr 2026
Regionalflughäfen in ganz Österreich, speziell Klagenfurt, Linz und im weiteren Sinne auch Innsbruck, sind leicht überspitzt formuliert vom Aussterben bedroht. Der Ausbruch der Corona Krise im Jahr 2020 hat den Regionalairports den letzten schweren Schlag versetzt. Von den genannten Flughäfen hat sich bis heute keiner vollständig erholt – zumindest dann nicht, wenn man die Anbindung an große Drehkreuze als Maßstab heranzieht.
Im Jahr 2019 wurden von Klagenfurt noch bis zu vier tägliche Flüge nach Wien angeboten. Zum Einsatz kam dabei unter anderem die Bombardier Dash 8 Q400 mit 76 Sitzplätzen, die während der COVID Krise endgültig aus der Flotte genommen wurde. Seither verfügt Austrian Airlines über kein vergleichbar kleines Flugzeug mehr, mit dem sich Kurzstrecken wirtschaftlich betreiben lassen. Der aktuell kleinste Flugzeugtyp ist die Embraer 195 mit über 120 Sitzplätzen, die jedoch ebenfalls mittelfristig ausgemustert werden soll. Künftig wird der kleinste Flugzeugtyp der Flotte der Austrian Airlines ein Airbus A320neo mit rund 180 Sitzplätzen sein.
Wir sehen also ganz klar eine Entwicklung, dass die Flugzeuge immer größer werden und aufgrund dessen nur mehr Airports bedient werden, wo diese auch wirtschaftlich eingesetzt werden können. Leidtragende an der ganzen Misere sind natürlich die schwächsten im Glied, was in diesem Fall vor allem die kleinen Regionalairports sind.
Gab es damals noch 52x wöchentliche Hub Anbindungen nach Frankfurt und Wien gemeinsam, so muss der Flughafen Klagenfurt sich heutzutage fast glücklich schätzen, wenn es zumindest 11x pro Woche verlässlich nach Wien geht. Das ist ein Rückgang von rund 79% des Angebots verglichen mit 2008. Die weitere Entwicklung stimmt ebenfalls wenig optimistisch, da aus Wien in absehbarer Zeit kaum Impulse zu erwarten sind und in der Luftfahrtbranche derzeit jeder Euro zweimal umgedreht wird.
Zusätzlich ist das Interesse namhafter Airlines im europäischen Umfeld derzeit gering, kleinere Propellerflugzeuge in ihre Flotten aufzunehmen – geschweige denn Flugzeugtypen mit weniger als 120 Sitzplätzen einzuflotten.
Neben vielen weiteren Faktoren auf die hier in diesem Artikel nicht genauer eingegangen wird, wieso es Regionalflughäfen speziell im deutschsprachigen Raum so schwer haben, spielt vor allem das Fehlen geeigneter kleiner Flugzeuge eine zentrale Rolle, weshalb in der heutigen Zeit Regionen von Hub Flughäfen abgeschnitten sind.
Flog man einst mit Flugzeugen im Bereich 40-70 Sitzplätzen Zubringerflüge nach Wien, Frankfurt und München, gibt es heute im Portfolio nur mehr Flugzeuge, die das doppelte oder dreifache an Sitzplätzen aufweisen.
Dieser Beitrag wurde von Andreas Knoll verfasst.