Der deutsche Reisevertrieb hat die abgelaufene Sommersaison 2025 mit einem neuen Rekordergebnis bei den Umsätzen abgeschlossen. Laut den Daten des Dienstleisters Travel Data + Analytics (TDA) stiegen die Gesamterlöse aus pauschal oder in Bausteinen organisierten Sommerurlauben von Reisebüros, Online-Portalen und Veranstalter-Websites um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit Gesamtausgaben von rund 16 Milliarden Euro durch die Bundesbürger wurde damit erneut ein Höchstwert erzielt. Dieses Umsatzwachstum ist primär auf höhere Reisepreise zurückzuführen, da die Zahl der tatsächlich gebuchten Urlaube nur um ein Prozent anstieg.
Obwohl die Umsatzzahlen Rekorde markieren, liegt die Menge der gebuchten Urlaube weiterhin acht Prozent unter dem Niveau des Sommers 2019, dem letzten unbeeinträchtigten Vor-Krisen-Jahr. Der strukturelle Wandel im Vertrieb setzt sich unterdessen beschleunigt fort: Fast jeder zweite Sommerurlaub wurde online gebucht, was dem Online-Vertrieb einen signifikanten Umsatzanteil von 43 Prozent sichert. Der vielversprechende Start in die neue Wintersaison und die frühen Buchungen für den kommenden Sommer signalisieren eine robuste Nachfrage und eine zunehmende Stabilisierung der Preisentwicklung.
Das Auseinanderklaffen von Umsatz und Buchungszahlen
Die Analyse der TDA-Daten zeigt eine klare Entwicklung im deutschen Reisemarkt: Das Wachstum wird weitestgehend durch die Preissteigerung getragen. Die Umsätze stiegen um sechs Prozent, während die Zahl der gebuchten Urlaube lediglich um ein Prozent zulegte. Dieses Phänomen ist seit einigen Jahren im Tourismusgeschäft zu beobachten und resultiert aus der Notwendigkeit der Anbieter, gestiegene Kosten für Treibstoff, Personaldienstleistungen und Logistik über höhere Endpreise an die Verbraucher weiterzugeben.
Obwohl der Oktober 2025 mit einem guten Last-Minute-Geschäft noch zum Gesamterfolg der Sommersaison beigetragen hat, verbleibt eine deutliche Lücke zum Vorkrisenniveau. Die Verlangsamung des Wachstums bei den tatsächlichen Buchungszahlen, die immer noch acht Prozent unter dem Sommer 2019 liegen, deutet darauf hin, dass die Nachfrage der Verbraucher zwar stabil ist, aber die finanzielle Belastung durch die gestiegenen Preise möglicherweise verhindert, dass die Buchungszahlen wieder auf das absolute Rekordniveau zurückkehren. Verbraucher treffen demnach bewusste Entscheidungen über ihre Urlaubsausgaben, wobei der Fokus auf dem Werterhalt des Urlaubs liegt, auch wenn dies zu einer geringeren Mengensteigerung führt.
Der beschleunigte Wandel im Reisevertrieb
Der Trend zur Digitalisierung des Buchungsprozesses setzt sich ungebremst fort und gewinnt weiter an Dynamik. Die TDA-Daten belegen, dass fast die Hälfte der Bundesbürger (47 Prozent) ihren Sommerurlaub über Online-Kanäle – klassische Reiseportale oder die direkten Websites der Reiseveranstalter – buchte.
Besonders hervorzuheben ist das Online-Wachstum: Der Umsatzanteil des Online-Vertriebs stieg um 15 Prozent und vereint nun 43 Prozent der gesamten Sommerumsätze auf sich. Dies zeigt, dass die Kunden nicht nur die Bequemlichkeit des Internets schätzen, sondern dort auch zunehmend höherpreisige und komplexe Reiseleistungen buchen.
Im Gegensatz dazu halten die stationären Reisebüros ihr Vorjahresniveau. Dies deutet darauf hin, dass der physische Vertriebsarm trotz des allgemeinen Online-Booms eine loyale Kundenbasis hält und seine Bedeutung als Beratungs- und Anlaufstelle für komplexe Buchungen oder bei hoher Reiseunsicherheit beibällt. Dennoch ist der strukturelle Trend zur Online-Buchung ein klarer Indikator für die anhaltende Verschiebung der Marktanteile.
Vielversprechender Start in die Wintersaison und beliebte Destinationen
Der Blick auf die gerade angelaufene Wintersaison 2025/2026 liefert optimistische Signale für die Branche. Der Vorverkauf verzeichnete ein deutliches Umsatzplus von acht Prozent, begleitet von einem Anstieg der gebuchten Urlaubsreisen um sechs Prozent.
Die enge Korrelation zwischen dem Umsatz- und dem Buchungswachstum (acht Prozent Umsatzanstieg gegenüber sechs Prozent Buchungsanstieg) ist laut TDA-Marktforschern ein Indiz dafür, dass das Preisniveau nur noch mäßig steigt. Dies wird als positiver Hinweis auf eine sich stabilisierende Preisentwicklung und eine robuste Nachfrage der Frühbucher gewertet. Offenbar nehmen die Verbraucher die aktuellen Preise an und sichern sich frühzeitig ihre gewünschten Reisen.
Die Winterumsätze verteilen sich relativ gleichmäßig auf drei Hauptsegmente:
- Fernreisen: Vereinen rund ein Viertel der bisher erzielten Umsätze.
- Westliche Mittelstrecke: Machen ebenfalls etwa ein Viertel der Buchungen aus.
- Kreuzfahrten: Stellen das dritte Hauptsegment dar und liegen ebenfalls bei etwa einem Viertel der Umsätze.
Besonders bemerkenswert ist die Performance von Ägypten, das als Reiseziel mit einem Umsatzplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreswinter heraussticht. Dies signalisiert eine starke Rückkehr der Nachfrage für diese Destination, die sowohl Sonnen- als auch Kulturreisen in der kalten Jahreszeit ermöglicht.
Die anhaltende Reiselust der Deutschen zeigt sich auch in den frühen Buchungen für den nächsten Sommer. Bereits 46 Prozent des im Oktober generierten Umsatzes entfielen auf Reisen für die Sommersaison 2026. Dieses frühzeitige Buchungsverhalten ist für Reiseveranstalter und Fluggesellschaften essenziell, da es Planungssicherheit schafft und die Liquidität verbessert. Die Rekordumsätze des Sommers 2025 und der vielversprechende Start der Wintersaison legen den Grundstein für ein voraussichtlich weiterhin erfolgreiches Gesamtjahr 2026 für den deutschen Reisevertrieb, vorausgesetzt, die Preisentwicklung bleibt moderat und die geopolitische Lage stabilisiert sich.