Easyjet, Wizz Air und Ryanair in Catania (Foto: Robert Spohr).
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Billigflüge in Deutschland: Preisanstieg und sinkendes Angebot

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Urlauber in Deutschland sehen sich steigenden Flugpreisen und einem schrumpfenden Angebot im Niedrigpreissegment gegenüber. Die jüngste Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) verdeutlicht diese Entwicklung und beleuchtet die Veränderungen im Markt der sogenannten Low-Cost-Carrier. Während die Ticketpreise im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind, zeigt die Anzahl der verfügbaren Flüge einen signifikanten Rückgang. Besonders betroffen ist der innerdeutsche Flugverkehr, der unter geringerer Nachfrage und wirtschaftlichen Einschränkungen leidet.

Laut der DLR-Auswertung, die auf Buchungsabfragen vom 17. September basiert, kosten einfache Tickets bei den führenden Billigfluggesellschaften in Deutschland durchschnittlich zwischen 61 Euro (Wizz Air) und 115 Euro (Eurowings) ohne Gepäck. Dies stellt einen deutlichen Preisanstieg im Vergleich zur Vorjahresspanne von 58 bis 102 Euro dar. Besonders auffällig ist die Differenzierung der Preise je nach Buchungszeitpunkt. Während ein Flug mit Eurowings, der drei Monate im Voraus gebucht wird, im Schnitt 73 Euro kostet, liegt der Preis für ein kurzfristiges Ticket am Folgetag bei durchschnittlich 152,40 Euro.

Das teuerste Ticket in der Analyse stammt jedoch von Ryanair, die für einen sieben Tage vor Abflug gebuchten Flug von Köln nach Porto stolze 390 Euro verlangte. Ryanair, bekannt für aggressive Preismodelle, kritisiert regelmäßig die hohen Steuern und Gebühren an deutschen Flughäfen und hat ihr Angebot in Deutschland stark reduziert. Flugstreichungen und ein eingeschränktes Streckennetz sind die Folge dieser Entwicklungen.

Rückgang der Billigflüge in Deutschland

Die Analyse zeigt einen deutlichen Rückgang der Billigflugangebote in Deutschland. In der untersuchten Woche wurden 4260 Flüge von 14 Airlines auf 760 Strecken durchgeführt, was einem Rückgang von über 30 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau entspricht. Der Rückgang spiegelt sich vor allem im innerdeutschen Flugverkehr wider. Gründe dafür sind eine geringere Nachfrage, da Meetings und Geschäftsreisen zunehmend virtuell abgehalten werden, sowie ein reduziertes Angebot seitens der Airlines.

Trotz dieser Einbrüche zeigt sich europaweit ein anderes Bild. Mit 68.000 Starts und 10.600 Strecken hat der europäische Billigflugverkehr das Vorkrisenniveau um zwei Prozent überschritten. Ryanair führt die Liste mit 24.000 Starts wöchentlich an – ein Wachstum von 30 Prozent gegenüber 2019. Es folgen EasyJet und Wizz Air, die ebenfalls europaweit stark präsent sind.

Beliebte Ziele und Konzentration auf größere Flughäfen

Die beliebtesten Reiseziele von deutschen Flughäfen sind weiterhin Spanien und Italien. Deutsche Metropolen wie Berlin, Düsseldorf und Köln/Bonn weisen das größte Angebot an Direktflügen auf. Hingegen nimmt die Anzahl der Inlandsflüge stark ab, was sowohl auf wirtschaftliche Faktoren als auch auf ein verändertes Reiseverhalten zurückzuführen ist.

Kritik an der Luftverkehrssteuer

Die sinkenden Zahlen im deutschen Low-Cost-Segment haben auch die politische Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes Deutschland neu entfacht. Dr. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), kritisierte die Luftverkehrssteuer scharf. Er forderte die Politik auf, dringend zu handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber europäischen Nachbarn zu stärken und den Standort Deutschland zu sichern.

Die jüngsten Entwicklungen auf dem deutschen Billigflugmarkt unterstreichen die Herausforderungen, mit denen Airlines und Reisende gleichermaßen konfrontiert sind. Steigende Preise, ein sinkendes Angebot und strukturelle Hindernisse werfen Fragen zur zukünftigen Ausrichtung des deutschen Luftverkehrs auf. Während europaweit ein Aufwärtstrend im Billigflugverkehr zu erkennen ist, bleibt Deutschland von einer Erholung in diesem Segment weit entfernt.

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