Italien festigt seine Position als eines der gefragtesten Reiseziele auf dem europäischen Kontinent und verzeichnet insbesondere im Segment der Eigenanreisen eine anhaltend hohe Nachfrage.
Während die klassischen Kulturmetropolen wie Rom, Florenz und Venedig weiterhin stabile Besucherzahlen generieren, verlagert sich das Interesse der Konsumenten laut aktuellen Erhebungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat und des Reisekonzerns TUI zunehmend auf Destinationen abseits der etablierten Massenrouten. In der Tourismusbranche etabliert sich für dieses veränderte Buchungs- und Suchverhalten der Fachbegriff „Townsizing“. Dieser Trend beschreibt die gezielte Nachfrage nach historisch gewachsenen und regional geprägten Orten, die den Wunsch der Urlauber nach Entschleunigung und authentischer Lokalkultur widerspiegeln.
Um diese Entwicklung statistisch zu erfassen, hat das Tochterunternehmen TUI Musement eine umfassende Datenanalyse auf Basis regionaler Suchanfragen durchgeführt. Für die Auswertung wurden ausschließlich italienische Gemeinden mit einer Wohnbevölkerung von unter 10.000 Einwohnern berücksichtigt. Die Untersuchung des Google-Suchvolumens zu lokalen Sehenswürdigkeiten ergab eine Rangliste von insgesamt 60 charakteristischen Kleinstädten, aufgeteilt auf die 20 italienischen Regionen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Interesse an differenzierten Outdoor-Aktivitäten, historischer Architektur und maritim oder alpin geprägten Landschaften die Reiseentscheidungen maßgeblich steuert.
Innerhalb der geografischen Clusterung kristallisieren sich deutliche Nachfrageschwerpunkte heraus. Im Bereich der Küstendestinationen führen Orte wie Positano an der Amalfiküste, das ligurische Portofino sowie Bosa auf Sardinien die Ranglisten an. Bei den Binnengewässern dominieren die norditalienischen Seen mit den Gemeinden Bellagio am Comer See, Sirmione am Gardasee und Stresa am Lago Maggiore, welche stark mit dem Segment der Boots- und Kurtouristik verknüpft sind. Im alpinen Raum verzeichnen San Candido in den Dolomiten sowie Courmayeur im Aostatal das höchste Suchaufkommen. Letzteres profitiert wirtschaftlich stark von Großinfrastrukturen wie der Panorama-Seilbahn Skyway Monte Bianco, die Passagiere auf eine Höhe von über 3.400 Meter befördert. In Mittelitalien behaupten sich primär mittelalterlich und etruskisch geprägte Orte wie San Gimignano und Volterra in der Toskana.
Die Tourismuswirtschaft reagiert auf diese Entwicklung mit einer Anpassung der Kapazitäten und Vertriebsstrukturen. Da Kleinstadtreisen häufig als Kurz- oder Roadtrips organisiert werden, gewinnt die Flexibilität bei Mietwagenbuchungen und dezentralen Hotelunterkünften an Bedeutung. Für den italienischen Beherbergungssektor bietet das „Townsizing“ die Möglichkeit, die touristische Wertschöpfung geografisch breiter zu verteilen und die Auslastung der Infrastruktur auch in den ländlichen Räumen außerhalb der Hauptsaison zu stabilisieren. Die Marktanalysten gehen davon aus, dass sich dieser Trend durch die fortschreitende Digitalisierung von Reiseplanungen und die gezielte Vermarktung regionaler Identitäten in den kommenden Jahren weiter verfestigen wird.