AUA: Ist Gratis-Wasser in Mini-Flaschen nachhaltig?

Kostenlose Wasserflasche bei Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).
Kostenlose Wasserflasche bei Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).

AUA: Ist Gratis-Wasser in Mini-Flaschen nachhaltig?

Kostenlose Wasserflasche bei Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).
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In der „Zeit vor Corona“ stand die Reduktion des Plastikmülls im öffentlichen Fokus. Umweltschützer weisen wiederholt mittels dramatischer Fotos auf die prekäre Situation in den Weltmeeren hin. Zahlreiche Airlines sprangen auf den Zug auf und verpassten sich durch Ankündigungen, dass an Bord weniger Plastik verwendet werden soll, ein grüneres Image. Auch Austrian Airlines sagte diesem Material den Kampf an, doch just erhöht man nun die Verwendung von Kunststoffen.

Derzeit stellen Plastik-Getränkeflaschen ein wesentlich geringeres Problem für die Umwelt dar als Einmal-Masken. Zunehmen verbieten immer mehr Länder – darunter unter anderem Österreich und Deutschland – die Verwendung von waschbaren Stoffmasken. Die Einmal-Produkte – egal ob so genannte „medizinische“ MNS oder FFP2 – bestehen zum überwiegenden Teil aus Kunstoffen. Oftmals werden diese nach Verwendung achtlos weggeworfen. In vielen Staaten ist auch die Entsorgung auf dem legalen Weg ein ernsthaftes Problem, denn aufgrund der Vermischung verschiedener Kunststoffe sind die Einmal-Masken defacto nicht recycelbar. Anders ausgedrückt: Es wird Sondermüll geschaffen, der auch in den Weltmeeren landen kann und dort von Fischen, Meeressäugern und anderen Tieren irrtümlich für eine Qualle gehalten werden kann. Statt dem erhofften Leckerbissen folgt häufig der qualvolle Tod.

Aus einem Plastikbecher wurden eine Mini-Plastikflasche und ein Plastikbecher

Im Zuge der Umstellung des Catering-Konzepts auf den Verkauf von Speisen und Getränken im Namen und auf Rechnung der Retail in Motion schaffte Austrian Airlines auf Kurz- und Mittelstreckenflügen den bisher kostenfreien Ausschank von Tee, Kaffee und Wasser ab. Bislang wurde aus 1,5-Liter-Kunstoffflaschen in etwa 0,2-Liter fassende Plastikbecher umgefüllt. Rein rechnerisch konnten so in etwa 7,5 Passagiere pro Wasserflasche ihr Mineralwasser bekommen.

Das ist nun auf Kurzstreckenflügen anders: Ausschließlich auf ausdrückliche Nachfrage geben die fliegenden Verkäuferinnen Wasser aus. Das bedeutet konkret, dass proaktiv kein kostenloses Mineralwasser angeboten wird, sondern die Fluggäste aktiv danach fragen müssen. Hinweise darauf gibt es weder während dem Buchungsvorgang, noch im Verkaufskatalog, der sich in den Sitztaschen befindet.

Kostenlose Wasserflasche bei Austrian Airlines (Foto: Robert Spohr).

Hinsichtlich dem Umweltschutz führt Austrian Airlines die vor der Pandemie ausgerufene Vermeidung von Plastikabfällen ad-absurdum, denn auf Kurzstreckenflügen ist das kostenfreie Mineralwasser in 0,2-Liter fassende Sample-Flaschen aus dem Hause der Ottakringer-Brauerei abgepackt. Zusätzlich werden ein Plastikbecher und eine Serviette gereicht. Anders ausgedrückt: Die Verteilung der 0,2 Liter fassenden Vöslauer-Flaschen (der Mineralbrunnen gehört der Ottakringer Gruppe an) samt Becher – wobei dieser minimal mehr als den Flascheninhalt fasst – maximiert den Plastikabfall. Grandiose Erfindung im Sinne des Umweltschutzes?

AUA verweist auf nachhaltiges Gesamtkonzept

Austrian Airlines sieht das naturgemäß komplett anders und verweist gegenüber Aviation Direct auf die Gesamtheit des neuen Cateringkonzepts. Ein Sprecher führte unter anderem aus: „Beim neuen Cateringkonzept auf Europaflügen setzen wir überall wo es geht auf Nachhaltigkeit. Die Weckerl sind in Papier eingewickelt, das Essbesteck ist aus Holz, die Kaffeetassen aus Porzellan. Wir verwenden zwar Plastikbecher, die werden aber gesammelt und recycelt (siehe Projekt ReOil). Auf Flügen bis zu 75 Minuten stellen wir die angesprochene Flasche Wasser zur Verfügung. Auf Flügen zwischen 75 und 180 Minuten Reisezeit schenken wir das Wasser in Bechern aus. Die Menge ist de facto gleich.“

Weiters sagte der AUA-Medienreferent gegenüber Aviation Direct: „Der Unterschied ergibt sich daraus, dass bei kürzeren Flügen auch die Servicezeit geringer ist. Deswegen haben wir uns hier für die Ausgabe von Flaschen entschieden, was den Prozess beschleunigt. Wir trennen schon seit Jahren den anfallenden Müll an Bord. Das gilt zum Beispiel für PET-Flaschen, Glasflaschen, Tetrapak, Dosen, etc.“.

Durstig bleiben schont die Umwelt und die Geldbörse der AUA

Da viele Fluggäste gar nicht wissen, dass sie ein kostenloses Mineralwasser auf AUA-Kurz- und Mittelstreckenflügen erhalten können – wie erwähnt wird dies nicht aktiv angeboten, sondern nur auf explizite Nachfrage überreicht – dürfte sich aus diesem Grund der tatsächliche Impact der „Plastikmüll-Maximierung“ in Grenzen halten. Pochen jedoch alle Eco-Passagiere auf ihr Freigetränk, so entsteht deutlich mehr Abfall. Darüber können auch die nachhaltigen Ansätze im kostenpflichtigen Bereich des Bordcaterings nicht hinwegtäuschen.

Die durchaus ungewöhnliche Schlussfolgerung ist: Fluggäste, denen die Umwelt am Herzen liegt, sollten auf ihr kostenloses Wasser verzichten. Austrian Airlines wird es gelassen nehmen, denn jeder Becher, jede Serviette und jede 0,2-Liter-Vöslauer-Flasche, die nicht ausgegeben wird, spart den Carrier Geld ein. Pro Kopf sind die durch das Nicht-Verlangen des kostenlosen Wassers eingesparten Kosten minimal, doch in der Luftfahrt können sich über ein Kalenderjahr hinweg gesehen auch Centbeträge schnell zu Millionen-Euro-Beträgen addieren.

Für besonders umweltbewusste Passagiere gibt es übrigens an vielen Airports eine Alternative: Wasserspender, an denen mitgebrachte Flaschen gefüllt werden können. Sinnvollerweise befinden diese sich – falls vorhanden – erst nach der Sicherheitskontrolle. Nachhaltig wird es, wenn ein wiederverwendbarer Behälter, zum Beispiel Glasflaschen, die samt Schutzhülle regelmäßig bei Discountern im Angebot sind, verwendet wird. Alternativ tut es auch eine Einweg-Plastikflasche, denn auch diese lassen sich problemlos an einem Spender oder unter einem Wasserhahn befüllen.

2 Comments

  • Wolfgang , 8. April 2021 @ 21:01

    Da dürfte im Beitrag wohl ein Dimensionsfehler vorliegen. Wenn ich in 2 Stunden 6 Tonnen Kerosin in die Atmosphäre blase, dann sind die paar Plastikflascherl wohl nicht erwähnenswert. Plastik und Kerosin bestehen ja beide nur aus Kohlenwasserstoffen. Ich vermute, dass beim Besäufnis am Strand in Malle mehr Plastik ins Meer gelangt als durch die AUA. Von den Stickoxiden, Ruß und anderen Emissionen aus der Brennkammer reden wir lieber gar nicht.

  • Hans , 13. April 2021 @ 15:41

    Langsam wir das AUA-Bashing von Herrn Gruber aber skurril…zuerst jammern, dass es kein Wasser gibt, jetzt ist es nicht recht, dass es aus einer Flasche anstatt einem Becher kommt. Wenn man (oder der Autor) jetzt keine andere Sorgen hat als diese, dann bin ich froh…

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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  • Wolfgang , 8. April 2021 @ 21:01

    Da dürfte im Beitrag wohl ein Dimensionsfehler vorliegen. Wenn ich in 2 Stunden 6 Tonnen Kerosin in die Atmosphäre blase, dann sind die paar Plastikflascherl wohl nicht erwähnenswert. Plastik und Kerosin bestehen ja beide nur aus Kohlenwasserstoffen. Ich vermute, dass beim Besäufnis am Strand in Malle mehr Plastik ins Meer gelangt als durch die AUA. Von den Stickoxiden, Ruß und anderen Emissionen aus der Brennkammer reden wir lieber gar nicht.

  • Hans , 13. April 2021 @ 15:41

    Langsam wir das AUA-Bashing von Herrn Gruber aber skurril…zuerst jammern, dass es kein Wasser gibt, jetzt ist es nicht recht, dass es aus einer Flasche anstatt einem Becher kommt. Wenn man (oder der Autor) jetzt keine andere Sorgen hat als diese, dann bin ich froh…

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