Der traditionsreiche britische Flugzeugbauer Britten-Norman steht kurz vor dem Abschluss der ersten Maschine aus seiner neuen, vollständig im Inland angesiedelten Produktionslinie. Wie das Unternehmen mitteilte, ist das erste Exemplar des zweimotorigen Mehrzweckflugzeugs vom Typ Britten-Norman BN-2 Islander zu rund 75 Prozent fertiggestellt.
Die Maschine ist für den Falkland Islands Government Air Service (FIGAS) bestimmt, welcher die robusten Inselflieger seit Jahrzehnten für den unentbehrlichen Regional- und Versorgungsdienst auf den abgelegenen südatlantischen Inselgruppen einsetzt. Die finale Endmontage des Hochdeckers soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden, gefolgt von den obligatorischen Testflügen und der behördlichen Abnahme durch die Luftfahrtaufsicht.
Die Fertigung findet im historischen Stammwerk Bembridge auf der Isle of Wight im Süden Englands statt. Dieser Schritt markiert die vollständige Rückkehr der zivilen Islander-Produktion in das Vereinigte Königreich, nachdem der Hersteller jahrzehntelang auf globale Lieferketten gesetzt hatte. In den vergangenen Epochen der Unternehmensgeschichte wurden die wesentlichen Rumpf- und Tragflächenbaugruppen aus Kostengründen im Ausland gefertigt – insbesondere beim langjährigen Partner Romaero in Rumänien sowie zeitweise in den Philippinen – und anschließend lediglich für die Endausstattung und die Übergabe an die Kunden nach Großbritannien überführt. Die Reindustrialisierung am Heimatstandort soll die Qualitätskontrolle optimieren und die Unabhängigkeit von internationalen Lieferkettenengpässen stärken.
Die Produktionskapazitäten in Bembridge werden unterdessen zügig hochgefahren, um den bestehenden Auftragsbestand abzuarbeiten. Ein zweites Flugzeug desselben Typs befindet sich laut Werksangaben bereits zu etwa 25 Prozent im strukturellen Aufbau, während parallel die Komponentenfertigung für nachfolgende Baunummern angelaufen ist. Britten-Norman reagiert mit dieser Maßnahme auch auf eine stabile weltweite Nachfrage von Regionalfluggesellschaften, Militärs und Behörden. Der Islander gilt aufgrund seiner extremen Kurzstart- und Landeeigenschaften (STOL) sowie seiner Fähigkeit, auf unbefestigten Pisten zu operieren, als eines der erfolgreichsten und langlebigsten Flugzeugmuster in der Geschichte der allgemeinen Luftfahrt.
Die Rückverlagerung des Flugzeugbaus wird durch eine grundlegende Modernisierung der Fertigungsanlagen auf der Isle of Wight begleitet. Durch die Einführung digitaler Fertigungstechnologien und optimierter Montageabläufe will Britten-Norman die Produktionszeiten pro Zelle signifikant senken. Für die regionale Wirtschaft in Südengland bedeutet die Entscheidung des Luftfahrtunternehmens zudem eine langfristige Sicherung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen im Maschinenbau. Der reibungslose Produktionsanlauf der ersten Maschine für die Falklandinseln gilt in Branchenkreisen als wichtige Reifeprüfung für die Zukunftsfähigkeit des eigenständigen britischen Flugzeugbaus nach dem Brexit.