Die Reisegewohnheiten der Menschen in Europa wandeln sich grundlegend. Eine neue Umfrage der globalen Reise-App Skyscanner offenbart, daß die traditionelle Vorstellung der Hauptsaison, die sich auf die Sommermonate und Schulferien beschränkt, zunehmend an Bedeutung verliert.
Die Flexibilität der Reisenden nimmt zu, und damit auch die Attraktivität der sogenannten Nebensaison. Mehr als ein Drittel aller Reisenden, 38 Prozent, faßt den Entschluß, die Sommerzeit durch Reisen in der Nebensaison besser zu nutzen. Sogar 44 Prozent meiden gezielt die Monate der Hauptsaison, um den Menschenmassen und den hohen Preisen zu entgehen. Dies zeigt, daß sich der Reisemarkt in einer tiefgreifenden Transformation befindet. Der September, der gewiß als einer der beliebtesten Monate der Nebensaison gilt, zieht dabei Reisende an, die nicht an feste Urlaubszeiten gebunden sind. Er verspricht die Vorzüge weniger überfüllter Orte, gepaart mit den immer noch angenehm warmen Temperaturen in vielen europäischen und nordafrikanischen Regionen.
Die Freiheit der Flexibilität: Warum der Herbst zur neuen Hauptsaison wird
Der Bericht von Skyscanner zeichnet ein klares Bild des modernen Reisenden, dessen Entscheidung nicht mehr primär von den Ferienzeiten, sondern von der Flexibilität und dem Preis geleitet wird. Die Reiseexpertin Friederike Burge von Skyscanner hebt hervor, daß ein Großteil der Reisenden, nämlich 79 Prozent, bereit ist, ihre Reisedaten zu ändern, um Geld zu sparen. Dieses Verhalten hat einen erheblichen Einfluß auf die Preisgestaltung und die Auslastung der Fluggesellschaften. So bieten Flüge an günstigeren Wochentagen, die oft in die Nebensaison fallen, erhebliche Einsparungspotentiale. Dieses Umdenken ist nicht nur eine Folge der Preisempfindlichkeit, sondern auch ein Ausdruck eines Lebensgefühls, das von weniger starren Strukturen geprägt ist.
Die Zunahme von Telearbeit und die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, hat das Konzept der festen Urlaubszeiten für viele Arbeitnehmer in Frage gestellt. Anstatt im Hochsommer bei 40 Grad Celsius in den Süden zu reisen, entscheiden sich viele dafür, die angenehmeren Spätsommer- und Herbsttemperaturen zu nutzen. Sie suchen ein authentischeres und entspannteres Reiseerlebnis, abseits des Gedränges an den bekannten Sehenswürdigkeiten.
Weniger Gedränge, mehr Erlebnis: Das neue Reisegefühl
Einer der größten Anreize für das Reisen in der Nebensaison ist die Möglichkeit, beliebte Destinationen in einem neuen Licht zu erleben. Die Massen vor den Sehenswürdigkeiten, die langen Schlangen an den Eingängen der Museen und die überfüllten Strände gehören der Vergangenheit an, wenn man sich entscheidet, im September zu reisen. Die historischen Gassen von Rom, die belebten Ufer des Eiffelturms in Paris oder die berühmten Strände Mallorcas sind in diesen Monaten deutlich leerer und die Atmosphäre ist entspannter. Das Erlebnis wird persönlicher und intensiver.
Zudem bleiben in vielen Regionen die Infrastruktur und die Dienstleistungsangebote, die auf den Sommertourismus ausgelegt sind, noch eine Weile erhalten. Das bedeutet, daß man von den vollen Öffnungszeiten von Restaurants und Bars profitieren kann, ohne jedoch von den Scharen von Touristen überrannt zu werden. Dies führt zu einem erhöhten Komfort und einer besseren Servicequalität, da die Anbieter die Möglichkeit haben, sich besser auf die einzelnen Gäste einzustellen. Der Wunsch nach einem unverfälschten Reiseerlebnis wird damit in den Vordergrund gestellt.
Das Spiel mit dem Preis: Wie die Airlines die Nachfrage steuern
Die erheblichen Preisvorteile, die die Skyscanner-Daten belegen, sind das Ergebnis der dynamischen Preisstrategien der Fluggesellschaften und Hotels. Die Nachfrage nach Reisen sinkt nach dem Ende der Schulferien spürbar. Um die Kapazitäten auszulasten und die Flugzeuge und Hotelzimmer nicht leer zu lassen, senken die Anbieter die Preise drastisch. Dies ist ein entscheidender Hebel für Reisende, die zeitlich flexibel sind.
Das sogenannte „yield management“ der Fluggesellschaften, das die Preise auf der Grundlage der Nachfrage steuert, ist in der Nebensaison gewiß besonders günstig für die Verbraucher. Ein Flug nach Mailand für 30 Euro oder nach Pescara für 38 Euro ist in der Hauptsaison kaum denkbar, in der Nebensaison jedoch Realität. Die Fluggesellschaften versuchen somit, die touristische Hochsaison zu verlängern und die Auslastung ihrer Flotte über das Jahr zu verteilen. Diese Maßnahme sorgt nicht nur für wirtschaftliche Stabilität in der Branche, sondern gibt den Reisenden auch die Chance, Ziele zu besuchen, die sonst außerhalb ihres Budgets liegen würden.
Überraschende Reiseziele: Eine Entdeckungsreise durch Europa und darüber hinaus
Die Skyscanner-Analyse zeigt, daß die günstigsten Ziele in der Nebensaison oft abseits der ausgetretenen Pfade liegen. Mit durchschnittlichen Flugpreisen von 64 Euro führt Tuzla in Bosnien und Herzegowina die Liste an. Die Stadt, die für ihre Salzseen und ihre reiche Geschichte bekannt ist, bietet eine interessante Alternative zu den überlaufenen Badeorten an der Adria.
Sie zieht mit ihrer einzigartigen Kultur und ihren günstigen Preisen immer mehr Besucher an. Pescara in Italien, mit Flügen ab 80 Euro, ist ein Geheimtip an der Adriaküste, der für seine langen Sandstrände und seine köstliche Küche bekannt ist. Im September sind die Wassertemperaturen immer noch angenehm und die Sonne scheint, während die großen Touristenscharen bereits abgereist sind. Ein ganz anderer Reiz geht von Bergen in Norwegen aus, wo man Flüge ab 115 Euro finden kann. Die Stadt, umgeben von Fjorden und Bergen, bietet eine atemberaubende Kulisse für Wanderungen und Naturerlebnisse. Im September beginnen die Blätter, sich zu verfärben, und die Landschaft erstrahlt in leuchtenden Herbsttönen, was für ein unvergessliches Erlebnis sorgt.