Die Pauschalreise, lange Zeit als fester Bestandteil des deutschen Reisemarktes etabliert, steht vor neuen Herausforderungen. Während Tui-Chef Ebel auf der Jahrestagung der Reisebürokooperation Best in Kyllini, Griechenland, die Bedeutung der Pauschalreise als „Exportschlager“ betonte, zeigte er sich zugleich besorgt über die Wettbewerbsfähigkeit dieses Reiseformats in Deutschland.
Insbesondere die hohen Kosten und die zunehmende Überregulierung könnten die Attraktivität von Pauschalreisen im Vergleich zu anderen Buchungsformen gefährden. Mit einem klaren Fokus auf neue Märkte in Südamerika und Asien versucht der Konzern, die Dynamik im touristischen Sektor zu nutzen, während er gleichzeitig Lobbyarbeit in Brüssel und Berlin leistet, um die Interessen der Veranstalter zu wahren.
Die Pauschalreise als Exportschlager
Ebel hob hervor, dass die Pauschalreise in Zukunft eine zentrale Rolle in den Aktivitäten von Tui spielen soll, insbesondere durch die Erschließung neuer Quellmärkte. Der Tourismus in Südamerika und Asien wächst schneller als in Europa, und Tui will sich diese Chancen nicht entgehen lassen. Eine zentrale Rolle sollen dabei dynamisch paketierte Pauschalreisen spielen, die über eine zentrale Plattform zusammengestellt und vertrieben werden. Dies könnte die Anpassungsfähigkeit und Attraktivität der Pauschalreise erhöhen und gleichzeitig neue Kundenkreise ansprechen.
In Deutschland jedoch sieht Ebel die Zukunft der Pauschalreise gefährdet. Hohe Kosten und bürokratische Auflagen, die durch EU-Richtlinien verschärft werden könnten, setzen den Reiseveranstaltern zu. Ebel beziffert den Preisnachteil für Pauschalreisen aufgrund bürokratischer Vorgaben auf drei bis fünf Prozent. Diese Belastungen, so Ebel, sind eine ernsthafte Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Online-Portalen, die flexiblere Buchungsoptionen anbieten.
Lobbyarbeit in Brüssel und Berlin
Um den Herausforderungen zu begegnen, engagiert sich Tui aktiv in der Politik. Ebel und sein Team setzen sich dafür ein, dass die Reform der Pauschalreiserichtlinie nicht zu zusätzlichen Verpflichtungen für die Veranstalter führt. Zu den Themen, die er als besonders wichtig erachtet, zählt die Verhinderung von Brüsseler Plänen, die Ereignisse am Wohnort der Kunden in den Geltungsbereich der Richtlinie einzubeziehen.
Ein weiteres heiß diskutiertes Thema ist die Absicherungspflicht für Einzelleistungen, die Tui als „ein Thema unter vielen“ abtut, das nicht im Vordergrund stehen sollte. Gerüchte, die besagen, unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema hätten den Austritt von Tui aus dem Deutschen Reiseverband (DRV) verursacht, weist Ebel vehement zurück.
Der DRSF und seine Bedeutung
Ein weiteres zentrales Thema für Ebel ist der Deutsche Reise-Sicherungsfonds (DRSF). Der DRSF verpflichtet Tui dazu, neun Prozent ihres Pauschalreiseumsatzes als Sicherheit zu hinterlegen und jährlich ein Prozent als Beitrag zu zahlen. Ebel erklärt, dass das Fondsvolumen ausreichend gewachsen sei, um auf den Jahresbeitrag künftig verzichten zu können. Er appelliert an die touristischen Verbände, sich dafür einzusetzen, dass sich die Bedingungen für die Veranstalter verbessern.
Sein eindringlicher Appell, dass sich in dieser Hinsicht etwas ändern müsse, um die Pauschalreise nicht zum Ladenhüter werden zu lassen, unterstreicht die Dringlichkeit der Problematik. Die Beliebtheit der Pauschalreise nimmt international zu, während in Deutschland die Herausforderungen wachsen.