Die Sommerzeit läutet für Millionen Österreicher die schönste Zeit des Jahres ein – die Urlaubszeit. Ob an sonnigen Küsten, in majestätischen Berglandschaften oder auf kulturellen Städtetouren: Damit die Erholung nicht durch unerwartete gesundheitliche Probleme getrübt wird, ist eine vorausschauende Planung unerläßlich.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) erinnert daran, daß die heimische E-Card ein wertvolles Instrument für medizinische Hilfe im Ausland ist. Doch nicht nur die Krankenversicherung, sondern auch eine gut ausgestattete Reiseapotheke und ein aktueller Impfschutz sind entscheidend, um medizinische Notfälle auf Reisen unkompliziert und zuverlässig bewältigen zu können. Besonders für junge Erwachsene nach der Matura gilt es zudem, den Versicherungsschutz genau zu prüfen, um auch in Übergangsphasen lückenlos abgesichert zu sein.
Die E-Card: Mehr als nur ein nationaler Gesundheitspaß
Für rund 7,6 Millionen Österreicherinnen und Österreicher ist die E-Card das Tor zum Gesundheitssystem im Inland. Was jedoch viele Reisende nicht wissen oder im Eifer der Urlaubsplanung vergessen: Die Rückseite der E-Card birgt ein wichtiges internationales Dokument – die Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK). Diese Karte ist der Schlüssel zu medizinischer Versorgung in einer Vielzahl von Ländern und sorgt dafür, daß notwendige Behandlungen im Ausland meist unkomplizierter und zuverlässig in Anspruch genommen werden können.
Die EKVK gilt in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR), also in den 27 EU-Ländern sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. Darüber hinaus ist sie in der Schweiz und in Großbritannien gültig. Auch in einigen Balkanstaaten, darunter Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien, wird die EKVK anerkannt. Sie ermöglicht es Reisenden, im Ernstfall direkt ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen, ohne vorab in Vorleistung treten zu müssen, sofern es sich um Leistungen handelt, die im jeweiligen Gastland im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung üblich sind. Die EKVK deckt dabei medizinisch notwendige Behandlungen ab, die während des Aufenthaltes akut werden und nicht aufschiebbar sind. Dies bedeutet, daß beispielsweise geplante Schönheitsoperationen oder langwierige chronische Behandlungen nicht darunterfallen.
Eine Besonderheit gilt für die Türkei: Für eine Krankenbehandlung dort ist die Vorlage eines Urlaubskrankenscheines erforderlich. Dieser kann bequem und unbürokratisch über die „Meine ÖGK-App“ oder die Webseite der Gesundheitskasse erstellt werden. Wer in Länder reist, die keine Vertragsstaaten sind und in denen die EKVK nicht gilt, muß die Behandlung vorerst privat bezahlen und kann die Rechnung anschließend bei der ÖGK zur teilweisen Erstattung einreichen. Hier ist es ratsam, vorab die genauen Bedingungen der Erstattung zu prüfen und gegebenenfalls eine private Reisekrankenversicherung in Betracht zu ziehen, die auch höhere Kosten und den Rücktransport abdeckt. Die EKVK deckt nämlich keine Kosten für einen medizinisch notwendigen Rücktransport nach Österreich ab, der im Ernstfall sehr teuer werden kann.
Die Reiseapotheke: Ein kleines Gepäckstück mit großer Wirkung
Eine gut ausgestattete Reiseapotheke gehört in jedes Urlaubsgepäck. Sie ist ein kleines, aber unverzichtbares Element der Vorsorge, das im Ernstfall nicht nur Zeit und Nerven spart, sondern auch dazu beitragen kann, kleinere Beschwerden schnell selbst zu behandeln und den Urlaub ungetrübt fortzusetzen. Die Zusammenstellung sollte sowohl allgemeine Mittel für häufige Reisebeschwerden als auch individuelle Medikamente umfassen.
Ins Gepäck sollten daher:
- Schmerzmittel und Fiebersenker für Kopfschmerzen, leichte Verletzungen oder Erkältungssymptome.
- Elektrolytlösungen zur Wiederherstellung des Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushaltes bei Durchfall oder starkem Schwitzen.
- Mittel gegen Übelkeit, Durchfall und Verstopfung, da Magen-Darm-Probleme auf Reisen, oft durch ungewohntes Essen oder Klima, häufig auftreten.
- Nasenspray bei Erkältungen oder zur Befeuchtung der Nasenschleimhäute, insbesondere bei Flugreisen.
- Insektenschutzmittel und Mittel zur Linderung von Insektenstichen, um Mücken und andere Plagegeister fernzuhalten.
- Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor und Mittel zur Behandlung von Sonnenbrand.
- Verbandsmaterial wie Pflaster, Desinfektionsmittel, Mullbinden und Schere für kleinere Verletzungen.
- Bei Flugreisen sind Augentropfen und eine Nasendusche empfehlenswert, um der trockenen Kabinenluft entgegenzuwirken, die Schleimhäute austrocknen und zu Unwohlsein führen kann.
- Individuelle Medikamente: Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muß (z.B. gegen Allergien, Diabetes, Bluthochdruck, Asthma), sollte diese in ausreichender Menge mitführen und gegebenenfalls ein ärztliches Attest mit sich führen, insbesondere bei Reisen in Nicht-EU-Länder.
Es ist ratsam, die Reiseapotheke auf die spezifischen Bedürfnisse des Reiseziels und die Art der Reise abzustimmen. Ein Wanderurlaub in den Bergen erfordert andere Mittel als ein Badeurlaub am Meer. Medikamente sollten stets in der Originalverpackung und mit Beipackzettel mitgeführt werden, um Probleme bei Zollkontrollen zu vermeiden.
Impfschutz: Die erste Verteidigungslinie gegen Reisekrankheiten
Neben der Reiseapotheke ist ein aktueller und vollständiger Impfschutz die erste und wichtigste Verteidigungslinie gegen Reisekrankheiten. Die ÖGK empfiehlt dringend, spätestens vier Wochen vor Reiseantritt den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls fehlende Impfungen aufzufrischen oder neue Impfungen vorzunehmen. Dies ist wichtig, da einige Impfungen mehrere Wochen bis zur vollen Wirksamkeit benötigen.
Besonders wichtig sind die Impfungen gegen Hepatitis A und B, die durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen werden können und in vielen Reiseländern ein Risiko darstellen. Eine Auffrischung des Standardimpfschutzes gegen Diphtherie, Tetanus, Polio (Kinderlähmung) und Keuchhusten ist ebenfalls ratsam, da der Schutz dieser Impfungen mit der Zeit nachläßt.
Je nach Reiseziel können weitere Impfungen notwendig sein, beispielsweiße gegen Typhus (bei Reisen in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen), Gelbfieber (für bestimmte tropische Gebiete), Tollwut (bei engem Tierkontakt in Risikogebieten) oder Japanische Enzephalitis. Eine individuelle Beratung durch einen Reisemediziner oder den Hausarzt ist hier unerläßlich, da dieser die spezifischen Risiken des Reiseziels, die Dauer des Aufenthalts und den Gesundheitszustand des Reisenden berücksichtigen kann. Der Impfpaß sollte stets mitgeführt werden, da er bei Einreise in bestimmte Länder oder im Falle einer medizinischen Behandlung im Ausland wichtig sein kann.
Krankenversicherung für junge Erwachsene: Nach der Matura gut versichert bleiben
Ein oft übersehener Aspekt der Reiseplanung betrifft junge Erwachsene, die gerade ihre Matura oder einen anderen Schulabschluß absolviert haben. Bei vielen Jugendlichen endet nach dem Schulabschluß automatisch die Mitversicherung über die Eltern. Wer nicht direkt ins Berufsleben einsteigt, sondern beispielsweiße ein Studium beginnt, den Zivil- oder Präsenzdienst leistet oder ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, kann die kostenlose Mitversicherung bei der ÖGK rasch und unbürokratisch verlängern.
Es ist von größter Bedeutung, diese Verlängerung rechtzeitig zu beantragen, um keine Lücke im Versicherungsschutz entstehen zu lassen. Eine solche Lücke könnte im Falle einer Krankheit oder eines Unfalls, insbesondere im Ausland, zu erheblichen finanziellen Belastungen führen. Die ÖGK bietet hierfür einfache Verfahren an, um den Übergang von der schulischen zur nächsten Lebensphase nahtlos zu gestalten und jungen Menschen weiterhin den notwendigen Krankenversicherungsschutz zu gewährleisten. Dies ist besonders relevant, da viele junge Menschen nach der Matura oft Auslandsreisen oder längere Aufenthalte im Ausland planen, bevor sie ihre berufliche oder akademische Laufbahn beginnen. Ein lückenloser Versicherungsschutz ist hierbei die Grundlage für ein sorgenfreies und sicheres Erlebnis.
Gut informiert und vorbereitet in den Urlaub
Ein sicherer und entspannter Urlaub ist das Ergebnis guter Vorbereitung. Die E-Card mit ihrer integrierten Europäischen Krankenversicherungskarte ist ein wertvoller Begleiter, der in vielen Ländern Europas und darüber hinaus grundlegende medizinische Versorgung sichert. Dennoch ist es unerläßlich, die Grenzen dieses Schutzes zu kennen und für Reisen außerhalb der EKVK-Geltungsbereiche oder für umfassendere Leistungen eine private Reisekrankenversicherung in Betracht zu ziehen. Eine sorgfältig zusammengestellte Reiseapotheke und ein aktueller Impfschutz sind weitere unverzichtbare Säulen der Gesundheitsvorsorge auf Reisen.
Nicht zuletzt sollten junge Erwachsene nach dem Schulabschluß die Besonderheiten ihres Krankenversicherungsschutzes beachten, um auch in dieser Übergangsphase lückenlos abgesichert zu sein. Mit der E-Card und der EKVK im Gepäck, einer gut gepackten Reiseapotheke und einem aktuellen Impfpaß steht einem sicheren und unbeschwerten Urlaub nichts im Wege. Die Investition in diese Vorsorgemaßnahmen ist eine Investition in die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden auf Reisen.