Am Flughafen Nizza ereignete sich in der Nacht auf den 22. September 2025 ein schwerer Beinahe-Zusammenstoß, der die Luftfahrtbranche in Aufruhr versetzt. Ein Airbus A320 der Fluggesellschaft Nouvelair brach im Nebel den Landeanflug im letzten Augenblick ab, nachdem er nur wenige Meter über einem startbereiten Easyjet-Flugzeug hinweggeflogen war.
Der Vorfall, der sich gegen 23:30 Uhr ereignete, hätte zu einer Katastrophe führen können. Die Flugaufsicht hat bereits eine Untersuchung eingeleitet, um die genauen Umstände zu klären, doch erste Berichte deuten auf einen Pilotenfehler hin.
Chronologie des Beinahe-Zusammenstoßes
Der Vorfall ereignete sich am späten Abend, als dichter Nebel über dem Nizza Côte d’Azur Airport lag. Auf der Startbahn 04R wartete der Easyjet-Flug 4706 nach Nantes auf seine Startfreigabe. Zur gleichen Zeit befand sich der Nouvelair-Flug 586 aus Tunis im Endanflug. Die Maschine hätte auf der parallel verlaufenden Landebahn 04L aufsetzen sollen, doch die Piloten steuerten die falsche Piste an.
Augenzeugenberichte von Passagieren an Bord der Easyjet-Maschine schildern den Vorfall als erschütterndes Erlebnis. Sie berichteten von „spürbaren Vibrationen“ im Flugzeug, als der Nouvelair-Airbus in geringer Höhe über ihre Köpfe hinwegzog. Aufzeichnungen von Flugverfolgungsdiensten legen nahe, daß der Abstand zwischen den beiden Flugzeugen nur wenige Meter betrug. Die Piloten von Nouvelair erkannten ihren Fehler im letzten Moment und initiierten einen Durchstart, um eine Kollision zu verhindern. Die beiden Piloten leiteten eine Kursänderung ein und landeten zwölf Minuten später sicher auf der zugewiesenen Landebahn 04L.
Flugstreichung und die psychologischen Folgen
Der Schock über den Beinahe-Zusammenstoß hatte unmittelbare Folgen für die Passagiere und die Besatzung des Easyjet-Flugzeugs. Der Flug 4706 kehrte nach dem Vorfall zum Gate zurück und wurde gestrichen. Ein Passagier berichtete, die Cockpitbesatzung sei „sichtlich angefasst“ gewesen. Solche Vorfälle können erhebliche psychologische Auswirkungen auf die Betroffenen haben, da die Bedrohung einer Kollision in der Luft, auch ohne direkten Kontakt, eine tiefgreifende Erfahrung ist.
Der Flughafen Nizza bestätigte den Vorfall umgehend. Ein Sprecher teilte französischen Medien mit, daß eine offizielle Untersuchung eingeleitet werde, um die genaue Ursache zu klären. Er fügte hinzu, daß die ersten Erkenntnisse darauf hindeuteten, daß den Nouvelair-Piloten ein Fehler unterlaufen sei. Der Vorfall unterstreicht die Wichtigkeit der korrekten Kommunikation zwischen Cockpit und Flugkontrolle, insbesondere unter schwierigen Bedingungen wie schlechter Sicht.
Parallelen zu früheren Vorfällen: Air Canada 759
Der Zwischenfall am Flughafen Nizza ruft unweigerlich Erinnerungen an einen ähnlichen, fast katastrophalen Vorfall wach, der am 7. Juli 2017 am San Francisco International Airport stattfand. Damals peilten die Piloten des Air Canada-Fluges 759 bei einem nächtlichen Anflug statt der zugewiesenen Landebahn 28R eine parallel verlaufende Rollbahn an, auf der vier andere Flugzeuge in Reih und Glied auf den Start warteten.
Laut dem Abschlußbericht der US-Flugunfallbehörde NTSB trennten die Air Canada-Maschine nur 4,30 Meter von einer Kollision mit einem der am Boden stehenden Flugzeuge. Die Piloten von United Airlines und Philippine Airlines mußten damals ihre Scheinwerfer einschalten und die Fluglotsen auf die akute Gefahr aufmerksam machen, woraufhin die Air Canada-Maschine einen Durchstart einleitete. In den Augen von Experten gelten solche Beinahe-Zusammenstöße als „Runway Incursion“, also das Eindringen auf eine Roll- oder Landebahn, was eine der größten Gefahren in der Luftfahrt darstellt.
Beide Vorfälle, in San Francisco und jetzt in Nizza, unterstreichen die kritische Rolle der Fluglotsen und der Technologie, um Piloten unter Bedingungen wie Nacht oder Nebel zu unterstützen. Obwohl die meisten modernen Flugzeuge mit fortschrittlichen Navigationssystemen ausgestattet sind, ist die menschliche Komponente und die korrekte Situationswahrnehmung weiterhin entscheidend, um solche Fehler zu vermeiden. Die Untersuchung in Nizza wird zeigen, ob technische Mängel, menschliches Versagen oder eine Kombination beider Faktoren die Ursache für diesen alarmierenden Zwischenfall waren.
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