Das österreichische Bundesheer wurde am Freitag, dem 17. Juli 2026, zu einem Assistenzeinsatz bei einem Waldbrand im Raum Rössing in der obersteirischen Gemeinde Ramsau am Dachstein angefordert.
Seit den Vormittagsstunden unterstützen zwei Hubschrauber des neuen Typs Leonardo AW169 „Lion“ sowie ein bodengebundenes Tankkraftwagen-Gespann die zivilen Einsatzkräfte vor Ort. Die Brandbekämpfung im Gebirge gestaltet sich aufgrund der Topografie als schwierig, weshalb die örtliche Feuerwehr auf die luftgestützte Hilfe angewiesen ist. Die Hubschrauber transportieren Löschwasser in Außenlastbehältern, sogenannten Bambi Buckets, direkt zum Brandherd an den steilen Berghängen.
Der Einsatz der neuen Hubschrauberkomponente erfolgt in einer Phase, in der das Bundesheer die veralteten Alouette-III-Maschinen schrittweise durch die modernen AW169-Mehrzweckhubschrauber ersetzt. Für den Hubschrauberstützpunkt Aigen im Ennstal, von dem aus die Einsätze in der Region koordiniert werden, stellt dieser Realeinsatz eine Bewährungsprobe für das neue System dar. Der zweimotorige Hubschrauber verfügt über höhere Leistungsreserven in großen Höhen und kann im Vergleich zu den Vorgängermodellen größere Wassermengen pro Umlauf transportieren. Dennoch bleibt die Logistik bei der Waldbrandbekämpfung im alpinen Raum stark vom Wetter und den lokalen Windverhältnissen abhängig.
Militärexperten und Oppositionspolitiker betonen in der laufenden Debatte um die Heeresreform, dass die hohe Zahl an Assistenzeinsätzen im Inland erhebliche Ressourcen der Streitkräfte bindet. Während das Verteidigungsministerium die Schnelligkeit und Professionalität der Truppe hervorhebt, weisen Kritiker darauf hin, dass die primäre militärische Ausbildung und die Einsatzbereitschaft für die Landesverteidigung durch die häufigen Katastrophenschutzeinsätze beeinträchtigt werden können. Zudem führt die intensive Nutzung der Fluggeräte bei Transport- und Löscheinsätzen zu einem beschleunigten Verschleiß und erhöht den Wartungsaufwand für die Techniker in den Hangars.
Die Kooperation zwischen den freiwilligen Feuerwehren, der Bergrettung und dem Bundesheer funktioniert in Österreich strukturell gut, zeigt jedoch auch die Grenzen der zivilen Katastrophenschutzbehörden auf, die bei Großschadenslagen im unwegsamen Gelände regelmäßig an technische Limits stoßen. Der aktuelle Einsatz in der Obersteiermark verdeutlicht, dass die Beschaffung von teurem militärischem Fluggerät in Österreich faktisch immer auch an dessen zivilen Nutzwert für die Bundesländer gekoppelt ist, um die hohen Investitionen politisch zu rechtfertigen.