In Belgien droht dem Luftverkehrssektor eine massive Streikwelle, nachdem die Pilotengewerkschaften ACV/CSC, ABVV/FGTB und ACLVB/CGLSB eine formelle Streikankündigung eingereicht haben.
Hintergrund des Arbeitskampfes ist ein juristischer Widerspruch zwischen nationalem Rentenrecht und europäischen Flugsicherheitsvorschriften. Während das belgische Gesetz das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre anhebt, untersagt die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) Piloten aus Sicherheitsgründen die Ausübung kommerzieller Flüge ab dem vollendeten 65. Lebensjahr. Diese Regelung führt dazu, dass Piloten faktisch mit einem Berufsverbot belegt werden, bevor sie einen Anspruch auf die staatliche Altersvorsorge haben.
Die Gewerkschaften bezeichnen die aktuelle Gesetzgebung als völlig veraltet und fordern eine strukturelle Lösung für das entstandene Vakuum. Ein aktueller Präzedenzfall, bei dem ein Pilot an seinem 65. Geburtstag wegen „höherer Gewalt“ entlassen wurde, hat die Spannungen zusätzlich verschärft. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass die Politik die Verantwortung auf die Fluggesellschaften abwälze und die Realität des Flugbetriebs ignoriere. Pensionsminister Jan Jambon verteidigte hingegen die bestehende Regelung und verwies darauf, dass ein Großteil der Piloten aufgrund langer Beitragsjahre bereits früher in Rente gehen könne oder alternative Tätigkeiten wie Ausbildertätigkeiten übernehmen müsse.
Brussels Airlines kritisierte die Streikandrohung scharf und bezeichnete das Vorgehen als unverantwortlich. Die Fluggesellschaft wies darauf hin, dass die Branche nach den Störungen der Vorjahre und angesichts der geopolitischen Unsicherheit im Nahen Osten bereits unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehe. Ein erneuter Stillstand des Flugbetriebs würde nicht nur die Passagiere treffen, sondern die gesamte Stabilität des belgischen Luftverkehrsstandorts gefährden. Die Airline appelliert an die Regierung und die Sozialpartner, den Konflikt am Verhandlungstisch zu lösen, da die Fluggesellschaften selbst keinen direkten Einfluss auf die nationale Rentengesetzgebung haben.
Branchenexperten warnen vor weitreichenden Konsequenzen für den Hub Brüssel, sollte keine Einigung erzielt werden. Die Gewerkschaften betonen jedoch, dass der Streik das letzte Mittel sei, um den notwendigen Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben. Ohne eine Anpassung der Gesetze droht Piloten am Ende ihrer Laufbahn eine finanzielle Lücke, die nach Ansicht der Verbände existenziell bedrohlich ist. Der Konflikt in Belgien könnte zudem Signalwirkung für andere europäische Staaten haben, die mit ähnlichen demografischen Herausforderungen und steigenden Renteneintrittsaltern im Bereich spezialisierter Hochsicherheitsberufe konfrontiert sind.