Die wichtige Schienenmagistrale zwischen den beiden größten deutschen Metropolen Hamburg und Berlin ist nach einer mehrmonatigen Totalsperrung planmäßig wieder vollständig für den Schienenverkehr geöffnet worden. Seit dem vergangenen Sonntag rollen die Züge des Fern-, Regional- und Güterverkehrs wieder durchgehend auf der gesamten Strecke.
Die Deutsche Bahn hat das anspruchsvolle Großprojekt genutzt, um die Infrastruktur auf diesem hochfrequentierten Korridor umfassend zu modernisieren und für zukünftige Kapazitätssteigerungen zu ertüchtigen. Während der Sperrung mussten zehntausende Pendler und Reisende täglich erhebliche Verzögerungen und weiträumige Umleitungen über Stendal und Uelzen in Kauf nehmen.
Im Zuge der intensiven Bauarbeiten wurden wesentliche Elemente des Oberbaus und der Leit- und Sicherungstechnik grundlegend erneuert. Die Bauwerke umfassten den Austausch von insgesamt 165 Kilometern Gleisen sowie die Installation von 249 neuen Weichen. Darüber hinaus wurden sechs moderne elektronische Stellwerke errichtet, welche die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Betriebsführung maßgeblich erhöhen sollen. Das Investitionsvolumen für diesen ersten großen Sanierungsabschnitt beläuft sich auf dreistellige Millionenbeträge. Die Strecke wurde zudem baulich für die Implementierung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS (European Train Control System) sowie für den künftigen digitalen Mobilfunkstandard 5G-Bahnfunk vorbereitet.
Trotz der offiziellen Streckenfreigabe ist im operativen Ablauf vorübergehend noch mit leichten Einschränkungen zu rechnen. In den kommenden Tagen führt die DB Netz AG auf verschiedenen Streckenabschnitten noch notwendige Abnahmefahrten und messtechnische Überprüfungen durch. Aus diesem Grund gelten abschnittsweise temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen, die zu minimalen Verzögerungen im Minutenbereich beim Intercity-Express- und Eurocity-Verkehr führen können. Das Zugangebot wird jedoch schrittweise wieder auf den regulären Taktfahrplan hochgefahren, sodass auch die direkten Verbindungen im Nahverkehr der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wieder vollumfänglich zur Verfügung stehen.
Die abgeschlossene Sanierung gilt als Pilotprojekt für die Generalerneuerung des deutschen Schienennetzes bis zum Ende des Jahrzehnts. Der Korridor Hamburg–Berlin verzeichnet mit bis zu 30.000 Fahrgästen pro Tag im Fernverkehr eine der höchsten Auslastungen im gesamten Bundesgebiet. Durch die Bündelung der Baumaßnahmen in einer einzigen, radikalen Sperrphase anstelle von zahlreichen kleinteiligen Wochenendbaustellen über mehrere Jahre hinweg sollte die Gesamtbelastung für den Personen- und Logistikverkehr minimiert werden. Die gesammelten Erfahrungen aus diesem Großprojekt fließen nun direkt in die Planungen für die anstehenden Sanierungen weiterer Hauptachsen wie der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim ein.