Die Modernisierung des amerikanischen Flugverkehrskontrollsystems (atc) steht vor einem signifikanten finanziellen Hindernis. Sean Duffy, Leiter des us-amerikanischen Verkehrsministeriums (dot), warnte eindringlich davor, dass der Kongress zusätzlich zu den bereits genehmigten 12,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025 weitere 19 bis 20 Milliarden Dollar bewilligen müsse, bevor mit der vollständigen Überholung des in die Jahre gekommenen atc-Netzwerks begonnen werden könne.
Die bereits zugesagten Mittel seien lediglich eine Anzahlung für das milliardenschwere Infrastrukturprojekt. Die dringende Notwendigkeit dieser Modernisierung wurde durch den erwarteten Passagierandrang während der Thanksgiving-Feiertage am 25. November 2025 am Newark Liberty International Airport (ewr) erneut unterstrichen. Duffy betonte, dass das aktuelle System, das teilweise noch auf jahrzehntealter Technologie wie Disketten und Papierstreifen basiere, dem rasant wachsenden Verkehrsaufkommen und den Anforderungen neuer Technologien wie eVTOLs (elektrische Senkrechtstarter) nicht gewachsen sei.
Der finanzielle Engpass: 19 Milliarden Dollar fehlen
Die Vereinigten Staaten stehen vor der größten Modernisierung ihres Luftverkehrskontrollsystems seit den 1960er-Jahren. Der Plan, der im Mai 2025 von der Trump-Administration angekündigt wurde, sieht den Bau von sechs neuen atc-Zentren und 15 neuen Towers mit angegliederten tracons (Terminal Radar Approach Control Facilities) vor. Die oberste Priorität ist jedoch die umfassende Modernisierung der bestehenden Netzwerke von Radaranlagen, Funkgeräten, Überwachungs- und Automatisierungssystemen.
Sean Duffy machte am Flughafen Newark deutlich, dass der Prozess ohne die vollständige Finanzierung nicht anlaufen könne: „In der Big Beautiful Bill haben wir 12,5 Milliarden Dollar erhalten, um den Prozess zu starten. Wir benötigen weitere 19 bis 20 Milliarden Dollar, um den Prozess abzuschließen. Wir können den Prozess nicht starten, bis der Kongress uns das Geld gibt. Also warten wir.“
Diese Aussage beleuchtet eine kritische Herausforderung in der us-amerikanischen Infrastrukturpolitik: Trotz parteiübergreifender Erkenntnis über die Notwendigkeit der Modernisierung und des Wissens um das Risiko von Systemausfällen, das mit der veralteten Technologie verbunden ist, zögert der Kongress mit der Freigabe der vollständigen Mittel. Duffy warnte, dass ohne die Investition die Annahme, es werde keine vermehrten Flugverspätungen oder Ausfälle geben, „absurd“ sei, insbesondere angesichts des prognostizierten Wachstums durch neue Luftraumteilnehmer wie Flugtaxis und Drohnen.
Veraltete Infrastruktur als Betriebsrisiko
Duffy wies erneut auf den alarmierenden Zustand der aktuellen atc-Infrastruktur hin, die teils auf jahrzehntealter Technologie basiert, die in der modernen IT-Welt als obsolet gilt. Die Nutzung von Disketten, Papierstreifen und anderen überholten Komponenten stellt ein permanentes Betriebsrisiko dar.
Die Dringlichkeit wurde durch jüngste Ereignisse unterstrichen. Obwohl der Newark Liberty International Airport (ewr) dank schneller Reaktion von dot, FAA und Vertragsfirmen nach zwei kurzen atc-Ausfällen im Frühjahr 2025 (bei denen Radarsysteme für rund 90 Sekunden ausfielen) nun als pünktlichster Flughafen in der Region New York City gilt, sind diese Vorfälle klare Warnzeichen für die Anfälligkeit des Systems.
Bryan Bedford, FAA Administrator, verglich die erwartete Spitzenbelastung während der Feiertage mit dem „Super Bowl“ und betonte, dass die FAA sich zwar auf die Systemzuverlässigkeit und die Vorbereitung auf die nächste Ära des Verkehrswachstums konzentriere, der langfristige Erfolg jedoch von der Ersetzung der alternden Infrastruktur abhänge. Kurzfristige Maßnahmen wie die Verbesserung des Personalbestands in den Towern und die Anpassung der Dienstpläne seien lediglich temporäre Lösungen, bis der umfassende Modernisierungsplan in Angriff genommen werden könne.
Unbekannte Faktoren und der Stillstand bei Auftragsvergabe
Die Verzögerung der Modernisierung ist nicht nur ein reines Finanzproblem. Branchenvertreter weisen darauf hin, dass auch Arbeitskräfte, Ausrüstung und die Qualifikation von Auftragnehmern wichtige Unbekannte im gesamten Prozess bleiben. Trotz der offensichtlichen Notwendigkeit und der angeblichen parteiübergreifenden Unterstützung betonte Duffy, dass das Zeitfenster für entschlossenes Handeln jetzt sei.
Hinzu kommt, dass die FAA zwar in den finalen Phasen der Auswahl eines Hauptintegrators (prime integrator) zur Leitung des gesamten Modernisierungsprogramms stehe, der Vertrag aber erst nach Freigabe der Mittel vergeben werden könne. Bis dahin, so Duffy, werde das bereits bewilligte Geld „ungenutzt bleiben“.
Die Verweigerung der vollständigen Finanzierung durch den Kongress hat somit weitreichende Konsequenzen: Sie verzögert nicht nur die technologische Erneuerung und erhöht das Ausfallrisiko des atc-Systems, sondern verhindert auch die Anpassung der Luftraumkontrolle an die zukünftigen Anforderungen durch die Integration neuer Fluggeräte wie eVTOLs, die eine gänzlich neue und dynamischere Steuerung erfordern. Die Zukunft des us-amerikanischen Luftverkehrs hängt nun entscheidend davon ab, ob und wann der Kongress die notwendigen Milliarden freigeben wird.