Logo von Air Canada auf einer Boeing 787 (Foto: Jan Gruber).
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Anko van der Werff gilt als Favorit für den Vorstandsvorsitz bei Air Canada

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Die Suche nach einem neuen Konzernchef für die nationale kanadische Fluggesellschaft Air Canada hat eine konkrete Richtung eingeschlagen. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg zeichnet sich der aktuelle Vorstandsvorsitzende der skandinavischen Fluggesellschaft SAS, Anko van der Werff, als aussichtsreichster externer Kandidat für die Nachfolge von Michael Rousseau ab.

Rousseau hatte zuvor nach anhaltender öffentlicher und politischer Kritik an seinen mangelnden Französischkenntnissen seinen Rückzug für das laufende Jahr angekündigt. Der anstehende Wechsel an der Spitze des Unternehmens fällt in eine Phase, in der Air Canada sowohl interne Managementstrukturen konsolidieren als auch internationale Herausforderungen im globalen Luftverkehr bewältigen muss. Die Personalie verdeutlicht die spezifischen kulturellen und sprachlichen Anforderungen, die an die Führung eines der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen Kanadas mit Sitz im frankophonen Montreal gestellt werden.

Die Hintergründe des angekündigten Rücktritts von Michael Rousseau

Der bevorstehende Abgang des amtierenden Konzernchefs Michael Rousseau ist das Resultat einer tiefgehenden Debatte über die kulturelle Identität und die gesetzlichen Verpflichtungen von Air Canada. Der Auslöser für die jüngste Eskalation war eine Videobotschaft Rousseaus nach einem tödlichen Absturz von zwei Piloten im Frühjahr des Jahres zweitausendsechsundzwanzig. In dieser offiziellen Mitteilung sprach der Vorstandsvorsitzende ausschließlich Englisch, was in der Provinz Québec und bei frankophonen Minderheiten in ganz Kanada auf massive Ablehnung stieß.

Die Kritik verschärfte sich durch die Tatsache, dass die Fluggesellschaft gesetzlich dem amtlichen Zweisprachigkeitsgebot des Landes unterliegt und tiefe historische Wurzeln in der Metropole Montreal besitzt. Die Unfähigkeit oder der Unwille der Konzernspitze, in Krisenmomenten die französische Landessprache adäquat zu nutzen, wurde von politischen Akteuren bis hin zur Bundesregierung in Ottawa gerügt. Um weiteren Schaden vom Image des Unternehmens abzuwenden, gab der Verwaltungsrat schließlich die Pläne für Rousseaus geordneten Rückzug bekannt. Parallel dazu wurde betont, dass ein bereits seit mehr als zwei Jahren vorbereiteter interner Nachfolgeplan aktiviert sowie im Januar zweitausendsechsundzwanzig eine weltweite externe Suche nach geeigneten Führungskräften eingeleitet worden sei.

Das Profil von Anko van der Werff und die Anforderungen in Montreal

Mit Anko van der Werff rückt ein international erfahrener Luftfahrtmanager in den Fokus der kanadischen Fluggesellschaft. Der gebürtige Niederländer leitet seit fünf Jahren die skandinavische SAS und hat in dieser Zeit komplexe Restrukturierungsprozesse sowie die Neuausrichtung der dortigen Flotte moderiert. Vor seinem Engagement in Skandinavien war er unter anderem als Vorstandsvorsitzender der kolumbianischen Avianca und in leitenden Funktionen bei Aeroméxico, Qatar Airways sowie Air France-KLM tätig.

Neben seiner fachlichen Qualifikation im globalen Allianzgeschäft und bei der Flottenmodernisierung – erst kürzlich verkündete er für SAS eine Festbestellung über achtzehn Maschinen des Typs Airbus A330-900 in Kopenhagen – verfügt van der Werff über ein breites sprachliches Fundament. Er spricht fließend Niederländisch, Englisch und Spanisch. Nach Angaben seines aktuellen Arbeitgebers besitzt er zudem Grundkenntnisse in Italienisch, Schwedisch und Französisch. Genau diese sprachliche Flexibilität könnte im Auswahlverfahren den Ausschlag geben. Zwar gelten Grundkenntnisse im Französischen in der anspruchsvollen politischen Landschaft Kanadas als das absolute Minimum für den Chefposten in Montreal, doch trauen Beobachter dem Manager zu, diese Defizite schneller auszugleichen als sein rein anglophoner Vorgänger.

Wirtschaftliche und operationelle Herausforderungen für die neue Führung

Der zukünftige Leiter von Air Canada übernimmt ein Unternehmen, das sich in einem volatilen Marktumfeld behaupten muss. Die Fluggesellschaft arbeitet derzeit an einer Anpassung ihrer Kapazitäten und sieht sich mit Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Flugzeugtypen konfrontiert, darunter auch Modelle für das Langstreckensegment wie der Airbus A350-1000. Die Optimierung des Streckennetzes und die Bewältigung gestiegener Betriebskosten erfordern eine ruhige Hand in der Betriebsführung.

Kritische Branchenanalysten geben zu bedenken, dass ein Wechsel von SAS zu Air Canada auch kulturelle Reibungsverluste im Management mit sich bringen könnte. Während van der Werff in Skandinavien ein stark staatlich beeinflusstes, aber skandinavisch-konsensorientiertes Umfeld gewohnt war, ist die Unternehmenskultur bei Air Canada durch harte Tarifauseinandersetzungen mit den Pilotengewerkschaften und ein stark wettbewerbsorientiertes Nordamerikageschäft geprägt. Zudem muss der neue Chef den Spagat zwischen den Erwartungen der Aktionäre an eine Gewinnmaximierung und den staatlichen Auflagen zur Aufrechterhaltung unrentabler Regionalverbindungen meistern. Die endgültige Entscheidung des Verwaltungsrats über die Besetzung des Postens wird für die kommenden Monate erwartet.

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