Flughafen Bratislava (Foto: Robert Spohr).
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Billig-Offensive in Bratislava und „hohe Standortkosten“ in Wien

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In Bratislava profitieren Fluggesellschaften von besonders niedrigen Kosten während in Wien Anbieter wie Austrian Airlines, Ryanair und Wizz Air hohe Standortkosten beklagen. Die Zeiten, in denen der österreichische Hauptstadtairport Jahr für Jahr Rekordzahlen melden kann, könnten vorbei sein. Gefordert wird die Abschaffung der ohnehin umstrittenen Ticketsteuer.

Nach jahrelangem Dahindümpeln steht der Flughafen Bratislava wieder im Aufwind. Der Billigflieger Wizz Air hat eine Basis eröffnet und der bisherige Platzhirsch Ryanair will im Sommer 2026 das Angebot um 70 Prozent ausbauen. Dem Vernehmen nach ist das Management des slowakischen Hauptstadt-Airports mit weiteren Carriern in vielversprechenden Verhandlungen. Doch was steckt eigentlich hinter der plötzlichen Liebe für Bratislava?

Es geht – wie so gut wie immer in der Luftfahrt – ums liebe Geld. Die slowakische Regierung hat eine Kehrtwende in der Luftfahrtpolitik unternommen und einige Gebühren bzw. Steuern gekürzt oder gar komplett abgeschafft. Konkret geht es um die Öko-Steuer, – slowakisches Gegenstück zur deutschen Luftverkehrsabagbe bzw. österreichischen Flugabgabe – denn diese wurde ersatzlos gestrichen. Weiters hat man die Gebühren, die von den Airlines an die Flugsicherung zu entrichten sind, halbiert. Der staatliche Flughafen Bratislava hat ein Incentive-Programm ins Leben gerufen, das die Kosten, die von den Carriern vor Ort zu bezahlen sind, deutlich reduziert. Mit anderen Worten: Für Fluggesellschaften sind Flüge ab dem slowakischen Hauptstadt-Airport derzeit besonders günstig. Die Frage „was ist nach dem Incentive-Programm“ stellen sich die Politiker traditionell nicht. Insider können sich schon ausmalen was dann kommt: Entweder neue Rabatte oder die Billigflieger drohen mit ihrem Abflug. Letzteres hat der eine oder andere Anbieter bereits in der Vergangenheit gemacht.

Anzumerken ist, dass die vergünstigten Kosten in der Slowakei nicht explizit für Billigflieger gelten, sondern von allen Carriern in Anspruch genommen werden können. Rein theoretisch könnte also Austrian Airlines eine Basis in der slowakischen Hauptstadt errichten und von dort aus operieren. Man hatte bereits in der Vergangenheit eine solche, die aus ein paar Fokker 100 bestand, jedoch war diese im Wettbewerb mit der damaligen Skyeurope so ganz und gar nicht erfolgreich. Auch ist zu erwähnen, dass Austrian Airlines derzeit in der Slowakei aktiv ist und zwar ab Kosice. Man bindet diesen Airport an das Drehkreuz Wien-Schwechat an.

Wizz Air wächst, Ryanair reagiert auf Sparflamme

Wizz Air spekuliert ganz offensichtlich darauf, dass man die bisherige Wiener Kundschaft mehr oder weniger nahtlos nach Bratislava „mitnehmen“ kann. Viele Passagiere aus der Slowakei und aus Ungarn werden das bestimmt mitmachen, da sich die Anfahrt mitunter sogar verkürzt. Allerdings hält sich bei vielen Wienern das Interesse in die slowakische Hauptstadt zu fahren und von dort aus zu fliegen in sehr eng gesteckten Grenzen. Da müssen die Flugtickets so erheblich billiger sein, dass unter Berücksichtigung von Fahrkarten bzw. Treibstoff und Parkplatz für die An- und Abfahrt noch immer ein Schnäppchen-Effekt gespürt wird. Ganz anders sieht es natürlich bei Personen aus dem nordöstlichen Niederösterreich aus, denn diese sind mitunter sogar schneller am BTS.

Dennoch wird es Wizz Air schwer haben, denn allein die billigen Kosten in Bratislava reichen nicht aus. Das weiß offensichtlich auch Ryanair, denn das Unternehmen reagiert auf die Konkurrenz und die Kostensekungen in der Slowakei doch eher sehr zaghaft. Man stockt die kleine Basis, die von der polnischen Konzernschwester Buzz betrieben wird, von zwei auf drei Maschinen auf. Eine doch eher verhaltene Reaktion, wenn man berücksichtigt, dass der irische Konzern in den Pressemitteilungen im Zusammenhang mit der Forderung nach Abschaffung der österreichischen Flugabgabe ständig die Slowakei als positives Musterbeispiel hervorhebt und indirekt dort Wachstum ankündigt.

Wenn also Ryanair ähnlich überzeugt davon wäre, dass eine enorme Nachfrage in Bratislava bestehen würde, dann hätte man jene fünf Maschinen, deren Abzug aus Wien angekündigt ist, nach Bratislava gestellt und Wizz Air ein klares Signal gesendet. Macht man aber nicht, denn die slowakische Buzz-Basis soll dem aktuellen Stand der Dinge nach im Sommer 2026 aus drei Maschinen bestehen.

Lob in Bratislava, Kritik in Wien

Ryanair-Chef Michael O’Leary war in Bratislava voller Lob gegenüber dem örtlichen Verkehrsminister und sprach unter anderem davon, dass die Slowakei der am stärksten wachsende Luftfahrtmarkt Europas werden wird. Die Senkung der Kosten bewertete er äußerst positiv. In Wien hingegen poltert der umtriebige Firmenchef massiv gegen die österreichische Bundesregierung, allen voran gegen Bundeskanzler Stocker und Verkehrsminister Hanke. Man habe auf den Wachstumsplan, der von Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber mit den beiden Regierungsmitgliedern besprochen worden wäre, überhaupt keine Reaktion erhalten. Dieser ist mehr oder weniger daran geknüpft, dass die Regierung die österreichische Ticketsteuer abschafft. Einen Verbündeten hat man dafür auch schon gefunden und zwar in Form der Oppositionspartei FPÖ, die einen entsprechenden Antrag im Nationalrat gestellt hat. Dieser wurde nicht – wie sonst üblich – mit den Stimmen der Regierungsparteien abgelehnt, sondern erst mal in den Verkehrsausschuss und damit auf die lange Bank verschoben.

Wohin die hohen Standortkosten führen können, sieht man an Hand des Beispiels Deutschland, denn die Bundesrepublik hinkt im europäischen Vergleich allen anderen Staaten weit hinterher. Eigentlich etwas, das von der vormals regierenden grünen Partei auch genau so gewollt ist, aber die Wertschöpfung findet einfach in anderen Staaten statt und somit hat die Umwelt genau gar nichts davon.

Ryanair sagt Wien sinkende Fluggastzahlen voraus

Michael O’Leary behauptet, dass der Abzug von Wizz Air aus Wien, die Reduktion der Präsenz der Ryanair sowie die von ihm behauptete Flottenkürzung der Austrian Airlines um zehn Maschinen dazu führen werde, dass die Flughafen Wien AG ernsthaft unter Druck geraten wird. Bislang war es das Management – abgesehen von der Zeit der Corona-Pandemie – gewohnt, dass man Jahr für Jahr neue Rekordzahlen in allen Belangen verkünden konnte. Damit dürfte im Jahr 2026 Schluss sein, denn wenn sich nicht signifikant etwas ändert, ist davon auszugehen, dass ein Rückgang der Fluggastzahlen und damit auch der Einnahmen verkündet werden muss.

Der Ryanair-Chef betont auch, dass das Management der Flughafen Wien AG nun gefragt wäre ein neues Incentive-Programm aufzulegen. Dieses solle ausdrücklich nicht nur für Ryanair gelten, sondern für alle Anbieter, explizit auch für Austrian Airlines. So würden bestehende und neue Carrier motiviert werden in Wien zu wachsen. Der Staat solle ebenfalls unterstützen und zwar durch die Streichung oder zumindest Reduktion der umstrittenen Ticketsteuer.

Schulterschluss wird benötigt

Zumindest in letztem Punkt ist man sich mit der Flughafen Wien AG einig, denn auch diese und der Luftfacht-Dachverband AI fordern ebenfalls die Abschaffung der österreichischen Flugabgabe. Auffällig ruhig verhält sich lediglich Austrian Airlines, denn die Lufthansa-Tochter betont in Medienerklärungen rund um Finanzzahlen lediglich pauschal, dass man unter hohen Standortkosten leiden würde. Explizit über die Flugabgabe hat sich die AUA nicht geäußert.

Damit in Sachen Reduktion oder Abschaffung der Ticketabgabe etwas in Bewegung gerät, wird das öffentlichkeitswirksame Auftreten von Ryanair nicht ausreichen. Vielmehr wird es einem Schulterschluss aller Akteure, allen voran von Austrian Airlines benötigen, um die Regierung zu einem Umdenken zu bewegen. Hierbei könnte positiv mitspielen, dass Deutschland angekündigt hat, dass man die letzte Erhöhung der Luftverkehrsabgabe zurücknehmen wird.

Das Projekt „dritte Piste für Wien“ ist mittlerweile abgeblasen worden. Die Flughafen Wien AG sieht nach 30 Jahren Planung und jahrelangen Gerichtsverfahren keine wirtschaftliche Notwendigkeit mehr dafür. Auch dies steht indirekt im Zusammenhang mit hohen Standortkosten, da der Betreiber explizit erwähnt, dass die Carrier nicht bereit wären höhere Gebühren zu bezahlen. Diese wären aber notwendig, um zumindest die Investitionskosten verdienen zu können.

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1 Comment

  • Martyßt , 27. November 2025 @ 15:32

    Was ich finde merkwürdig, dass die Fluggesellschaften sich wie eine Herde Tiere verhalten . Ab sofort 27 (resp.29) neue Destinationen von Wizz Air aus BTS, dann muss auch Ryanair mit deren 10 Neuigkeiten hin. Das Region Centropa aus Wien (2mio), Bratislava (479k) auch aus Städten wie Brno (400k) oder Győr (179k Einwohner) besteht, gemeinsam wächst und sich konkurriert wissen die wahrscheinlich nicht. Bei uns in Brno haben wir solange 0 Neuigkeiten – uns könnte es egal sein ob wir nach VIE oder BTS zum Abflug kommen aber ist die Score 37vs.0 Neuigkeiten für 2 vergleichbare Städte mit 479:400k Einwohner mit gleiche Kaufkraft wirklich das richtige Verhältnis ? An meinen bisherigen Flügen aus BTS sassen dort 50pct. Slowaken, 40pct. Tschechen und 10pct. Österreicher… Oder meinen Sie wirklich, dass die Wiener werden auf einmal deren Flughafen vergessen und mehr aus BTS reisen ?

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