Die britische Fluggesellschaft British Airways hat nach deutlicher Kritik aus der Belegschaft eine geplante Änderung der Uniformvorschriften gestoppt. Im Zentrum der Auseinandersetzung stand eine neue Tragevariante des Halsschals für das weibliche Kabinen- und Bodenpersonal, die als zu maskulin empfunden wurde.
Die fragliche Regelung sah vor, dass der Schal künftig in einer fest vorgegebenen, schmalen Form gebunden werden sollte, die optisch stark an eine klassische Herrenkrawatte erinnert. Zahlreiche Mitarbeiterinnen äußerten Unmut über diesen Designschritt, da sie darin einen Verlust an weiblicher Ästhetik und individueller Wahlfreiheit sahen. Die Airline reagierte kurz vor der endgültigen Implementierung und setzte die neue Vorschrift aus, um die Rückmeldungen der Angestellten in eine Überarbeitung einfließen zu lassen.
Diese Kontroverse ist Teil der groß angelegten Einführung einer neuen Uniformkollektion, die vom britischen Modeschöpfer Ozwald Boateng entworfen wurde. Es handelt sich um die erste umfassende Erneuerung der Dienstkleidung seit etwa 20 Jahren, die bereits im Oktober 2023 schrittweise ihren Anfang nahm. Boatengs Entwürfe zielen darauf ab, Tradition mit modernen Elementen zu verknüpfen, stießen jedoch bereits in der Vergangenheit auf Hindernisse. Schon bei der Einführung der ersten Teile der Kollektion gab es Beschwerden über die Stoffqualität und Passformen, woraufhin die Fluggesellschaft bereits punktuelle Anpassungen vornehmen musste. Der aktuelle Rückzug bei der Krawattenlösung unterstreicht die Sensibilität, mit der Uniformänderungen bei großen Traditionsgesellschaften behaftet sind.
Zusätzliche Branchenanalysen zeigen, dass British Airways mit diesen Schwierigkeiten kein Einzelfall ist. Viele internationale Fluggesellschaften versuchen derzeit, ihre Bekleidungsvorschriften an zeitgemäße Standards anzupassen, stoßen dabei aber oft auf den Widerstand von Gewerkschaften und Personalvertretern. Während Konkurrenten wie Virgin Atlantic oder Lufthansa teilweise sehr liberale Regeln bezüglich Make-up, Tätowierungen oder geschlechtsneutralen Uniformoptionen eingeführt haben, hält British Airways an einem eher klassisch-konservativen Erscheinungsbild fest. Der Konflikt um den „maskulinen“ Schal verdeutlicht die Herausforderung, eine einheitliche Corporate Identity zu wahren, ohne die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Arbeitskleidung zu gefährden.
Für die betroffenen Mitarbeiterinnen bedeutet der Stopp der Regelung vorerst die Beibehaltung der gewohnten Tragevarianten. Die Unternehmensführung betonte, dass man den Dialog mit den Beschäftigten schätze und ein Arbeitsumfeld schaffen wolle, in dem sich das Personal professionell und wohl fühle. Die logistische Abwicklung einer solchen Kollektionsumstellung für zehntausende Angestellte weltweit ist hochkomplex und kostenintensiv. Verzögerungen oder nachträgliche Änderungen an Zubehörteilen wie Schals oder Krawatten führen oft zu zusätzlichem organisatorischem Aufwand in der Materialbeschaffung. Dennoch priorisiert die Airline nun die Akzeptanz innerhalb der Belegschaft, um die Motivation des Personals im direkten Kundenkontakt sicherzustellen.