Boeing 787-8 (Foto: Oliver Holzbauer).
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Avianca-Flug AV121: Medizinischer Notfall zwingt Boeing 787 zur Umkehr

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Ein Boeing 787 Dreamliner der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca, auf dem Weg von London-Heathrow (LHR) nach Bogotá (BOG), mußte in der vergangenen Nacht unerwartet nach London zurückkehren.

Der Großraumjet, der den Flug AV121 durchführte, war lediglich etwas mehr als eine Stunde in der Luft, bevor er wieder in der britischen Hauptstadt landete. Als Grund für die Umkehr wurde ein medizinischer Notfall an Bord bestätigt. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine bemerkenswerte Serie von Zwischenlandungen, die diese spezifische Transatlantikroute in jüngster Zeit erlebt hat, was die Komplexität und die unvorhersehbaren Herausforderungen des Langstreckenflugbetriebs unterstreicht.

Der Vorfall: Ungeplanter „Zwischenstopp“ über dem Atlantik

Flug AV121 von Avianca ist eine reguläre tägliche kommerzielle Verbindung zwischen dem London Heathrow Airport und der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Planmäßig hebt der Flug um 22:05 Uhr ab und erreicht Bogotá am nächsten Morgen um 03:00 Uhr Ortszeit, nach einer Flugzeit von etwa 10 Stunden und 55 Minuten. Die jüngste Durchführung dieses Fluges verlief jedoch wesentlich kürzer als erwartet.

Die betroffene Maschine, eine Boeing 787-8 Dreamliner mit der Registrierung N783AV, kehrte kurz vor der Nordküste Cornwalls im Südwesten Englands um und flog zurück zu ihrem Ausgangspunkt am London Heathrow Airport. Nach Angaben von Air Live befand sich der Flug in einer Höhe von etwa 37.500 Fuß, als die Umkehr eingeleitet wurde. Die sichere Landung in London erfolgte um 23:27 Uhr.

Der genaue Grund für die Umleitung blieb zunächst unklar, doch Spekulationen in sozialen Medien deuteten auf einen medizinischen Notfall hin. Dies wurde später von einem Sprecher von Avianca bestätigt, der gegenüber Simple Flying mitteilte: „Flug AV121 kehrte nach LHR aufgrund eines medizinischen Notfalls an Bord zurück. Alle Passagiere wurden betreut und erhielten Unterkunft. Anschließend startete der Flug heute gegen 15:00 Uhr (britische Zeit) erneut.“ Solche medizinischen Notfälle an Bord sind eine der häufigsten Ursachen für ungeplante Zwischenlandungen und erfordern von den Flugbesatzungen schnelle und präzise Entscheidungen, um die Sicherheit des betroffenen Passagiers zu gewährleisten. Die sofortige Rückkehr zum nächstgelegenen geeigneten Flughafen mit medizinischer Infrastruktur ist dabei Standardprozedere.

Die betroffene Maschine: Eine Boeing 787-8 im Fokus

Das an dem Vorfall beteiligte Flugzeug, die Boeing 787-8 Dreamliner mit der Registrierung N783AV, verbrachte nach der Umleitung fast einen ganzen Tag am Boden in London. Flotteninformationen von ch-aviation zeigen, daß diese Maschine eine von 16 Boeing 787-8s ist, die der kolumbianischen nationalen Fluggesellschaft und Star Alliance-Mitglied Avianca zur Verfügung stehen. Das Durchschnittsalter dieser Großraum-Zweistrahler liegt bei 9,7 Jahren.

Die N783AV selbst ist mit einem Alter von 10,67 Jahren geringfügig älter als der Durchschnitt ihrer Flottenkohorte. Sie wurde ursprünglich im Oktober 2006 von Avianca bestellt und absolvierte ihren ersten Testflug im November 2014. Die Auslieferung an die 105 Jahre alte kolumbianische Fluggesellschaft erfolgte im folgenden Monat. Die Konfiguration des Flugzeugs umfaßt 291 Sitze, aufgeteilt in 271 in der Economy Class und 20 in der Business Class. Die Boeing 787 Dreamliner-Familie ist bekannt für ihre Treibstoffeffizienz und ihre Fähigkeit, Langstreckenflüge komfortabel zu bewältigen, was sie zu einem beliebten Flugzeugtyp für transatlantische Routen macht.

Eine Route mit Geschichte: Wiederholte Zwischenlandungen auf AV121

Interessanterweise ist dies nicht das erste Mal, daß die N783AV während des Betriebs von Flug AV121 von London nach Bogotá umkehren mußte. Daten von Flightradar24 zeigen, daß dieses Schicksal die Maschine bereits im April 2025 ereilte. Damals konnte das Flugzeug jedoch näher an seinem beabsichtigten Ziel landen, indem es in Cali im Westen Kolumbiens aufsetzte. Die Gründe für diese frühere Umleitung wurden nicht näher erläutert, doch die Wiederholung von Zwischenfällen auf derselben Maschine und Route ist bemerkenswert.

Langjährige Leser von Luftfahrtpublikationen könnten sich auch an mehrere andere Fälle erinnern, in denen ein Avianca-Flug zwischen London und Bogotá umgeleitet werden mußte. Der erste dieser Vorfälle ereignete sich bereits im September 2022. Damals zwang eine Triebwerksstörung über dem Atlantik einen Flug in Richtung London dazu, nach Lajes (TER) auf den Azoren umgeleitet zu werden. Avianca mußte daraufhin einen Charterflug zu dem portugiesischen Archipel organisieren, um die 244 Passagiere und 10 Besatzungsmitglieder nach London zu bringen.

Nur etwas mehr als zwei Jahre später, im Dezember 2024, berichtete The Aviation Herald, daß Triebwerksprobleme Flug AV121 erneut zu einer Umleitung auf die Azoren zwangen, diesmal nach Ponta Delgada (PDL), während der Flug von London nach Bogotá unterwegs war. Diese Probleme betrafen speziell das rechte Trent 1000-Triebwerk des Jets. Die Häufung von Zwischenfällen, insbesondere mit Triebwerksproblemen, auf dieser spezifischen Route wirft Fragen nach den zugrundeliegenden Ursachen auf, sei es in Bezug auf die Wartung, die Betriebsbedingungen oder die Zuverlässigkeit der Triebwerke unter bestimmten Umständen.

Medizinische Notfälle an Bord: Eine häufige Ursache für Umleitungen

Medizinische Notfälle an Bord von Flugzeugen sind eine der häufigsten Ursachen für ungeplante Zwischenlandungen oder Umleitungen. Obwohl sie selten sind, können sie von plötzlichen Erkrankungen bis hin zu ernsthaften lebensbedrohlichen Zuständen reichen. Fluggesellschaften und deren Besatzungen sind umfassend für solche Situationen geschult. Die Flugbegleiter erhalten eine medizinische Grundausbildung und sind in der Lage, Erste Hilfe zu leisten. Bei schwerwiegenderen Fällen wird der Pilot in der Regel medizinischen Rat von Bodenärzten einholen, die über Satellitenkommunikation erreichbar sind.

Die Entscheidung zur Umleitung wird getroffen, wenn die medizinische Versorgung an Bord nicht ausreicht oder wenn der Zustand des Patienten eine sofortige Behandlung in einem Krankenhaus erfordert. Dabei werden Faktoren wie die Schwere des Notfalls, die Flugphase, die Entfernung zum nächsten geeigneten Flughafen und die dort verfügbare medizinische Infrastruktur berücksichtigt. Die Sicherheit und das Wohlergehen des Passagiers haben dabei oberste Priorität. Umleitungen aufgrund medizinischer Notfälle sind zwar bedauerlich für die betroffenen Passagiere und führen zu Verzögerungen, sind aber ein notwendiger Bestandteil des Sicherheitsmanagements in der Luftfahrt.

Auswirkungen auf Passagiere und Fluggesellschaften

Ungeplante Zwischenlandungen, sei es aufgrund medizinischer Notfälle oder technischer Probleme, haben weitreichende Auswirkungen auf Passagiere und Fluggesellschaften gleichermaßen. Für die Passagiere bedeuten sie in erster Linie erhebliche Reiseverzögerungen, die von wenigen Stunden bis zu einem ganzen Tag oder länger reichen können. Dies führt oft zu verpaßten Anschlußflügen, zusätzlichen Übernachtungskosten und erheblichem Streß. Fluggesellschaften sind verpflichtet, sich um die betroffenen Passagiere zu kümmern, was die Bereitstellung von Verpflegung, Unterkunft und alternativen Flügen umfaßt.

Für die Fluggesellschaften selbst sind solche Umleitungen mit erheblichen Kosten verbunden. Dazu gehören:

  • Treibstoffkosten für die Umleitung und den erneuten Start.
  • Landungs- und Abfertigungsgebühren am Ausweichflughafen.
  • Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der Passagiere.
  • Entschädigungszahlungen an die Passagiere gemäß den geltenden Fluggastrechteverordnungen (z. B. EU261/2004, falls zutreffend).
  • Kosten für Reparaturen und Wartung des Flugzeugs, falls ein technisches Problem die Umleitung verursachte.
  • Operative Störungen im gesamten Flugplan, da das umgeleitete Flugzeug und seine Besatzung für nachfolgende Flüge fehlen.

Die Häufung von Zwischenfällen auf der London-Bogotá-Route könnte für Avianca Anlaß sein, eine tiefgehende Analyse der Ursachen durchzuführen, um die Zuverlässigkeit dieses wichtigen Langstreckenfluges zu verbessern. Avianca, als Mitglied der Star Alliance, ist bestrebt, hohe Standards in Bezug auf Pünktlichkeit und Service zu halten, um ihre Position im globalen Luftverkehr zu sichern.

Avianca im Kontext: Ein Überblick über die Fluggesellschaft

Avianca, gegründet im Jahre 1919, ist die nationale Fluggesellschaft Kolumbiens und eine der ältesten noch bestehenden Fluggesellschaften der Welt. Sie ist ein Vollservice-Carrier und ein stolzes Mitglied der Star Alliance, einer der größten globalen Airline-Allianzen. Ihre Hauptdrehkreuze befinden sich am El Dorado International Airport in Bogotá und am El Salvador International Airport.

Die Fluggesellschaft hat in den letzten Jahren, wie viele andere Airlines auch, verschiedene Herausforderungen gemeistert, darunter finanzielle Restrukturierungen und die Auswirkungen der globalen Pandemie. Trotzdem hat sie ihre Position als führende Fluggesellschaft in Lateinamerika behauptet und bietet ein umfangreiches Netzwerk von Zielen in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in Europa an. Die Route London-Bogotá ist eine wichtige Verbindung zwischen Europa und Südamerika und unterstreicht die globale Reichweite von Avianca.

Die erneute Umkehr eines Avianca-Fluges von London nach Bogotá aufgrund eines medizinischen Notfalls unterstreicht die unvorhersehbaren Herausforderungen im Langstreckenflugbetrieb. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Zwischenlandungen auf dieser spezifischen Route, die in der Vergangenheit auch durch technische Probleme verursacht wurden. Während medizinische Notfälle eine häufige und notwendige Ursache für Umleitungen sind, könnten die wiederholten Ereignisse Anlaß für Avianca sein, die operationellen Abläufe und die Flottenzuverlässigkeit auf dieser wichtigen Verbindung genauer zu überprüfen, um die Pünktlichkeit und das Vertrauen der Passagiere langfristig zu gewährleisten.

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