Airbus A330-900 (Foto: Jan Gruber).
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Bieterwettstreit um die portugiesische Staatsfluggesellschaft Tap Air Portugal geht in die heiße Phase

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Der Verkaufsprozess für die portugiesische Staatsfluggesellschaft Tap Air Portugal nähert sich einer richtungsweisenden Entscheidung. Die europäische Luftfahrtbranche blickt gespannt nach Lissabon, wo die staatliche Holdinggesellschaft Parpublica die nachgebesserten, verbindlichen Kaufangebote von zwei europäischen Branchengrößen prüft.

Sowohl der französisch-niederländische Konzern Air France-KLM als auch die deutsche Lufthansa Group haben ihre Offerten für die Übernahme eines Anteils von 44,9 Prozent nachgebessert. Die portugiesische Regierung unter Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz plant, bis Mitte Oktober 2026 eine finale Entscheidung über den künftigen Partner der Fluggesellschaft zu treffen. Mit der anstehenden Teilprivatisierung steht eine der verbliebenen unabhängigen Netzwerkgesellschaften Südeuropas vor einer strukturellen Neuausrichtung. Der Prozess betrifft neben der strategischen Führung auch die Verteilung der Verkehrsströme zwischen Europa, Lateinamerika und Afrika.

Nachgebesserte Offerten im Prüfverfahren von Parpublica

Die staatliche Holdinggesellschaft Parpublica hatte die Bieter im Anschluss an die ersten verbindlichen Gebote vom Juli 2026 Anfang September dazu aufgefordert, ihre finanziellen und konzeptionellen Zusagen zu überarbeiten. Am späten Mittwochabend bestätigte die Holding den Eingang der nachgebesserten Offerten von Air France-KLM und der Lufthansa Group. Konkrete Angaben zum finanziellen Umfang oder zur genauen Bewertung der Gebote wurden von offizieller Seite nicht gemacht. Parpublica analysiert die eingegangenen Dokumente derzeit detailliert und erstellt eine Bewertungsgrundlage für das Kabinett in Lissabon.

Der Privatisierungsrahmen sieht vor, dass zunächst 44,9 Prozent des Kapitals an den ausgewählten Investor veräußert werden. Ein Anteil von fünf Prozent der Aktien bleibt für die Belegschaft der Fluggesellschaft reserviert. Sollten die Mitarbeiter diesen Anteil nicht oder nur teilweise zeichnen, ist vorgesehen, dass der siegreiche Bieter das Recht erhält, die verbleibenden Aktien zu erwerben. Auf diese Weise könnte der künftige Partner im Endeffekt eine Knappe Mehrheit oder eine kontrollierende Minderheit von bis zu 49,9 Prozent an der Fluggesellschaft halten, während der portugiesische Staat wesentliche Anteile und Kontrollrechte behält.

Strategische Versprechen von Air France-KLM und der Lufthansa Group

Beide Bewerber haben öffentlich wesentliche Eckpunkte ihrer Planungen für die Weiterentwicklung der Tap Air Portugal formuliert. Air-France-KLM-Vorstandsvorsitzender Benjamin Smith hob hervor, dass Lissabon im Falle eines Zuschlags als exklusives südeuropäisches Drehkreuz im Netz des Konzerns etabliert werden solle. Er betonte das Ziel, die eigenständige Identität der Marke Tap zu wahren und auszubauen. Durch die Anbindung an die transatlantischen Joint-Ventures des Konzerns sowie die Partnerschaft mit der US-Fluggesellschaft Delta Air Lines soll Tap Zugang zu einem weltweiten Streckennetz mit mehr als 375 Zielen erhalten. Dies könne neue Passagierströme aus Nord- und Südamerika nach Portugal lenken.

Die Lufthansa Group bekräftigte in einer Stellungnahme ihre Auffassung, das passendste Konzept für die Zukunft der portugiesischen Nationalairline vorzulegen. Der deutsche Konzern strebt an, das Wachstum der Fluggesellschaft zu unterstützen, ihre finanzielle und operative Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und ihre Rolle im heimischen Markt zu festigen. Die Lufthansa setzt dabei auf ihre Erfahrung bei der Integration und Weiterentwicklung von Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und der italienischen ITA Airways, bei der der Konzern ebenfalls Anteile übernommen hat.

Anforderungen der portugiesischen Regierung an die regionale Netzanbindung

Für die Regierung in Lissabon stehen bei der Entscheidung nicht allein die finanziellen Konditionen im Vordergrund. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz machte deutlich, dass der künftige Partner verpflichtende Beiträge zur Entwicklung des gesamten portugiesischen Flughafennetzes leisten muss. Die Vorgaben beschränken sich nicht auf den Ausbau des Hauptdrehkreuzes am Flughafen Lissabon-Humberto Delgado, der seit Jahren an seinen Kapazitätsgrenzen operiert.

Vielmehr erwartet der Staat messbare Wachstumsimpulse für die regionalen Verkehrsknotenpunkte. Dazu zählen die Flughäfen in Porto im Norden sowie Faro an der Südküste. Ebenso sind verbindliche Zusagen für die Flugverbindungen zu den autonomen Inselregionen der Azoren und Madeiras gefordert. Die Verkehrsanbindung dieser Regionen gilt als essenziell für den Zusammenhalt des Landes, das Gastgewerbe sowie den Gütertransport. Eine Verengung des Flugbetriebs auf die Hauptstadtschnittstelle entspricht daher nicht den staatlichen Vorgaben.

Verkehrsrechte und Streckennetz als Kernelemente der Bewertung

Das zentrale Asset der Tap Air Portugal im europäischen Luftfahrtmarkt ist ihr umfassendes Streckennetz über den Südatlantik. Die Airline verfügt über eine hohe Anzahl von Flugrechten und Zeitnischen (Slots) für Direktverbindungen von Lissabon nach Brasilien, wo sie zahlreiche Metropolen ansteuert. Zudem besetzt Tap eine starke Position auf Routen in das portugiesischsprachige Afrika, etwa nach Angola und Mosambik, sowie zu verschiedenen Zielen in den USA.

Diese Flugverbindungen besitzen eine hohe Relevanz für die Beziehungen zur weltweiten portugiesischen Diaspora sowie für Handels- und Investitionsströme. Für internationale Großkonzerne wie Lufthansa oder Air France-KLM stellt diese Marktposition eine Ergänzung zu den eigenen Drehkreuzen in Frankfurt, München, Paris und Amsterdam dar. Marktbeobachter weisen jedoch darauf hin, dass eine Übernahme auch kartellrechtliche Prüfungen durch die Europäische Kommission nach sich ziehen dürfte, da in einzelnen Teilmärkten Konzentrationseffekte entstehen könnten. Die Entscheidung der Regierung Mitte Oktober 2026 wird somit den Grundstein für die künftige Eigentümerstruktur und die Verteilung der Passagierströme im südeuropäischen Luftraum legen.

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