Condor-Vertriebschef: “Unser A330neo wäre sicher ein super Produkt für Österreicher”

Paul Schwaiger (Foto: Condor).
Paul Schwaiger (Foto: Condor).

Condor-Vertriebschef: “Unser A330neo wäre sicher ein super Produkt für Österreicher”

Paul Schwaiger (Foto: Condor).
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Die Ferienfluggesellschaft Condor war im April 2022 aufgrund der neuen Livery das Gesprächsthema Nummer Eins in der Luftfahrtbranche. Ganz beiläufig feierte der Carrier sein Comeback auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Vertriebschef Paul Schwaiger erklärt im Interview mit Aviation.Direct unter anderem wohin die Reise gehen wird und welche Pläne man für Österreich hat.

Derzeit bietet Condor ab Wien vier touristische Ziele auf der Kurzstrecke an. Doch Schwaiger kann sich vorstellen mit Airbus A330neo ab der österreichischen Hauptstadt wieder Fernziele anzubieten. In der Vergangenheit war der Ferienflieger bereits in diesem Segment präsent.

Aviation.Direct: Nach mehrjähriger Abwesenheit ist Condor zurück in Wien. Warum haben Sie sich ausgerechnet für diesen wettbewerbsintensiven Markt entschieden?
Paul Schwaiger: Wir freuen uns sehr, diesen Sommer zurück in Wien zu sein. Mit der Einführung der Flüge von Wien nach Mallorca, Kreta, Rhodos und Kos wählen unsere österreichischen Kunden aus vier besonders beliebten Zielen für ihren Urlaub am Mittelmeer. Mit den Flügen reagieren wir auf die große Nachfrage der Reiseveranstalter und Reisebüros in Österreich nach maßgeschneiderten Urlaubsflügen. Dazu kommt, dass uns auch viele österreichische Kunden bereits gut kennen, denn Condor ist kein ganz neuer Player in Wien.

Aviation.Direct: Genau auf diesen Strecken herrscht viel Wettbewerb. Warum also diese Strecken?
Paul Schwaiger: Wien ist sicher ein wettbewerbsintensiver Markt, aber gerade in der Zusammenarbeit mit unseren Veranstalter- und Reisebüropartnern gibt es im touristischen Segment zu Austrian Airlines wenig Alternativen. Die klassischen Low Coster haben ein anderes Geschäftsmodell als wir, sie fokussieren sich voll auf den Einzelplatzverkauf. Condor ist als Ferienflieger Experte in der richtigen Mischung zwischen Nur-Flug-Tickets, die die Gäste zum Beispiel auf unserer Webseite buchen, und Tickets als Teil einer Pauschalreise. Für uns ist das starke Fundament mit unseren Partnern in Österreich eine gute Ausgangslage für den Restart von Condor in Wien in Richtung Griechenland und Mallorca. Für diese Strecken haben wir uns entschieden, weil der Nachholbedarf an Urlaubsreisen in diesem Sommer riesig ist und klassische Urlaubsziele sich deshalb großer Beliebtheit erfreuen.

Aviation.Direct: Condor hat im günstigsten Economy-Tarif strengere Handgepäckbestimmungen als Ryanair und Wizz Air. Wussten Sie das?
Paul Schwaiger: Condor bietet verschiedene Tarife an, sodass jeder Kunde genau das wählen kann, was auch wirklich gewünscht ist. Niemand möchte für eine Leistung, die man gar nicht in Anspruch nehmen will, bezahlen müssen. Deshalb bietet der Economy Light-Tarif zwar wenig Inklusivleistungen, ist dafür aber auch das günstigste Angebot. Im klassischen Economy-Tarif hingegen finden sich weitere Zusatzleistungen, die Low Coster nicht anbieten.

Aviation.Direct: Einen Effekt hat der Markteintritt von Condor bereits: Wizz Air hat sich von zahlreichen Routen, auf denen Sie ab Wien fliegen, zurückgezogen. Beispielsweise Palma de Mallorca. Hat dies Auswirkungen auf die weitere Strategie?
Paul Schwaiger: Das ist natürlich vorteilhaft für uns. Wenn Wizz Air über den gesamten Sommer auf den Strecken, die wir ab Wien bedienen, draußen bleibt, haben wir natürlich nichts dagegen. Wettbewerb ist immer gut, aber auf manchen Routen, die sich auf der Anzeigetafel in Wien befinden, gibt es meiner Meinung nach doch ein starkes Überangebot. Vermutlich wird der eine oder andere Anbieter noch im Sommer nachjustieren müssen.

Aviation.Direct: Haben Sie bereits Pläne für den Winterflugplan 2022/23 ab Wien?
Paul Schwaiger: Wir fangen jetzt mal mit dem Sommer an. Im Winterflugplan fliegen unsere österreichischen Kunden über Frankfurt mit uns überwiegend zu Fernzielen. Für den Sommer 2023 planen wir mit Wien und können uns gut vorstellen, unser Engagement in Österreich auch noch weiter auszubauen.

Aviation.Direct: Langstrecke gab es ja bereits beispielsweise im Winter 2017/18 ab Wien. Planen Sie eine Neuauflage?
Paul Schwaiger: Ja, wir waren ab Wien bereits in die Karibik und nach Kenia unterwegs, allerdings mit Flugzeugen unserer damaligen Schwesterairline Thomas Cook aus Großbritannien. Das war nicht das Condor-Produkt, das unsere Kunden von uns gewohnt sind. Das ist jetzt Geschichte und Condor erhält in diesem Herbst nagelneue A330neo-Flugzeuge für die Langstrecke, deren Kabinenausstattung extrem komfortabel sein wird. Das wäre sicher auch ein super Produkt für die Österreicherinnen und Österreicher, aber wir haben wir noch keine Entscheidung über mögliche Langstreckenverbindungen ab Wien getroffen.

Aviation.Direct: Warum hat sich Condor als langjähriger Boeing-Langstreckenkunde für das Konkurrenzmodell Airbus A330neo entschieden?
Paul Schwaiger: Wir haben uns für das Flugzeugmodell entschieden, was für uns die meisten Vorteile bietet. Die A330neo erfüllt alle Kriterien hinsichtlich moderner Technologie, Komfort, Reichweite, aber eben auch im Hinblick auf die Effizienz. Die A330neo wird unser 2-Liter-Flieger sein, der mit 2,1 Litern Verbrauch pro Passagier auf 100 Kilometer führend in Deutschland und wahrscheinlich auch Europa sein wird.

Aviation.Direct: Wie lange werden die Boeing 757 und 767 nach heutigem Stand noch in der Flotte bleiben?
Paul Schwaiger: Zunächst erneuern wir unsere Langstreckenflotte. Im Oktober 2022 geht der erste Airbus A330neo auf Strecke. Jeden Monat bekommen wir dann eine weitere und zeitgleich geht immer eine Boeing 767 raus. Im Laufe des Jahres 2024 wird die Erneuerung der Langstreckenflotte abgeschlossen sein. Dann kann ich Ihnen vielleicht auch schon mehr zur Nachfolge der Boeing 757 sagen. Jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf die Langstrecke.

Aviation.Direct: Wären da der A321LR oder A321XLR eine Möglichkeit für Condor, um beispielsweise wieder ab Köln/Bonn Langstreckenziele anbieten zu können?
Paul Schwaiger: Es gibt einige spannende Modelle auf dem Markt. Die schauen wir uns an.

Aviation.Direct: Sie hatten zuvor “Fliegen über Frankfurt” angesprochen. Zwischen Condor und Lufthansa gibt es einen Dauerstreit über die Zubringerflüge. Warum sind diese für Condor so wichtig? Condor könnte alternativ eigene Zubringer aufbauen.
Paul Schwaiger: Nein. Die Lufthansa Group hat auf Inlandsflügen nach Frankfurt, München und Düsseldorf 100 Prozent Marktanteil und ist auf den meisten Strecken innerhalb Europas ebenfalls marktbeherrschend. Für Marktbeherrscher gibt es klare Vorgaben im Kartellrecht. Wichtig für unsere Kunden ist, dass sie wie gewohnt ihre gesamte Reise über Condor buchen können. Und wenn ein Zubringerflug enthalten ist, wird das Gepäck durchgecheckt, es wird eine Bordkarte ausgestellt und der Verspätungsfall ist abgesichert.

Aviation.Direct: Das Bundeskartellamt hat sich klar und deutlich zu Gunsten von Condor geäußert. Man kann, so man das möchte, die vorläufige Entscheidung so interpretieren, dass die Behörde die Zubringer mit Festnetz-Telefonleitungen gleichsetzt. Wenn ein anderer Anbieter diese nutzen möchte, kann er es. Könnte sich Michael O’Leary Zubringer in Lufthansa-Flugzeugen ergattern?
Paul Schwaiger: Das Bundeskartellamt hat sich bereits zwei Mal klar zum Sachverhalt geäußert. Für mich steht im Vordergrund, dass unsere Kunden und Partner gut mit Condor planen können – und das ist der Fall.

Aviation.Direct: Gibt es zwischen Eurowings Discover und Condor einen Preiskampf im Bereich Vertrieb?
Paul Schwaiger: Wir konzentrieren uns auf eine hervorragende Sommersaison und wollen gemeinsam mit unseren Partnern auch eine sehr gute Wintersaison anschließen.

Aviation.Direct: Kann Condor von einer verstärkten Nachfrage im Bereich Business-Class profitieren? Inwiefern hat die Corona-Pandemie das Buchungsverhalten der Passagiere verändert?
Paul Schwaiger: Kunden buchen kurzfristiger, als vor der Pandemie. Und es war während der verschiedenen Wellen auch an den Buchungszugängen deutlich zu spüren, wenn ein Land die Restriktionen hochgefahren oder die Regelungen gelockert hat. Für den kommenden Sommer spüren wir bereits seit Wochen einen extremen Nachholbedarf nach Urlaubsreisen. Die Leute wollen raus.

Aviation.Direct: Sie haben etwas angesprochen. Stichwort Reisebüros. Spielt die persönliche Beratung eine größere Rolle als vor der Pandemie?
Paul Schwaiger: Ich bin überzeugt, dass das so ist. Als sich die Regelungen und Einreisebestimmungen noch ständig geändert haben, hat die gesamte Branche deutlich die Verunsicherung der Kunden gespürt. Was muss ich wo beachten, welche Unterlagen sind nötig, welche Fristen gelten für welchen Test? Unsere Reisebüropartner, die ja häufig erste Anlaufstelle für solche Beratungsgespräche sind, haben wir tatkräftig unterstützt. So haben wir nach sorgfältiger Vorbereitung mit Systempartnern aus den Bereichen Flughafen, Hotel, Transfers bereits im Juni 2020 mit einer Serie von „Look & Feel“ Kurzreisen begonnen, auf denen sich jeweils 150 Reiseprofis selbst ein Bild über die verantwortungsvolle Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen in allen Teilen der Customer Journey machen konnten. Nach anfänglicher Zurückhaltung infolge der zahlreichen Mobilitätseinschränkungen nutzten die Teilnehmer diese Gelegenheiten auf insgesamt 10 „Look & Feel“ Expeditionen sehr kritisch und konstruktiv für ihre Empfehlungen zum Reiseverhalten in Zeiten der Pandemie, das waren sicherlich sehr wertvolle Beiträge zur Wiederbelebung des Tourismus.

Aviation.Direct: Welchen Stellenwert werden künftig flexible Tarife haben?
Paul Schwaiger: Flexibilität ist vor allem während der Pandemie besonders wichtig geworden und wird es auch bleiben. Wir sind mit unserem Flex-Paket gut gerüstet, weil es volle Flexibilität erlaubt.

Aviation.Direct: Condor hat ein komplett neues Design vorgestellt. Mutig würde ich mal sagen. Wie kam es dazu und was war ihre erste Reaktion?
Paul Schwaiger: Das neue Design von Condor ist sicher mutig, weil es einzigartig ist. Und alles, was anders ist, kann einen Moment dauern, bis man sich daran gewöhnt, das war auch bei mir ganz persönlich so. Aber heute sage ich: Das Design ist ein Volltreffer. Nicht nur die gesamte Herleitung der Streifen – denn zweifelsohne stehen Streifen für Urlaub und passen deshalb perfekt zu Condor als Ferienflieger – sind stimmig, sondern sie unterstreichen auch die Einzigartigkeit von Condor. Wir sind sicher ein besonderes Unternehmen mit besonderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die allen Widrigkeiten zum Trotz mit ihrer Leidenschaft überzeugen. Und dass unsere Flugzeuge sich künftig auch visuell deutlich von allen anderen weißen Bemalungen mit einem Farbklecks im Tail absetzen, macht uns eben auch auf den ersten Blick unverwechselbar.

Aviation.Direct: Welche Erwartungen haben Sie für Wien in diesem Sommer und wie steht es jetzt gerade so mit der Buchungslage?
Paul Schwaiger: Ja, die Nachfrage ist sehr gut. Sehr kurzfristig. Das ist klar, aber das ist überall so. Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Sommer hinlegen werden und damit auch am Standort Wien einen guten Grundstein für die Zukunft legen können.

Airbus A330-900 (Foto: V1Images.com/Clément Alloing).

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