Ein beispielloser Sicherheitsvorfall am Ben Gurion International Airport (TLV) in Tel Aviv hat weltweit Besorgnis ausgelöst und die Effektivität eines der angeblich strengsten Flughafensicherheitssysteme der modernen Luftfahrtindustrie in Frage gestellt. Ein dreizehnjähriger Jugendlicher schaffte es Anfang letzter Woche, sämtliche Sicherheitsschleusen und die Grenzkontrolle zu umgehen und unbemerkt an Bord eines El Al-Fluges in die Vereinigten Staaten von Amerika zu gelangen.
Obwohl das Kabinenpersonal den blinden Passagier vor dem Abflug nach New York (JFK) entdeckte und den Abflug des Flugzeugs verhinderte, wird der Vorfall von israelischen Offiziellen als „Versagen mehrerer Behörden“ untersucht. Die Tatsache, dass ein Minderjähriger die als nahezu undurchdringlich geltenden Kontrollen umgehen konnte, unterstreicht potenzielle Sicherheitslücken in einem System, das bislang für seine strikten Verfahren und seine Erfolgsbilanz im Kampf gegen terroristische Bedrohungen bekannt war.
Alarmierender Vorfall auf dem Weg nach New York
Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Dienstag auf einem der täglichen El Al-Flüge von Tel Aviv zum John F. Kennedy International Airport in New York. Die Fluggesellschaft bedient diese wichtige internationale Route mehrmals täglich, wobei Daten von Luftfahrtanalysediensten zufolge drei tägliche Flüge angeboten werden, die hauptsächlich mit Maschinen des Typs Boeing 787 Dreamliner durchgeführt werden. Die Flugzeit beträgt in der Regel etwa zwölf Stunden.
Laut Medienberichten gelang es dem dreizehnjährigen Jungen, sich durch die verschiedenen Kontrollpunkte am Flughafen zu schleichen. Er soll sich dabei eng an Erwachsene gehalten haben, um nicht aufzufallen und die Sicherheits- und Passkontrollen zu passieren. Nachdem er erfolgreich den luftsicherheitsrelevanten Bereich erreicht hatte, soll der Jugendliche sogar Zeit im Duty-Free-Bereich verbracht haben, bevor er sich Zugang zu der für die USA bestimmten Boeing 787-9 Dreamliner verschaffte.
Das Kabinenpersonal bemerkte den Jungen schließlich kurz vor dem geplanten Start. Er saß auf einem für die Besatzung vorgesehenen Sitz, und seine Bewegungen zwischen leeren Sitzen hatten die Aufmerksamkeit des Teams erregt. El Al bestätigte den Vorfall in einer Stellungnahme: „Die Flugbesatzung sah einen Jungen, der ohne Flugschein oder Reisepass an Bord des Flugzeugs gegangen war, nachdem er alle Sicherheits- und Grenzkontrollschritte am Ben Gurion passiert hatte. Der Junge wurde sicher aus dem Flugzeug entfernt.“ Nach seiner Entdeckung wurde der Jugendliche, der Berichten zufolge vor dem Hintergrund eines elterlichen Sorgerechtsstreits gehandelt haben soll, seiner Mutter übergeben.
Versagen in einem Hochsicherheitssystem
Der Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv gilt international als einer der Flughäfen mit den strengsten Sicherheitsprotokollen weltweit. Diese Protokolle, die auf einer tiefgehenden Befragung der Passagiere und dem Einsatz verschiedener Kontrollstufen basieren, haben dazu geführt, dass der Flughafen seit 45 Jahren keine Todesopfer durch Terroranschläge im Terminalbereich zu beklagen hatte. Die Sicherheitsverfahren beginnen dabei nicht erst an der eigentlichen Sicherheitskontrolle, sondern bereits am Check-in-Schalter, wo Passagiere ersten Befragungen unterzogen werden, bevor Gepäckkontrollen und die obligatorische Passkontrolle mit biometrischen Verfahren folgen. Flüge in die Vereinigten Staaten unterliegen dabei oft zusätzlichen Überprüfungen durch US-Behörden.
Das erfolgreiche Umgehen dieser mehrstufigen Kontrollen durch einen Minderjährigen ohne gültige Dokumente wird von israelischen Offiziellen scharf kritisiert und hat eine umfassende Untersuchung des Vorfalls zur Folge. Die Untersuchung soll klären, an welchen Stellen genau die Sicherheitskette unterbrochen wurde und welche behördlichen Versäumnisse zu diesem „Multi-Agency Failure“ geführt haben. Die Leichtigkeit, mit der der Junge, indem er sich an erwachsene Passagiere hielt, die Kontrollen durchquerte, deutet auf eine Schwachstelle in der visuellen Überwachung und der strikten Dokumentenkontrolle hin, insbesondere in Bereichen, in denen große Menschenmengen abgefertigt werden.
Kontroversen um Sicherheitsmethoden und Profiling
Die Sicherheitsverfahren am Flughafen Tel Aviv sind zwar für ihre Wirksamkeit bekannt, stehen jedoch auch immer wieder im Zentrum internationaler Kontroversen. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft den intensiven Einsatz von menschlichen Faktoren und sogenannten risikobasierten Ansätzen in der Passagierkontrolle, der von Kritikern als rassistische Profilerstellung ausgelegt wird.
Berichten zufolge beklagen Kritiker, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen, insbesondere Araber und Palästinenser, unverhältnismäßig häufig für zusätzliche, intensivierte Kontrollen ausgewählt werden. Diese Praktiken werden von den israelischen Behörden als ein notwendiges risikobasiertes Vorgehen zur Abwehr spezifischer Bedrohungen verteidigt, während Kritiker darin eine diskriminierende Behandlung sehen. Die Sicherheitsstrategie des Flughafens basiert auf einer umfassenden Risikobewertung jedes einzelnen Reisenden und nutzt dabei eine Kombination aus technologischer Überwachung und der psychologischen Beobachtung von Passagieren. Unabhängig von den unterschiedlichen Bewertungen dieser Methoden zeigt der aktuelle Fall des blinden Passagiers, dass selbst das strengste Sicherheitssystem nicht immun gegen kreative Umgehungsversuche und menschliches Versagen ist, was eine Neubewertung der operativen Abläufe erforderlich machen könnte.
Der Vorfall in Tel Aviv reiht sich in eine Kette ähnlicher Ereignisse an internationalen Flughäfen ein, bei denen blinde Passagiere entdeckt wurden, auch wenn der Kontext der Umgehung eines Hochsicherheitsflughafens hier eine besondere Brisanz besitzt. Die Luftfahrtindustrie weltweit ist gefordert, ihre Verfahren regelmäßig zu überprüfen, um der sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungslage – sei es durch Terrorismus oder durch das Einschleusen unautorisierter Personen – entgegenzuwirken. Die Aufklärung dieses Vorfalls wird zeigen, welche konkreten Anpassungen am Ben Gurion International Airport vorgenommen werden müssen, um die hochgelobte Sicherheitsbilanz auch in Zukunft zu gewährleisten.