Austrian Airlines (AUA) hat den angekündigten Flottenumbau im Segment Kurz- und Mittelstrecke offiziell gestartet. Am heutigen Tag wurde die erste von insgesamt 17 Embraer 195-Maschinen, die neun Jahre lang unter österreichischer Registrierung (OE-LWM) flog, an die italienische Schwestergesellschaft Air Dolomiti überstellt. Der Überführungsflug mit der Flugnummer EN9910 markiert den Beginn eines weitreichenden Flottenwechsels, der die gesamte AUA-Flotte auf nur noch zwei Flugzeugfamilien straffen soll.
Das Flugzeug, das nun die italienische Kennung I-ENJA trägt, hob am späten Nachmittag in Richtung Verona ab und wurde von der Austrian Technik mit einem eigens angefertigten Banner verabschiedet. Die Embraer 195 spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der AUA, da sie ab 2016 die älteren Fokker-Flugzeuge ersetzte. Die nun ausgeschiedene Maschine, intern bekannt als „Whisky Mike“, beendet ihren Dienst für Austrian nach 30.393 Betriebsstunden, wovon 21.417 Stunden für die österreichische Fluggesellschaft geleistet wurden. Die Maschine war am 18. April 2016 mit dem Flug von Wien nach Stuttgart in den regulären Liniendienst bei AUA gestartet.
Strategischer Transfer zur Schwestergesellschaft
Von den 17 Embraer-Flugzeugen, die nun schrittweise ausgemustert werden, sollen 13 Maschinen zur Lufthansa-Konzerntochter Air Dolomiti wechseln. Die verbleibenden vier Flugzeuge sind für den externen Verkauf vorgesehen; dieser Prozess beginnt Anfang 2026.
Stefan-Kenan Scheib, Chief Operating Officer (COO) von Austrian Airlines, würdigte die scheidende Flotte und die reibungslose Übergabe: „Wir verabschieden uns vom ersten von 17 Embraer-Flugzeugen, das uns viele Jahre lang gute Dienste geleistet und wichtige Leistungen erbracht hat. Wir freuen uns, dass ein Großteil der Embraer-Flotte nun bei Austrians Schwestergesellschaft Air Dolomiti weiterfliegen wird.“ Er hob die schnelle und sichere Umsetzung des Flottenwechsels durch das Austrian-Team hervor. Der geplante Übergabezeitraum für die gesamte Embraer-Flotte ist bis Ende 2028 angesetzt. Die nächste Embraer soll voraussichtlich bereits im Februar 2026 die AUA-Flotte verlassen.
Der Transfer der Flugzeuge innerhalb des Lufthansa-Konzerns an Air Dolomiti, die primär Zubringerflüge für die Drehkreuze München und Frankfurt durchführt, ist ein strategischer Schritt. Er ermöglicht es dem Konzern, die Lebensdauer der technisch noch aktuellen Maschinen optimal zu nutzen, während Austrian Airlines ihre eigene Flotte modernisiert und vereinheitlicht.
Massive Modernisierung der Kurz- und Mittelstreckenflotte
Im Zuge der Ausmusterung der 17 Embraer-Maschinen wird Austrian Airlines ihre Airbus-Flotte aufstocken und modernisieren. Die Fluggesellschaft erwartet die Lieferung von sechs zusätzlichen, fabrikneuen Airbus A320neo-Flugzeugen. Die erste dieser neuen Maschinen soll im Sommer 2026 eintreffen. Mit diesen Neuzugängen wird die Airbus-Flotte der AUA auf insgesamt 46 Flugzeuge anwachsen.
Die A320neo-Familie spielt eine entscheidende Rolle in der Flottenstrategie der Lufthansa Group. Die A320neo, die in der AUA-Konfiguration voraussichtlich 180 Passagiersitze bieten wird, verfügt über eine höhere Kapazität als die Embraer 195 (120 Sitze). Die Umstellung auf die größere Airbus-Variante ermöglicht es Austrian Airlines, auf stark nachgefragten Routen mehr Passagiere zu befördern, was die Stückkosten senkt und die Wirtschaftlichkeit des Kurz- und Mittelstreckennetzes verbessert. Die vollständige Konsolidierung auf die Airbus A320-Familie als einzige Schmalrumpfflotte reduziert die Komplexität bei Wartung, Ersatzteillagerung und Crew-Training erheblich.
Die umfassende Flottenharmonisierung
Der Umbau der Kurz- und Mittelstreckenflotte ist Teil eines viel weiter gefassten Programmes zur Harmonisierung der gesamten Austrian Airlines Flotte. Ziel ist es, von derzeit fünf unterschiedlichen Flugzeugfamilien (Embraer, Airbus, Boeing 767, Boeing 777, Boeing 787-9) auf nur noch zwei zu reduzieren: die Airbus A320-Familie und die Großraumflugzeuge des Typs Boeing 787-9 Dreamliner.
Auch die Langstreckenflotte wird einer tiefgreifenden Erneuerung unterzogen, die bereits Mitte 2024 mit der Hinzunahme der ersten beiden Boeing 787-9 Dreamliner begann. Die Dreamliner ersetzen schrittweise die älteren Modelle Boeing 767 und Boeing 777. Aktuellen Planungen zufolge sollen bis Ende 2028 zehn weitere Boeing 787-9 hinzukommen. Dies würde die Langstreckenflotte auf insgesamt zwölf moderne Flugzeuge erweitern. Die Harmonisierung der Langstreckenflotte auf den Dreamliner ist ebenfalls ein gängiger Trend in der Branche, da der Typ für seine operative Flexibilität und Wirtschaftlichkeit auf interkontinentalen Routen geschätzt wird.
Durch die konsequente Konzentration auf die Airbus A320-Familie im Regionalverkehr und die Boeing 787-9 auf der Langstrecke strebt Austrian Airlines eine signifikante Optimierung der Betriebsabläufe, eine Senkung der Betriebskosten und eine Steigerung der Passagierkapazität an, was die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens innerhalb des europäischen Luftfahrtmarktes stärken soll.
