Die staatliche Nepal Oil Corporation (NOC) hat mit Wirkung ab Dienstag Mitternacht eine massiv gestiegene Preisstruktur für Flugkraftstoff im internationalen Sektor eingeführt. Die Erhöhungen belaufen sich in der Spitze auf bis zu 117,4 Prozent und treffen die Luftfahrtbranche in einer sensiblen Phase.
Als Hauptgrund für diesen drastischen Schritt nennt die NOC die prekäre Finanzlage gegenüber der Indian Oil Corporation (IOC), die als Alleinlieferant für das Binnenland fungiert. Um ausstehende Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu begleichen und die Versorgungssicherheit für den kommenden Zeitraum zu garantieren, sah sich die staatliche Monopolgesellschaft gezwungen, die Tarife unmittelbar anzupassen.
Die neuen Preisaufschläge sind geografisch gestaffelt und treffen vor allem die neueren internationalen Flughäfen des Landes hart. Während der Preis am Tribhuvan International Airport in der Hauptstadt Kathmandu um 84,7 Prozent steigt, verzeichnen die Standorte Pokhara und Bhairahawa Zuwächse von 116,2 bzw. 117,4 Prozent. Diese regionalen Unterschiede resultieren primär aus den hohen Logistikkosten für den Transport des Treibstoffs per Tanklaster über das schwierige Gebirgsterrain Nepals. Da das Land über keine eigenen Ölreserven oder Raffinerien verfügt, ist es vollständig von Importen aus Indien abhängig, was die heimische Preisgestaltung direkt an die Lieferbedingungen des Nachbarstaates bindet.
Branchenexperten warnen bereits vor den Auswirkungen auf den internationalen Flugverkehr und den für Nepal lebenswichtigen Tourismussektor. Viele ausländische Fluggesellschaften prüfen nun, ob sie die zusätzlichen Kosten über Treibstoffzuschläge an die Passagiere weitergeben oder ihre Tankstopps in das günstigere Ausland verlagern. Besonders betroffen ist der Gautam Buddha International Airport in Bhairahawa, der ohnehin mit einer geringen Auslastung kämpft und durch die massiv gestiegenen Betriebskosten weiter an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber regionalen Alternativen verlieren könnte. Die nepalesische Luftfahrtbehörde befürchtet zudem, dass einige Carrier ihre Frequenzen nach Nepal reduzieren könnten, sollte das Preisniveau dauerhaft auf diesem Rekordwert verbleiben.
Hinter der Entscheidung steht auch ein strukturelles Problem der nepalesischen Wirtschaft, die durch schwindende Devisenreserven und eine hohe Importabhängigkeit unter Druck steht. Die NOC operiert seit geraumer Zeit mit hohen Defiziten, da die Verkaufspreise im Inland oft unter den Einkaufspreisen auf dem Weltmarkt lagen. Mit der aktuellen Anpassung für den internationalen Luftverkehr versucht der Staat, die finanzielle Last auf externe Akteure zu verlagern, um die inländischen Subventionen für Benzin und Diesel für die eigene Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Analysten beobachten nun genau, wie die indische Regierung auf die finanziellen Engpässe des Nachbarn reagiert, da die Stabilität der Energieversorgung in der Himalaya-Region von hoher geopolitischer Bedeutung ist.