Ein ungewöhnlicher Vorfall hat sich am 11. September 2025 am Richmond International Airport in Virginia ereignet. Ein JetBlue Airbus A220-300 wurde während des Zurückstoßens von seinem Abstellplatz so manövriert, daß seine linke Flügelspitze mit den Fenstern eines im Terminal untergebrachten Applebee’s-Restaurants kollidierte.
Nach lokalen Berichten soll der Vorfall auf einen Fehler der Bodenabfertigung zurückzuführen sein, die das Flugzeug zu weit vom Flugsteig wegstieß. Bei dem Zwischenfall gab es weder an Bord des Flugzeugs noch im Restaurant Verletzte. Die Passagiere, die für einen Flug nach Boston vorbereitet waren, mußten auf ein Ersatzflugzeug umsteigen, wodurch sich ihre Abreise um mehrere Stunden verzögerte. Der Vorfall wirft Fragen bezüglich der Betriebsabläufe am Boden, der räumlichen Wahrnehmung der Bodenmitarbeiter und der Koordination auf.
Schaden am Flugzeug und am Restaurant
Der Unfall ereignete sich um die Mittagszeit, als die Airbus A220-300 mit der Registrierung N3257J für den Flug nach Boston Logan International Airport vorbereitet wurde. Der Schlepper, der das Flugzeug vom Flugsteig wegstieß, fuhr Berichten zufolge über den sicheren Freiraum hinaus, woraufhin die Flügelspitze gegen die Glasfassade des Restaurants prallte. Die Kollision führte zum Zerbrechen mehrerer Glasscheiben und hinterließ sichtbare Schäden an der Flügelspitze des erst vier Monate alten Flugzeugs.
Die Besatzung von JetBlue reagierte sofort und stoppte die weiteren Bewegungen des Flugzeugs. Die Passagiere, die bereits an Bord waren, wurden ausgeladen. Da das Flugzeug beschädigt war und nicht weiterfliegen konnte, mußte JetBlue ein Ersatzflugzeug bereitstellen. Der Flug nach Boston verzögerte sich dadurch um rund fünf Stunden. Die Airbus A220-300 bleibt am Boden in Richmond und wartet auf Reparaturen. Das Flugzeug kann bis zu 140 Passagiere befördern und ist mit zwei Pratt & Whitney PW1500G-Triebwerken ausgestattet.
Sicherheitsbedenken und operative Auswirkungen
Obwohl es sich um einen Zwischenfall mit geringer Auswirkung handelte, wirft er wichtige Fragen bezüglich der Betriebsabläufe auf dem Rollfeld auf. Der Spielraum für Fehler beim Zurückstoßen von Flugzeugen ist gering, und Bodenabfertigungsteams müssen bei allen Schritten des Manövers äußerst wachsam sein. Der Vorfall in Richmond dient als Erinnerung daran, welche kostspieligen Konsequenzen selbst kleine Fehler haben können.
Für JetBlue kam der Vorfall zu einem vergleichsweise günstigen Zeitpunkt. Die Sommerreisesaison neigt sich dem Ende zu und die Nachfrage ist nicht mehr so hoch wie in den Spitzenmonaten. Wäre der Unfall in den stark frequentierten Sommermonaten oder in der Feiertagssaison geschehen, wären die operativen Auswirkungen und die Unannehmlichkeiten für die Passagiere weitaus gravierender gewesen. Das Unternehmen profitiert auch davon, daß es eine große Flotte von Airbus A220-Flugzeugen besitzt, was die Bereitstellung eines Ersatzflugzeugs erleichtert.
Aus regulatorischer Sicht wird der Vorfall eine genaue Untersuchung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA nach sich ziehen. Die FAA wird die Betriebsabläufe von JetBlue am Richmond Airport sowie die allgemeinen Verfahren des Personals überprüfen, um herauszufinden, was zu dem Unfall geführt hat. Es ist die Aufgabe der FAA, Maßnahmen zu ergreifen, um die Häufigkeit solcher Zwischenfälle so weit wie möglich zu reduzieren.
Ähnliche Vorfälle und die Herausforderungen für die Luftfahrt
Kollisionen an Flugsteigen sind keine Seltenheit, insbesondere in den Vereinigten Staaten, wo viele Flughäfen ältere, beengte Flugsteig- und Rollfeldlayouts aufweisen, die zudem ein hohes Flugaufkommen bewältigen müssen. Solche Vorfälle sind für Fluggesellschaften, auch für eine große wie JetBlue, mit erheblichen Kosten und operativen Herausforderungen verbunden.
In jüngster Vergangenheit gab es ähnliche Zwischenfälle. Im August 2025 stieß in Atlanta ein Delta Air Lines Boeing 757 während des Zurückstoßens mit dem Flügel einer daneben stehenden Airbus A350-900 zusammen. In diesem Fall gab der Pilot der Boeing 757 der Flugkontrolle an, daß der Abstand auf dem Rollfeld für einen sicheren Betrieb von zwei so großen Flugzeugen nicht ausreichend gewesen sei. Nur wenige Wochen später, am 1. September 2025, kollidierten zwei United Airlines Boeing 737-Flugzeuge am San Francisco International Airport mit ihren Flügeln. Auch hier ereignete sich der Vorfall im Bereich des Rollfeldes, als ein Flugzeug zurückgestoßen wurde.
Diese Vorfälle zeigen, daß, obwohl das direkte Risiko für die Passagiere oft gering ist, die Reparaturen und die operativen Störungen für die Fluggesellschaften kostspielig sind. Die Unternehmen haben ein starkes Eigeninteresse daran, solche Unfälle zu verhindern, nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht. Es ist eine ständige Herausforderung, die Abläufe am Boden zu optimieren und gleichzeitig die Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten.