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Deutschland: Passagieraufkommen erreicht 94,6 Prozent des Vorkrisenniveaus, interkontinentale Nachfrage übertrifft 2019

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Der deutsche Luftverkehrsmarkt setzt seine starke Erholung fort und nähert sich zügig den Kennzahlen des letzten Normaljahres vor den globalen Einschränkungen an. Im Oktober 2025 begrüßten die deutschen Flughäfen insgesamt 22,42 Millionen Passagiere (an- und abfliegend), was einer Erholungsrate von 94,6 Prozent im Vergleich zum Oktober 2019 entspricht.

Das Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat Oktober 2024 lag bei robusten +5,6 Prozent. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung im interkontinentalen Verkehr, der mit einer Erholung von 103,1 Prozent das Vorkrisenniveau von 2019 erstmals übertroffen hat, getragen von einer anhaltend hohen touristischen Nachfrage. Demgegenüber steht die anhaltende Schwäche des innerdeutschen Luftverkehrs, während das Frachtgeschäft eine überraschende Stabilität in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld demonstriert.

Passagierverkehr: Die internationale Nachfrage als Wachstumsmotor

Der Oktober gilt traditionell als starker Reisemonat, begünstigt durch Herbstferien und die Nachfrage nach warmen Reisezielen vor dem Wintereinbruch. Diese Saisonalität spiegelt sich in den aktuellen Zahlen wider. Das Passagieraufkommen wuchs im Oktober gegenüber dem Vormonat September um rund 539.000 Passagiere.

Segmentanalyse: Kontrastreiche Entwicklung der Märkte

Die Analyse der einzelnen Verkehrssegmente zeigt eine deutliche Verschiebung der Präferenzen und der Marktdynamik im Vergleich zur Zeit vor 2020:

  • Europa-Verkehr: Mit 15,97 Millionen Passagieren im Oktober übertraf dieses Marktsegment das Niveau des Oktobers 2019 um +4,1 Prozent. Das anhaltend starke Wachstum, das im Vergleich zum Vorjahr bei +5,3 Prozent lag, verdeutlicht die hohe Reiseintensität zu den europäischen Zielen. Die Wiederherstellung der touristischen Kapazitäten und die starke Nachfrage nach Mittelstreckenreisen bilden die Basis dieser Entwicklung.
  • Interkontinental-Verkehr: Dieses Segment ist mit 4,05 Millionen Passagieren der größte Überraschungssieger. Es verzeichnete nicht nur ein starkes Wachstum von +7,2 Prozent gegenüber Oktober 2024, sondern übertraf mit einer Recovery-Rate von 103,1 Prozent erstmals seit Beginn der globalen Einschränkungen das Vorkrisenniveau von 2019. Dies deutet auf eine robuste Rückkehr der Geschäftsreisen und eine starke Nachfrage nach Fernreisen hin.
  • Innerdeutsch: Das Segment des innerdeutschen Luftverkehrs bleibt das größte Sorgenkind. Obwohl die Passagierzahlen im Oktober auf 2,36 Millionen zunahmen (+4,4 Prozent zum Vorjahr), fehlten im Vergleich zum Oktober 2019 noch immer drastische 44,5 Prozent der Reisenden. Experten führen diese anhaltende Schwäche auf die gestiegene Attraktivität des Hochgeschwindigkeits-Schienenverkehrs sowie eine Verschiebung zu regionalen und touristischen Zielen im Ausland zurück. Die innerdeutsche Luftfahrt hat sich nach den Einschränkungen nicht im gleichen Maße erholt wie der internationale Verkehr.

Flugbewegungen und Frachtvolumen: Stabilität trotz wirtschaftlicher Unsicherheit

Die Zahl der gewerblichen Flugbewegungen (Starts und Landungen) lag im Oktober bei 177.853, was einem Wachstum von +4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Vergleich zu 2019 wurden jedoch lediglich 88,7 Prozent der Flüge durchgeführt. Die Diskrepanz zwischen der fast vollständigen Erholung der Passagierzahlen (94,6 Prozent) und der geringeren Zahl der Flugbewegungen (88,7 Prozent) ist ein Indikator für den Einsatz von größeren und effizienteren Flugzeugen (z.B. der Airbus A321neo-Familie oder Langstrecken-Großraumflugzeugen), die mehr Passagiere pro Flug transportieren können.

Frachtgeschäft als Stabilitätsanker

Das Luftfrachtaufkommen (Cargo) zeigt sich als stabiler Sektor inmitten einer von Unsicherheiten geprägten Konjunkturlage. Mit insgesamt 427.031 Tonnen im Oktober verzeichneten die deutschen Flughäfen den zweithöchsten Monatswert des Jahres.

  • Das Aufkommen wuchs gegenüber dem Vorjahr um +1,2 Prozent und lag im Vergleich zu 2019 sogar +1,7 Prozent im Plus.
  • Dies war der vierte Monat in Folge, in dem das Frachtvolumen die Marke von 400.000 Tonnen überschritt.

Die stabile Entwicklung des Frachtgeschäfts, trotz rückläufiger Industrieaufträge in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft, ist bemerkenswert. Sowohl die Ausladungen (+1,3 Prozent zu 2024) als auch die Einladungen (+1,1 Prozent zu 2024) wuchsen leicht. Dies deutet darauf hin, dass die Luftfracht weiterhin eine kritische Rolle bei der Versorgung mit hochwertigen und zeitkritischen Gütern spielt und die Verlagerung von Seefracht auf Luftfracht in bestimmten Segmenten anhält.

Die Bilanz des bisherigen Jahresverlaufs

Von Januar bis Oktober 2025 nutzten kumuliert 188,2 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen. Das entspricht einem Zuwachs von +3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der starke Oktober-Monat korrigierte das jährliche Wachstum leicht nach oben. Die Gesamt-Recovery für die ersten zehn Monate des Jahres liegt bei 87,2 Prozent für das Passagieraufkommen und 82,3 Prozent für die Flugbewegungen.

Die Verteilung der Marktsegmente im Jahresverlauf bestätigt die Trends des Oktobers:

  • Innerdeutsch: Hier wurden nur 51,1 Prozent der Passagiere von 2019 erreicht.
  • Europa-Verkehr: Dieses Segment ist mit 95,9 Prozent der Vorkrisenzahlen fast vollständig wiederhergestellt.
  • Interkontinental-Verkehr: Hier liegt die Erholung mit 97,7 Prozent ebenfalls nahe am vollständigen Vorkrisenniveau.

Die Daten zeigen, dass die deutschen Flughäfen auf dem besten Weg sind, die Passagierzahlen von 2019 in den kommenden Jahren vollständig wiederherzustellen. Die Erholung wird jedoch primär von internationalen touristischen und interkontinentalen Geschäften getragen, während die innerdeutsche Luftfahrtstrukturellen Veränderungen unterworfen ist.

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