Der österreichische Seilbahnhersteller Doppelmayr hat den bedeutenden Auftrag für das Design, die Konstruktion und die Inbetriebnahme der neuen Cablebus-Linie 5 in Mexiko-Stadt erhalten. Mit einer Gesamtlänge von 15,2 Kilometern wird dieses Infrastrukturprojekt nach seiner Fertigstellung die längste urbane Seilbahnlinie der Welt sein.
Die Regierung der mexikanischen Metropole investiert insgesamt 7,9 Milliarden mexikanische Pesos, was etwa 372 Millionen Euro entspricht, in dieses strategische Vorhaben. Ziel der neuen Linie ist es, die Mobilität in den stark frequentierten Stadtbezirken Alvaro Obregon, Magdalena Contreras und Benito Juarez grundlegend zu verbessern. Das System ist darauf ausgelegt, bis zu 3.000 Passagiere pro Stunde und Richtung zu befördern, wodurch die Reisezeiten für die Anwohner um mehr als 50 Prozent verkürzt werden sollen. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2028 geplant. Das Projekt markiert einen weiteren Meilenstein in der Zusammenarbeit zwischen dem österreichischen Weltmarktführer und der mexikanischen Hauptstadt, die bereits seit 2021 erfolgreich in den Ausbau des Seilbahnnetzes investiert. Durch die Integration in das bestehende Nahverkehrsnetz, insbesondere durch den Anschluss an die Metrostation Mixcoac, wird die intermodale Vernetzung im Westen der Millionenmetropole signifikant gestärkt.
Technische Spezifikationen und infrastrukturelle Bedeutung
Die technische Komplexität der Cablebus-Linie 5 spiegelt sich in ihren Leistungsdaten wider. Auf der 15,2 Kilometer langen Strecke werden insgesamt 12 Stationen errichtet. Um den kontinuierlichen Passagierfluss zu gewährleisten, kommen 462 Kabinen zum Einsatz, die jeweils Platz für zehn Personen bieten. Getragen wird das System von 114 Stützen, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Die Anlage ist als kuppelbare Einseilumlaufbahn konzipiert, was eine hohe Flexibilität im Betrieb ermöglicht. Die Strecke ist in fünf Sektionen unterteilt, bestehend aus drei Hauptlinien und zwei Abzweigungen, um eine optimale Erschließung der dicht besiedelten Gebiete zu garantieren.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Technologie im urbanen Raum ist der geringe Platzbedarf am Boden. Da sich die Infrastruktur weitgehend in der zweiten Ebene abspielt, müssen im Vergleich zu konventionellen Straßen- oder Schienenprojekten deutlich weniger Flächen erworben oder enteignet werden. Dies reduziert die Baukosten und beschleunigt die Genehmigungsverfahren erheblich. Das System ist zudem so ausgelegt, dass es auch unter schwierigen Wetterbedingungen einen stabilen Betrieb aufrechterhalten kann. Die Kabinen sind barrierefrei gestaltet, um allen Bevölkerungsgruppen einen komfortablen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr zu ermöglichen.

Integration in das Mobilitätsnetzwerk der Metropole
Die neue Linie 5 ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer umfassenden Strategie zur Modernisierung des öffentlichen Personennahverkehrs in Mexiko-Stadt. Durch die direkte Verbindung zur Metrostation Mixcoac, an der sich die Linien 7 und 12 kreuzen, entsteht ein leistungsfähiger Knotenpunkt. Pendler können so effizient zwischen der Seilbahn und dem unterirdischen Schienennetz wechseln, was die Attraktivität des gesamten Systems steigert. Doppelmayr implementiert hierbei modernste Überwachungs- und Sicherheitssysteme, um eine maximale Verfügbarkeit der Anlage zu garantieren.
Die bisherigen Erfahrungen mit den Linien 1 und 3 des Cablebus haben gezeigt, dass Seilbahnen in topografisch anspruchsvollen oder dicht bebauten Städten eine effiziente Abkürzung über verstopfte Hauptverkehrsstraßen bieten. Mit der Fertigstellung der Linie 5 wird das Seilbahnnetz in Mexiko-Stadt auf eine Gesamtlänge von über 50 Kilometern anwachsen. Schätzungen gehen davon aus, dass künftig täglich mehr als 350.000 Menschen dieses Transportmittel nutzen werden. Diese Entwicklung unterstreicht den Wandel der Seilbahn von einem reinen Wintersportgerät hin zu einer anerkannten Lösung für den urbanen Massentransport.
Wirtschaftliche Effizienz und operative Vorteile
Neben der Zeitersparnis für die Nutzer stehen bei der Cablebus-Linie 5 auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund. Seilbahnsysteme zeichnen sich durch vergleichsweise niedrige Betriebskosten aus. Der elektrische Antrieb der Gondeln ermöglicht eine hohe Energieeffizienz bei gleichzeitig hoher Förderleistung. Im Vergleich zum Ausbau von Tunneln oder Hochstraßen sind die Investitionskosten pro Kilometer deutlich geringer. Dies macht das System besonders für Metropolen in Schwellenländern attraktiv, die vor der Herausforderung stehen, in kurzer Zeit leistungsfähige Infrastrukturen für eine wachsende Bevölkerung bereitzustellen.
Doppelmayr nutzt bei diesem Projekt seine über 130-jährige Erfahrung im Maschinen- und Anlagenbau. Die in Mexiko-Stadt eingesetzte Technologie basiert auf bewährten Standards, die für den intensiven Dauerbetrieb in einer Großstadt optimiert wurden. Die hohe Zuverlässigkeit des Systems ist entscheidend, um die Akzeptanz in der Bevölkerung langfristig zu sichern. Das Unternehmen hat in Mexiko bereits diverse Projekte realisiert, darunter den Cable Liner Aerotren am internationalen Flughafen von Mexiko-Stadt sowie touristische Anlagen an der Küste. Auch im industriellen Bereich ist die Gruppe mit dem Ropecon-System für den Materialtransport präsent.

Zukunftsausblick und regionale Expansion
Der Erfolg der Seilbahnprojekte in der mexikanischen Hauptstadt strahlt bereits auf andere Regionen aus. Aktuell befindet sich eine weitere Anlage von Doppelmayr in Uruapan im Bundesstaat Michoacan im Bau. Die Entscheidung für die Linie 5 festigt die Marktführerschaft des österreichischen Konzerns in Lateinamerika. Die Region gilt als Vorreiter für den Einsatz von urbanen Seilbahnen, da viele Städte mit ähnlichen geografischen und verkehrstechnischen Problemen wie Mexiko-Stadt zu kämpfen haben.
Für Doppelmayr stellt der Auftrag über 7,9 Milliarden Pesos eine Bestätigung der gewählten Unternehmensstrategie dar. Durch die Kombination aus technologischer Innovation und lokaler Präsenz konnte sich das Unternehmen gegen internationale Konkurrenz durchsetzen. Die Fertigstellung im Jahr 2028 wird nicht nur einen Weltrekord für die längste Linie markieren, sondern auch als Referenzprojekt für künftige urbane Mobilitätslösungen weltweit dienen. Die kontinuierliche Investition in Sicherheit, Kapazität und Schnelligkeit macht die Seilbahn zu einem zentralen Baustein in der Verkehrsplanung moderner Megacitys, die ihre Infrastruktur effizient und kostengünstig erweitern müssen.