Airbus A321 (Foto: Randolph Rojas/Unsplash).
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Die turbulenten Höhenflüge der Billigairlines: United-Chef Kirby sagt das Ende von Spirit Airlines voraus

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Der Chef der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines, Scott Kirby, hat in der Luftfahrtbranche für Aufsehen gesorgt, indem er das baldige Ende des Ultra-Low-Cost-Carriers Spirit Airlines prophezeite. Kirby, der während seiner Amtszeit bei United ein erklärter Kritiker des Geschäftsmodells von Billigfluggesellschaften war, bezeichnete dieses Modell als ein „interessantes Experiment“, das seiner Ansicht nach gescheitert sei.

Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Spirit Airlines zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten Insolvenz angemeldet hat und mit massiven finanziellen Verlusten kämpft. Während United bereits damit begonnen hat, sich in den Kernmärkten von Spirit zu positionieren, gibt sich die angeschlagene Fluggesellschaft in einer zweiten Restrukturierungsphase optimistisch, um ihre Zukunft zu sichern. Der Konflikt zwischen den beiden Airline-Chefs wirft ein Schlaglicht auf die harte Realität des US-Flugmarktes und die strukturellen Herausforderungen, mit denen Billigfluggesellschaften konfrontiert sind.

Kirbys harte Worte und Spirits Gegenwind

Scott Kirby äußerte seine düstere Prognose für Spirit Airlines auf dem Global Aerospace Summit der US-Handelskammer. Er begründete seine Zuversicht mit den Worten: „Weil ich gut in Mathe bin.“ Nach seiner Ansicht ist das Geschäftsmodell von Spirit „fundamentell kaputt“, weil es auf einem Prinzip basiere, das er als „den Kunden verärgern“ bezeichnete. Die Kunden würden die Fluggesellschaft nicht mögen, und der „Verbraucher hat abgestimmt“, so Kirby weiter.

Spirit Airlines reagierte umgehend auf die Kommentare des United-Chefs. Auf der sozialen Plattform X lobte die Fluggesellschaft ihre neuen Produkte, wie das „Spirit First“ und die „Premium Economy“-Optionen. Sie konterte mit den Worten: „Vielleicht ist das der Grund, warum die Führungskräfte von United nicht aufhören können, über uns zu quasseln.“ Die Fluggesellschaft betonte, daß ihre Kunden die niedrigen Preise lieben würden, insbesondere die neuen Angebote.

Die finanzielle Lage von Spirit ist indes alarmierend. Obwohl die Airline im März aus einem Insolvenzverfahren nach Chapter 11 hervorgegangen war und ihr Produktangebot sowie ihr Streckennetz umstrukturiert hatte, meldete sie im zweiten Quartal 2025 einen Nettoverlust von 245 Millionen Dollar. Dies ist ein größerer Verlust als die 192 Millionen Dollar, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres verbucht wurden. Kurz vor der erneuten Insolvenzanmeldung im August hatte das Unternehmen gewarnt, daß es ohne eine deutliche finanzielle Verbesserung möglicherweise nicht in der Lage sein werde, den Betrieb fortzusetzen.

Das Geschäftsmodell auf dem Prüfstand

Scott Kirby ist nicht der einzige, der die Lebensfähigkeit des Ultra-Low-Cost-Carrier-Modells in Frage stellt. Die Kritik richtet sich oft gegen die dünnen Margen, auf denen diese Fluggesellschaften operieren, und die daraus resultierenden Einnahmemodelle. Um ihre Einnahmen zu maximieren, sind diese Airlines gezwungen, „Quetsch-Taktiken“ gegenüber den Passagieren anzuwenden. Ryanair in Europa ist ein bekanntes Beispiel für eine Fluggesellschaft, die sich den Ruf erworben hat, überhöhte Gebühren für Sitze, Gepäck und sogar Bordkarten zu verlangen. Obwohl Ryanair jedes Jahr Milliardengewinne erzielt, ist das Geschäftsmodell weiterhin umstritten. Im Falle von Spirit Airlines stammen mehr als die Hälfte der Einnahmen aus Zusatzgebühren, den sogenannten „Ancillary Fees“.

Auch der Rivale Frontier Airlines scheint mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Obwohl Frontier besser dastand als Spirit, meldete das Unternehmen für das zweite Quartal 2025 ebenfalls einen höher als erwarteten Nettoverlust. Trotz Rekordeinnahmen im ersten Quartal 2025 endete auch dieser Zeitraum mit einem Nettoverlust, bedingt durch steigende Kosten und niedrigere Durchschnittspreise.

Die finanziellen Schwierigkeiten der Billigfluggesellschaften in den USA können auch mit der allgemeinen Marktsituation in Verbindung gebracht werden. Die Konkurrenz ist intensiv, und die etablierten Netzwerk-Carrier wie United, Delta und American Airlines haben ihre eigenen Low-Cost-Optionen ausgebaut und bieten vermehrt günstige Tarife an.

Was kommt als nächstes für Spirit Airlines?

Nach der erneuten Anmeldung des Insolvenzschutzes nach Chapter 11 steht Spirit Airlines vor einer weiteren, umfassenden Restrukturierung. Im vorherigen Insolvenzverfahren hatte das Unternehmen Schulden in Höhe von fast 800 Millionen Dollar in Eigenkapital umgewandelt. Doch der CEO von Spirit, Dave Davis, sagte, es gebe „noch viel mehr Arbeit zu tun“. Eine der ersten und drastischsten Maßnahmen ist die Anpassung des Streckennetzes. Spirit hat die Flüge zu elf US-Städten eingestellt, darunter wichtige Ziele wie Oakland, Portland und San Diego.

Darüber hinaus hat das Unternehmen Dutzende Flugzeuge seiner Airbus A320ceo-Flotte zum Verkauf angeboten und strebt neue Leasingvereinbarungen an, was auf eine mögliche Verkleinerung der Flotte hindeutet. Die Airline hat auch das gesamte verfügbare Darlehen von 275 Millionen Dollar aus ihrer revolvierenden Kreditfazilität in Anspruch genommen.

Die aktuelle Flotte von Spirit Airlines besteht hauptsächlich aus Flugzeugen der Airbus A320-Familie, wobei die A320neo– und A321neo-Modelle die jüngsten Ergänzungen darstellen.

Die Zukunft von Spirit Airlines ist ungewiß. Während das Management optimistisch bleibt, scheint die Konkurrenz bereits die Weichen für ein mögliches Aus der Fluggesellschaft zu stellen. United Airlines hat angekündigt, wichtige Strecken von Spirit zu übernehmen, sollte die Airline den Betrieb einstellen. Die Entwicklungen in den kommenden Monaten werden zeigen, ob Spirit Airlines die Wende schaffen kann oder ob die Prophezeiung von Scott Kirby Realität wird.

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