Die Urlaubsfreude vieler Reisender könnte schon bald getrübt werden: Bei Discover Airlines, dem Ferienflieger der Lufthansa, stehen die Zeichen auf Streik. Nachdem die Mitglieder der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit (VC) in getrennten Urabstimmungen mit überwältigender Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben, könnte es in Kürze zu erheblichen Störungen im Flugbetrieb kommen.
Ein konkreter Streiktermin wurde zwar bislang nicht bekannt gegeben, doch die Gewerkschaften bereiten sich darauf vor, die Belegschaft im Bedarfsfall in den Ausstand zu rufen. Dies könnte die Reisepläne tausender Passagiere während der Urlaubszeit erheblich beeinträchtigen.
Konflikt um Tarifverträge: Gewerkschaften wollen eigene Vereinbarungen durchsetzen
Der zentrale Streitpunkt zwischen den Gewerkschaften und Discover Airlines liegt in den Tarifverträgen. Die Vereinigung Cockpit, die die Interessen der Piloten vertritt, und Ufo, die Gewerkschaft für Flugbegleiter, wollen eigene Tarifwerke durchsetzen und die bestehenden Vereinbarungen der Konkurrenzgewerkschaft Verdi ablösen. Verdi hatte in der Vergangenheit bereits Tarifverträge mit dem Unternehmen abgeschlossen, die jedoch bei Ufo und VC auf Ablehnung stoßen. Diese beiden Spartengewerkschaften sehen darin einen Versuch des Arbeitgebers, sich genehme Tarifpartner auszuwählen und so die Interessen der Belegschaft zu schwächen.
Marcel Gröls, Tarifexperte der Vereinigung Cockpit, betont die Bedeutung der Arbeitnehmerrechte in diesem Konflikt: „Das Grundgesetz gibt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Unternehmens das Recht, selbst zu entscheiden, von wem sie sich vertreten lassen. Die Mitglieder der Vereinigung Cockpit haben mit deutlicher Mehrheit entschieden, dass Sie es nicht hinnehmen werden, dass die Arbeitgeberseite über ihre Köpfe hinweg Tarifverträge mit einer ihr genehmen Gewerkschaft abschließt.“
Hohe Zustimmung für Streiks: Gewerkschaften mobilisieren ihre Mitglieder
Die deutlichen Ergebnisse der Urabstimmungen zeigen, dass die Stimmung unter den Beschäftigten von Discover Airlines klar für einen Streik spricht. Bei Ufo votierten beeindruckende 91,8 Prozent der Teilnehmer für Arbeitskampfmaßnahmen, während bei der Vereinigung Cockpit 81 Prozent der Piloten ebenfalls für einen Streik stimmten. Diese starke Zustimmung verleiht den Gewerkschaften Rückenwind und erhöht den Druck auf Discover Airlines, in den Verhandlungen Zugeständnisse zu machen.
Sollten die Streiks tatsächlich umgesetzt werden, könnten sie erheblichen Einfluss auf den Flugbetrieb der Airline haben. Discover Airlines, die aktuell mit 27 Flugzeugen von den Drehkreuzen München und Frankfurt aus verschiedene Ferienziele in Europa und Übersee anfliegt, könnte gezwungen sein, zahlreiche Flüge zu streichen oder zu verschieben. Die geplante Expansion der Flotte auf 33 Flugzeuge bis 2027 könnte zudem ins Stocken geraten, sollten die Arbeitskämpfe länger andauern.
Besonders brisant ist die geplante Abstimmung der Streikmaßnahmen zwischen den Piloten und den Flugbegleitern. Beide Berufsgruppen wollen ihre Aktionen so koordinieren, dass der Druck auf das Unternehmen maximiert wird. Diese Taktik, die eine erhebliche Störung des Flugbetriebs zur Folge haben könnte, zeigt die Entschlossenheit der Gewerkschaften, ihre Ziele durchzusetzen. Hinzu kommt, dass auch Solidaritätsstreiks bei der weitaus größeren Muttergesellschaft Lufthansa nicht ausgeschlossen werden. Dies könnte den Konflikt auf eine neue Ebene heben und die Auswirkungen weit über die Grenzen von Discover Airlines hinaus spürbar machen.
Discover Airlines hat sich bislang nicht detailliert zu den Drohungen der Gewerkschaften geäußert, was darauf hindeutet, dass hinter den Kulissen intensiv verhandelt wird. Auch Lufthansa, als Muttergesellschaft von Discover Airlines, dürfte die Entwicklungen mit großer Sorge verfolgen. Solidaritätsstreiks bei Lufthansa selbst könnten den Flugverkehr in einem viel größeren Ausmaß beeinträchtigen und zu einem ernsthaften Problem für das Unternehmen werden, das sich ohnehin mit den Nachwirkungen der Corona-Pandemie und dem Druck steigender Betriebskosten auseinandersetzen muss.
Was die Zukunft bringt: Ein unsicheres Szenario für Passagiere und Unternehmen
Für die Passagiere von Discover Airlines ist die aktuelle Situation äußerst beunruhigend. Unbefristete Streiks könnten in den kommenden Wochen und Monaten jederzeit beginnen, und es ist unklar, wie lange die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und dem Unternehmen andauern werden. Reisende, die ihre Flüge mit Discover Airlines geplant haben, sollten die Entwicklungen genau beobachten und sich auf mögliche Änderungen einstellen. Für das Unternehmen selbst könnte ein Streik erhebliche finanzielle Verluste bedeuten, die nicht nur die aktuelle Geschäftstätigkeit, sondern auch die zukünftige Expansion gefährden könnten.
Der Tarifkonflikt bei Discover Airlines ist ein Beispiel für die zunehmenden Spannungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in der Luftfahrtbranche. Die Entschlossenheit der Vereinigung Cockpit und Ufo, ihre eigenen Tarifverträge durchzusetzen, zeigt, dass die Arbeitnehmer bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen. Ob dies in einem langfristigen Streik mündet oder doch noch eine Einigung erzielt wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die kommenden Wochen für Discover Airlines und ihre Passagiere von großer Unsicherheit geprägt sein werden.