Foto: FACC AG.
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Ausbau der Fertigungskapazitäten im indischen Luftfahrtsektor durch FACC und Kineco Aerospace

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Der österreichische Luftfahrtzulieferer FACC hat die Zusammenarbeit mit dem indischen Unternehmen Kineco Aerospace ausgeweitet. Gegenstand der Vereinbarung ist ein zweites Arbeitspaket zur Fertigung von Faserverbund-Bauteilen für Flugzeuge des europäischen Flugzeugherstellers Airbus.

Die Produktion der Komponenten erfolgt an Standorten in Indien und umfasst ein Volumen von mehreren Tausend Teilen pro Jahr. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Qualifizierungsmeilensteins mit Airbus soll die Serienfertigung Ende 2027 anlaufen. Die Maßnahme baut auf einem langfristigen Abkommen auf, das beide Unternehmen im Juni 2025 auf der Luftfahrtmesse in Paris geschlossen hatten. Mit diesem Schritt verfolgt FACC das Ziel, die eigene Zulieferkette geografisch zu diversifizieren und Fertigungskapazitäten auf dem wachsenden indischen Subkontinent aufzubauen.

Vertragsgrundlagen und Umfang der neuen Vereinbarung

Das neu vergebene Arbeitspaket umfasst die Konstruktion und Fertigung hochkomplexer Composite-Komponenten aus Kohlenstofffaser- und Glasfaserverbundwerkstoffen. Diese Bauteile finden Anwendung in modernen Airbus-Zivilflugzeugen, bei denen das Materialgewicht eine zentrale Rolle für die Wirtschaftlichkeit spielt. Über die genaue finanzielle Summe des Auftrags sowie spezifische Flugzeugtypen machten die beteiligten Unternehmen im Rahmen der Bekanntgabe keine detaillierten Angaben.

Die Kooperation basiert auf einer Partnerschaft, deren Grundstein im Juni 2025 auf der internationalen Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris gelegt wurde. Damals vereinbarten FACC und Kineco eine langfristige Ausrichtung der Zusammenarbeit. Voraussetzung für die aktuelle Ausweitung des Auftragsvolumens war das Erreichen streng vorgegebener Qualitäts- und Auditierungskriterien, die vom Flugzeughersteller Airbus gemeinsam mit FACC überprüft und freigegeben wurden. Nach Abschluss dieser Qualifizierungsphase beginnt nun die Vorbereitung der Produktionsanlagen, damit der Serienanlauf wie geplant Ende 2027 erfolgen kann.

Kapazitätsaufbau und Bedeutung des indischen Marktes

Für den im oberösterreichischen Ried im Innkreis ansässigen Konzern FACC stellt die Kooperation mit Kineco einen Baustein innerhalb der globalen Sourcing-Strategie dar. Das Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz des chinesischen Luftfahrtkonzerns AVIC steht, fertigt Komponenten für Rumpf, Tragflächen sowie die Innenausstattung von Zivilflugzeugen. Um den steigenden Bauraten großer Flugzeughersteller gerecht zu werden und gleichzeitig dem Kostendruck im Zuliefersektor zu begegnen, setzt FACC verstärkt auf Partnerschaften in Schwellenländern.

Indien entwickelt sich in diesem Kontext zu einem der zentralen Wachstumszentren der globalen Zivilluftfahrt. Neben den massiven Flugzeugbestellungen indischer Fluggesellschaften fordert die indische Regierung im Rahmen von Industrieinitiativen vermehrt eine lokale Wertschöpfung vor Ort. Andreas Furthmayr, Vorstandsmitglied für den Bereich Aerostructures bei FACC, betonte, dass der Aufbau von Fertigungskapazitäten in Indien schrittweise und gemeinsam mit etablierten lokalen Zulieferern erfolgt. Es gehe darum, technologische Kompetenzen direkt vor Ort aufzubauen, anstatt reine Lohnfertigung zu betreiben.

Industrielle Rolle von Kineco Aerospace

Kineco Aerospace ist ein Tochterunternehmen der Kineco-Gruppe mit Sitz im indischen Bundesstaat Goa. Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Verbundwerkstoffen für die Luft- und Raumfahrt, die Verteidigungsindustrie sowie den Schienenverkehr spezialisiert. Über ein Joint Venture ist zudem der indische Chemie- und Materialkonzern Supreme Industries an Kineco beteiligt, was dem Fertiger Zugriff auf umfangreiche finanzielle und technologische Ressourcen verschafft.

Der Chief Operating Officer von Kineco Aerospace, S. R. Mukherjee, erklärte, dass der Erhalt des zweiten Airbus-Arbeitspakets die Leistungsfähigkeit des Unternehmens im Bereich fortschrittlicher Composite-Technologien unterstreiche. Für den indischen Betrieb ist der Auftrag ein wichtiger Schritt, um sich als dauerhafter Zulieferer im Netzwerk globaler Flugzeugbauer zu etablieren. Durch die Ausweitung der Fertigung für FACC investiert Kineco in moderne Fertigungstechnologien, automatisierte Legesysteme für Verbundwerkstoffe sowie Qualitätsprüfverfahren, die internationalen Luftfahrtstandards entsprechen.

Wirtschaftliches Umfeld und Herausforderungen in der Lieferkette

Die Ausweitung der Produktion nach Indien fällt in eine Phase, in der die Luftfahrtzulieferindustrie unter erheblichem Druck steht. Nach den Störungen der Lieferketten in den vergangenen Jahren kämpfen Hersteller wie Airbus und Boeing weiterhin mit Engpässen bei Rohstoffen, Elektronikkomponenten und Fachkräften. Um die ehrgeizigen Hochlaufpläne bei der Produktion von Schmalrumpfflugzeugen wie der Airbus-A320neo-Familie einzuhalten, sind primäre Systemlieferanten wie FACC darauf angewiesen, ihre Produktionsbasis abzusichern und flexible Kapazitäten zu schaffen.

Die Verlagerung von Fertigungsumfängen nach Indien bietet für europäische Unternehmen Kostenvorteile bei den Arbeitsintensiven Schritten der Composite-Verarbeitung. Dennoch birgt der Aufbau neuer Produktionsstätten in Schwellenländern auch Risiken. Verzögerungen bei Zertifizierungsprozessen, langwierige Zollabwicklungen für Spezialchemikalien und Harze sowie logistische Distanzen zu den europäischen Endmontagelinien von Airbus in Toulouse und Hamburg erfordern eine präzise Steuerung der Lieferketten.

Ausblick auf die Weiterentwicklung der Partnerschaft

Mit dem festgelegten Produktionsstart Ende 2027 verbleiben den Partnern FACC und Kineco rund eineinhalb Jahre für den technischen Transfer, den Aufbau spezieller Werkzeuge und die Schulung des Bedienpersonals. Das Jahr 2026 steht im Zeichen der Einrichtung der Fertigungslinien und der Herstellung von Testbauteilen, die weiteren Erprobungen unterzogen werden.

Sollte der Serienanlauf Ende 2027 erfolgreich verlaufen, erscheint eine spätere Erweiterung des Kooperationsumfangs möglich. Sowohl FACC als auch Kineco haben signalisiert, die Zusammenarbeit bei entsprechenden Marktbedingungen weiter vertiefen zu wollen. Die Partnerschaft zeigt veranschaulichend, wie europäische Luftfahrtzulieferer ihre globalen Wertschöpfungsketten neu strukturieren, um den doppelten Anforderungen von Kostenoptimierung und Kapazitätserweiterung gerecht zu werden.

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