In den Abendstunden des 23. Oktober 2025 ereignete sich am Minneapolis-St. Paul International Airport ein Vorfall, der die sofortige Reaktion der Flugbesatzung erforderte. Ein Boeing 737-900ER der Delta Air Lines mit 187 Personen an Bord musste einen Startabbruch bei hoher Geschwindigkeit durchführen, nachdem ein Triebwerksausfall am Triebwerk Nummer 2 (rechts) signalisiert worden war. Der Vorfall, der sich während des Startlaufs auf Rollbahn 30L ereignete, führte zur sofortigen Erdung des betroffenen Flugzeugs und zu einer Verzögerung von über zweieinhalb Stunden für die Passagiere, die auf einen Ersatzjet umsteigen mussten.
Der Startabbruch bei einer Geschwindigkeit von 135 Knoten (etwa 250 km/h) gilt als ein kritischer Manöver, das höchste Präzision und schnelle Entscheidungsfindung der Piloten erfordert. Während der Zwischenfall glücklicherweise ohne Verletzte und nur mit minimalem zusätzlichem Schaden am Flugzeug endete, lenkt er den Blick auf die Betriebssicherheit der weit verbreiteten 737ng-Flotte und die Zuverlässigkeit des Triebwerkstyps CFM56-7B. Die nachfolgende Untersuchung wird sich auf die Wartungsverfahren von Delta Air Lines und die technische Historie des Flugzeugs konzentrieren, um die genaue Ursache des Triebwerksversagens zu ermitteln und Lehren für die gesamte Branche zu ziehen.
Dramatische Sekunden auf der Startbahn
Der Flug DL1661 sollte planmäßig um 15:50 Uhr vom Minneapolis-St. Paul International Airport (msp) nach Portland International Airport (pdx) abheben. Die beteiligte Boeing 737-900ER, registriert unter der Kennung n829dn, rollte pünktlich zur Rollbahn 30L. Während die Piloten den Startlauf begannen und das Flugzeug signifikant beschleunigten, trat eine Fehlfunktion am rechten Triebwerk auf. Die genaue Art des Triebwerksproblems ist Gegenstand der laufenden Untersuchung, doch die Indikatoren im Cockpit erforderten die sofortige Reaktion der Besatzung.
Bei einer Geschwindigkeit, die nur knapp unter der kritischen entscheidungsgeschwindigkeit (v1) gelegen haben dürfte – jener Geschwindigkeit, ab der ein Startabbruch normalerweise nicht mehr sicher ist und der Start fortgesetzt werden muss – leitete die Flugbesatzung den high-speed rejected takeoff ein. Ein erfolgreicher Startabbruch bei dieser hohen Geschwindigkeit erfordert das sofortige Einleiten des Bremsvorgangs und die Aktivierung der Schubumkehr, um das Flugzeug sicher und innerhalb der verbleibenden Startbahnlänge zum Stehen zu bringen. Angesichts der hohen Beanspruchung der Komponenten wurden unmittelbar nach dem sicheren Stillstand des Flugzeugs Inspektionen der Bremsen und Reifen durchgeführt.
Die Boeing kehrte daraufhin vom Rollweg 22 zum Gate zurück. Die 187 Insassen und die sechs Besatzungsmitglieder (zwei Piloten, vier Flugbegleiter) mussten das Flugzeug verlassen. Aufgrund der notwendigen Dokumentation des Vorfalls und der Einhaltung von Dienstzeitvorschriften (duty time regulations) wurde sowohl ein Ersatzflugzeug (eine andere 737-900ER mit der Kennung n836dn) als auch eine neue Besatzung für die Fortsetzung des Fluges eingesetzt. Die Passagiere erreichten Portland schließlich erst um 19:59 Uhr, was einer Verspätung von 2 Stunden und 32 Minuten entsprach. Die betroffene n829dn wurde umgehend gegroundet und verbleibt seitdem am Boden in Minneapolis, dem Standort einer der großen technischen Wartungseinrichtungen von Delta, den Delta Techops.
Die Rolle des CFM56-7B Triebwerks
Der Triebwerksausfall betrifft den Typ cfm56-7b, der exklusiv an der Boeing 737ng-Familie (next generation) eingesetzt wird, zu der auch die 737-900ER gehört. Das cfm56 ist das Ergebnis eines Joint Ventures zwischen general electric und safran aircraft engines und gilt als eines der erfolgreichsten und zuverlässigsten Turbofan-Triebwerksprogramme in der Geschichte der zivilen Luftfahrt. Es wird nicht nur auf Tausenden von 737-Flugzeugen, sondern auch auf der Airbus A320-Familie (als cfm56-5b) sowie älteren Militär- und Zivilflugzeugen (wie der kc-135 und der A340-300) eingesetzt .
Die Zuverlässigkeit dieses Triebwerkstyps ist ein etablierter Industriestandard. Daher gehen Experten davon aus, dass es sich bei dem Vorfall in Minneapolis eher um ein einmaliges Ereignis handelte und nicht um einen Hinweis auf ein systemisches Problem mit der Konstruktion des cfm56-7b im Allgemeinen. Dennoch ist es die Aufgabe der Ermittler, die Möglichkeit eines neuen, flächendeckenden Problems nicht auszuschließen.
Die Boeing 737-900ER mit der Kennung n829dn wurde 2014 an Delta Air Lines ausgeliefert. Delta betreibt mit 163 Einheiten des Typs die weltweit größte 737-900ER-Flotte. Die genaue Analyse des defekten Triebwerks in Minneapolis ist von größtem Interesse für die gesamte Luftfahrtindustrie, um sicherzustellen, dass die bewährte Zuverlässigkeit dieses Flugzeugmusters auch weiterhin gewährleistet ist.
Untersuchungsschwerpunkte und weitere Schritte
Die nach dem Zwischenfall eingeleitete Untersuchung zielt darauf ab, die genaue Ursache des Triebwerksversagens zu klären. Dabei werden die Ermittler voraussichtlich mehrere Aspekte beleuchten, wobei der Fokus primär auf den betrieblichen Faktoren liegen dürfte, bevor die Triebwerkskonstruktion selbst in Frage gestellt wird.
Wartungsverfahren: Ein wichtiger Schwerpunkt wird die Untersuchung der Wartungsprotokolle und der Inspektionshistorie des spezifischen Triebwerks sein. Die Ermittler werden prüfen, ob möglicherweise ein Wartungsfehler oder eine Materialermüdung infolge nicht korrekter Prozeduren zum Ausfall geführt hat. Da Minneapolis über eine große Delta Techops-Basis verfügt, ist die Infrastruktur für eine detaillierte technische Analyse vor Ort vorhanden.
Technische Fehleranalyse: Das Triebwerk wird zerlegt und detailliert auf einzigartige Fehler untersucht. Dies umfasst die Prüfung von Schaufeln, Rotorkomponenten und der internen Steuerungselektronik. Es ist wesentlich, festzustellen, ob der Fehler durch einen Fremdkörperschaden (fod) oder einen internen Komponentenausfall verursacht wurde.
Flottenweite Implikationen: Obwohl die Wahrscheinlichkeit eines systemischen Designfehlers gering ist, muss die Untersuchung klären, ob Erkenntnisse gewonnen werden, die eine flottenweite Wartungsanweisung (airworthiness directive) für die 737ng-Betreiber erfordern. Solche Anweisungen werden von Aufsichtsbehörden wie der faa erlassen und sind obligatorisch.
Der Vorfall verdeutlicht die Wirksamkeit der Pilotenausbildung und der Sicherheitsmechanismen der modernen Luftfahrt. Die korrekte Durchführung eines Startabbruchs bei hoher Geschwindigkeit ist ein entscheidender Sicherheitsakt, der im Simulator regelmäßig trainiert wird. Die reibungslose Reaktion der Crew trug maßgeblich dazu bei, dass der Vorfall keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich zog. Die Fluggesellschaft wird nun alles daran setzen, die n829dn nach Abschluss der Reparaturen und der behördlichen Freigabe schnellstmöglich wieder in den regulären Flugbetrieb zu überführen.