Die kanadische Regierung hat ihre rechtlichen Bemühungen intensiviert, um die vollständige Verfügungsgewalt über ein russisches Antonov An-124 Frachtflugzeug zu erlangen, das seit Februar 2022 am Toronto Pearson International Airport (YYZ) festsitzt. Das Flugzeug, betrieben von der Volga-Dnepr Airlines, strandete in Kanada kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Ein Sprecher von Global Affairs Canada teilte dem lokalen Nachrichtenportal INsauga mit, daß der Generalstaatsanwalt von Kanada am 18. März 2025 beim Obersten Gerichtshof von Ontario ein Einziehungsverfahren eingeleitet hat. „Eine Person oder Einrichtung mit einem Interesse oder einem Recht an dem beschlagnahmten Eigentum hat die Möglichkeit, Beweise vorzulegen und an administrativen und Gerichtsverfahren teilzunehmen“, erklärte der namentlich nicht genannte Beamte in einer Stellungnahme.
Wertvolles Frachtflugzeug seit drei Jahren in Toronto
Das betroffene Flugzeug mit der Registrierungsnummer RA-82078 gehört der Volga-Dnepr Airlines, einer russischen Frachtfluggesellschaft und Tochtergesellschaft der Volga-Dnepr Gruppe. Die Antonov An-124-100 Ruslan ist mit einer Hebekapazität von 150 Tonnen eines der größten Frachtflugzeuge der Welt. Ihre Fähigkeit, übergroße und schwere Lasten zu transportieren, macht sie zu einem wertvollen strategischen Gut für die kommerzielle und militärische Logistik. Zum Zeitpunkt des russischen Einmarsches in die Ukraine am 24. Februar 2022 lieferte die Maschine gerade eine Ladung von COVID-19-Testkits von China nach Kanada. Drei Tage später, während das Flugzeug noch seine Fracht in Toronto entlud, schloß Kanada seinen Luftraum für russische Fluggesellschaften, wodurch die An-124 faktisch gestrandet war.
Im Juni 2023 ordnete Kanada die formelle Beschlagnahme des Flugzeugs im Rahmen seiner Sanktionen als Reaktion auf Rußlands Handlungen in der Ukraine an. Die kanadische Regierung kündigte später an, das Flugzeug an die Ukraine übertragen zu wollen, um es dort für den Wiederaufbau nach dem Krieg einzusetzen und Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu entschädigen. Die kanadische Außenministerin Mélanie Joly verteidigte die Beschlagnahme und erklärte, dieser Schritt sende ein starkes Signal nach Moskau.
Volga-Dnepr wehrt sich juristisch
Als Reaktion auf die Beschlagnahme leitete die Volga-Dnepr Airlines im Dezember 2023 ein Gerichtsverfahren vor dem Bundesgericht von Kanada ein und focht die Rechtmäßigkeit der Sanktionen und der Beschlagnahme an. Die Fluggesellschaft argumentierte, sie sei nicht in Rußlands militärische Aktivitäten verwickelt und habe keine Verbindungen zu Gruppierungen wie der Wagner-Gruppe. Zudem wurde beklagt, daß das Flugzeug während seiner Standzeit am Toronto Pearson Airport vernachlässigt worden sei, keine Wartung erhalten habe und den Elementen ausgesetzt gewesen sei.
Im Februar 2025 erweiterte die kanadische Regierung ihre Beschlagnahmeanordnung auf weitere Parteien, von denen angenommen wird, daß sie direkt oder indirekt an der Eigentümerschaft oder Kontrolle der in Toronto gestrandeten Antonov An-124 beteiligt sind. Die aktualisierte Anordnung nannte neben der Volga-Dnepr Gruppe und der Volga-Dnepr Airlines auch Aleksey Ivanovich Isaykin, Volga-Dnepr Airlines (Ireland) Limited, Volga-Dnepr Logistics B.V. und die Sberbank.
Der Ausgang der Gerichtsverfahren könnte einen bedeutenden Präzedenzfall für die Beschlagnahme von ausländischem, staatsnahem Eigentum im Rahmen von Sanktionsregimen schaffen. Das Flugzeug verbleibt weiterhin am Toronto Pearson Airport, während die Gerichtsverfahren andauern. Die Antonov An-124-100 Ruslan ist ein viermotoriges Frachtflugzeug, das in den 1980er Jahren in der Sowjetunion entwickelt wurde und für den Transport von sehr schweren und sperrigen Gütern konzipiert ist. Es besitzt sowohl an der Nase als auch am Heck Rampen für das Be- und Entladen.