Airbus A330neo (Foto: Condor).
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Condor evaluiert Eigentümerwechsel und Kooperationen mit internationalen Luftfahrtgesellschaften

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Die Eigentümerstruktur der deutschen Fluggesellschaft Condor steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Nach den staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen während der Coronakrise und dem Einstieg des britischen Finanzinvestors Attestor im Jahr 2021 bereitet das Management den nächsten Konsolidierungsschritt vor. Der Vorstandsvorsitzende Peter Gerber schließt dabei ausdrücklich einen Verkauf von Anteilen an finanzstarke Fluggesellschaften aus der Golfregion oder an Turkish Airlines nicht aus.

Da der deutsche Marktführer Lufthansa aus wettbewerbsrechtlichen Gründen als Übernahmekandidat wegfällt, richtet sich der Blick des Ferienfliegers auf internationale Allianzen. Die Suche nach neuen Eigentümern fällt zusammen mit einer Phase der betrieblichen Neuordnung, zu der auch der geplante Umzug in das neue Terminal 3 des Frankfurter Flughafens im Jahr zweitausendsiebenundzwanzig gehört. Dieser Schritt könnte die physische und logistische Nähe zu potenziellen Partnern aus dem Nahen Osten erheblich verstärken.

Wirtschaftliche Neuordnung nach staatlichen Hilfen

Die finanzielle Struktur von Condor ist seit Jahren durch die Nachwirkungen globaler Krisen geprägt. Nach der Insolvenz des ehemaligen Mutterkonzerns Thomas Cook im Jahr zweitausendneunzehn und den massiven Verwerfungen der Pandemie musste das Unternehmen durch staatliche Kredite in dreistelliger Millionenhöhe abgesichert werden. Derzeit befindet sich die Fluggesellschaft zu 49 Prozent in der Hand einer staatlichen Auffanggesellschaft, während der britische Finanzinvestor Attestor die verbleibenden 51 Prozent kontrolliert. Attestor hatte sich von Beginn an als Übergangseigner positioniert, dessen Ziel in der Sanierung und dem anschließenden gewinnbringenden Weiterverkauf der Anteile liegt.

Die vertraglichen Vereinbarungen sehen vor, dass Condor bis zum Ablauf des Jahres zweitausendsechsundzwanzig ausstehende Kredite in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro an die Kreditanstalt für Wiederaufbau zurückzahlen muss. Nach der vollständigen Tilgung dieser Verbindlichkeiten besitzt Attestor das Recht, die staatlichen Minderheitsanteile zu einem im Vorfeld festgelegten Preis zu erwerben. Da der Investor die dafür notwendigen finanziellen Mittel jedoch nicht vollständig allein aufbringen möchte, läuft die Suche nach einem finanzkräftigen Partner aus der Luftfahrtbranche bereits auf Hochtouren. Das Ziel besteht darin, die Fluggesellschaft in ein größeres Luftfahrtkonsortium einzugliedern, um langfristige Stabilität im hart umkämpften europäischen Markt zu sichern.

Die Golfregion als potenzieller Investitionsschwerpunkt

Bei der Evaluierung möglicher Käufer rücken die großen Fluggesellschaften der arabischen Halbinsel in den Fokus des Managements. Fluggesellschaften wie Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways verfügen über erhebliche Kapitalreserven und ein dichtes globales Streckennetz. Condor-Chef Peter Gerber wies darauf hin, dass diese Anbieter nach den jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere den Luftraumsperrungen während des militärischen Konflikts in der Region, ein Interesse daran haben könnten, ihre Abhängigkeit von ihren Heimatmärkten zu reduzieren. Eine Beteiligung an einem europäischen Ferienflieger würde diesen Unternehmen einen direkten Zugang zum deutschen und europäischen Markt eröffnen.

Condor verfügt bereits über operative Bündnisse mit Emirates und Etihad Airways. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Etihad Airways wird derzeit ausgebaut, um Passagieren flexiblere Umsteigeverbindungen zu ermöglichen. Für die Golf-Airlines bietet Condor ein attraktives Zubringernetz zu europäischen Urlaubsdestinationen, die von den großen Drehkreuzen in Abu Dhabi, Dubai oder Doha aus nicht direkt bedient werden. Neben den Anbietern vom Golf gilt auch Turkish Airlines als potenzieller Interessent. Die Fluggesellschaft aus Istanbul verfolgt seit Jahren einen klaren Kurs zur Ausweitung ihrer Präsenz auf dem europäischen Kontinent und könnte durch eine Beteiligung an Condor ihre Marktposition im Bereich des touristischen Verkehrs aus Deutschland stärken.

Wettbewerbsrechtliche Blockaden und europäische Alternativen

Eine Übernahme durch den nationalen Wettbewerber Lufthansa ist im aktuellen regulatorischen Umfeld nahezu ausgeschlossen. Die europäischen Wettbewerbsbehörden achten streng darauf, dass Monopolstellungen an den großen deutschen Drehkreuzen vermieden werden. Bereits bei früheren Konsolidierungsversuchen im deutschen Luftraum, wie der Insolvenz von Air Berlin, wurden Übernahmen durch die Lufthansa nur unter strengen Auflagen und in begrenztem Umfang genehmigt. Da Condor nach der Lufthansa die zweitbedeutendste Fluggesellschaft am Flughafen Frankfurt am Main ist, würde ein Zusammenschluss zu einer Marktbeherrschung führen, die das Bundeskartellamt und die Europäische Kommission nicht tolerieren würden.

Diese wettbewerbsrechtliche Ausgangslage zwingt Condor dazu, sich außerhalb der etablierten europäischen Luftfahrtkonzerne nach Partnern umzusehen. Zwar wären theoretisch auch Zusammenschlüsse mit der Air France-KLM-Gruppe oder der International Airlines Group denkbar, doch konzentrieren diese Konzerne ihre Investitionen derzeit auf eigene Sanierungsprojekte und die Integration anderer Regionalfluggesellschaften. Die Öffnung gegenüber außereuropäischen Investoren birgt jedoch auch Risiken. Die strengen Luftverkehrsrichtlinien der Europäischen Union schreiben vor, dass Fluggesellschaften, die europäische Verkehrsrechte nutzen, mehrheitlich im Eigentum und unter der Kontrolle von EU-Bürgern stehen müssen. Eine vollständige Übernahme durch eine Fluggesellschaft aus einem Drittstaat ist daher rechtlich nicht zulässig, weshalb komplexe Beteiligungsmodelle im Rahmen der gesetzlichen Grenzen verhandelt werden müssen.

Logistische Verflechtungen am Heimatstandort Frankfurt

Die Zukunft von Condor ist eng mit der infrastrukturellen Entwicklung des Flughafens Frankfurt am Main verknüpft. Im Sommer zweitausendsiebenundzwanzig plant die Fluggesellschaft den vollständigen Umzug ihres Flugbetriebs in das neu errichtete Terminal 3 im Süden des Flughafengeländes. Dieses Großprojekt der Betreibergesellschaft Fraport soll die bestehenden Terminals entlasten und die Pünktlichkeitsraten durch optimierte Prozesse am Boden verbessern. Für Condor bedeutet der Wechsel eine Zäsur, da das Unternehmen damit zum Hauptnutzer des modernen Abfertigungsgebäudes wird und dort von Beginn an für eine relevante Auslastung der Kapazitäten sorgt.

Der Umzug besitzt auch eine hohe Relevanz für potenzielle Partnerschaften. Das Terminal 3 wird nach den aktuellen Planungen der Fraport auch von den drei großen Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways genutzt werden. Zudem gilt Turkish Airlines als feste Kandidatin für die Abfertigung im neuen Südbereich. Die räumliche Zusammenlegung aller beteiligten Fluggesellschaften unter einem Dach erleichtert die operative Abwicklung von Umsteigeverbindungen und verkürzt die Wege für die Passagiere erheblich. Diese physische Nähe könnte die Verhandlungen über eine engere kapitalmäßige Verflechtung unterstützen, da die logistischen Voraussetzungen für ein gemeinsames Drehkreuzkonzept in Frankfurt ab 2027 bereits im Vorfeld geschaffen werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die wirtschaftlichen Verhandlungen mit den Interessenten rechtzeitig vor dem Ausstieg des Staates zu einem Ergebnis führen.

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