Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat eine Dringlichkeitsanweisung zur Lufttüchtigkeit erlassen, die eine sofortige und umfassende Inspektion aller Rolls Royce Trent XWB97-Triebwerke fordert, die in den Airbus A350-1000-Flugzeugen weltweit verbaut sind.
Dieser Schritt erfolgte nach einem schwerwiegenden Zwischenfall am 2. September 2024, bei dem ein Airbus A350-1000 der Cathay Pacific während eines Flugs von Hongkong nach Zürich ein Triebwerk in der Luft abschalten musste, nachdem ein Feuer ausgebrochen war. Die Ursache des Vorfalls wurde auf ein defektes Bauteil im Kraftstoffverteiler zurückgeführt, was nun eine intensive Inspektion sämtlicher betroffener Triebwerke erfordert.
Der Airbus A350-1000 mit der Registrierung B-LXI war auf dem Weg von Hongkong nach Zürich, als die Besatzung ein Feuer in einem der beiden Rolls Royce Trent XWB97-Triebwerke bemerkte. Sofort leitete die Crew Maßnahmen ein, das Triebwerk abzuschalten und das Feuer zu löschen. Dank des professionellen Handelns der Piloten konnte die Maschine sicher nach Hongkong zurückkehren und dort notlanden. Verletzt wurde niemand. Die Ursache des Vorfalls wurde schnell identifiziert: Ein beschädigter Haupttreibstoffschlauch am Verteiler führte zu dem Brand.
Dieser Vorfall sorgte für erhebliche Bedenken in der Luftfahrtindustrie, insbesondere bei den Betreibern der A350-1000-Flugzeuge. Rolls Royce Trent XWB97-Triebwerke gelten als fortschrittlich und zuverlässig, doch die Entdeckung eines derart kritischen Defekts setzte eine Kettenreaktion in Gang.
EASA reagiert mit Inspektionspflicht
Die EASA reagierte umgehend und erließ eine Dringlichkeitsanweisung, die eine sofortige Inspektion aller Rolls Royce Trent XWB97-Triebwerke vorschreibt. Diese Triebwerke sind in der Airbus A350-1000-Variante verbaut, die bei mehreren Fluggesellschaften weltweit im Einsatz ist. Die Inspektionen müssen bis spätestens 9. Oktober 2024 abgeschlossen sein. Besonders kritisch wird die Lage bei Triebwerken, die entweder mehr als 18.500 Betriebsstunden oder über 2.300 Motorzyklen absolviert haben. Diese müssen innerhalb von nur drei Tagen nach der Anordnung, also bis zum 12. September 2024, überprüft werden. Für alle anderen betroffenen Triebwerke, die weniger beansprucht wurden, gilt eine Frist von sieben Tagen, bis zum 16. September 2024.
Die Inspektionen umfassen eine vollständige Überprüfung der Kraftstoffschläuche und des Verteilers, um sicherzustellen, dass ähnliche Mängel nicht unentdeckt bleiben. Diese Maßnahme betrifft ausschließlich die XWB97-Triebwerke der A350-1000-Variante. Die Rolls Royce Trent XWB84-Triebwerke, die in der kleineren A350-900-Variante verbaut sind, sind von der Anweisung nicht betroffen.
Cathay Pacific und andere betroffene Fluggesellschaften
Cathay Pacific war nach dem Vorfall besonders betroffen, da die Fluggesellschaft 18 Airbus A350-1000 betreibt. Infolgedessen setzte sie alle betroffenen Maschinen sofort außer Betrieb und begann mit den Inspektionen. Einige Flugzeuge wurden nach erfolgreicher Überprüfung bereits wieder in Dienst gestellt, während andere auf den Einbau neuer Ersatzteile warten. Cathay Pacific gab an, dass die betroffenen Bauteile durch Komponenten des Herstellers Parker Aerospace ersetzt werden, dessen Produktionsmethoden nun ebenfalls unter strenger Überprüfung stehen.
Cathay Pacific plant, alle A350-1000-Flugzeuge bis zum 7. September 2024 wieder in den regulären Betrieb zu integrieren, sofern die Inspektionen und Reparaturen erfolgreich abgeschlossen sind.
Weltweite Auswirkungen
Der Zwischenfall und die folgende Dringlichkeitsanweisung der EASA haben weitreichende Folgen für die globale Luftfahrtindustrie. Laut aktuellen Angaben sind weltweit 87 Airbus A350-1000 im Einsatz, die von acht Fluggesellschaften betrieben werden. Qatar Airways besitzt mit 24 Maschinen die größte Flotte, gefolgt von British Airways und Cathay Pacific mit jeweils 18 Flugzeugen. Auch Virgin Atlantic, Japan Airlines, Etihad, Air Caraibes und French Bee sind betroffen.
Insbesondere Qatar Airways, die im Nahen Osten eine bedeutende Rolle im Langstreckenverkehr spielt, und British Airways, die ein wichtiges Drehkreuz in Europa darstellt, sind von den Inspektionen betroffen. Diese Fluggesellschaften müssen sicherstellen, dass ihre Maschinen nach den Inspektionen rasch wieder in Betrieb genommen werden können, um Flugausfälle und damit verbundene wirtschaftliche Verluste zu minimieren.
Rolls Royce unter Druck
Für den britischen Triebwerkshersteller Rolls Royce bedeutet der Vorfall und die folgende EASA-Anweisung einen erheblichen Imageschaden. Rolls Royce Trent XWB-Triebwerke gelten als eine der modernsten und effizientesten Triebwerke der Welt und treiben Flugzeuge wie den Airbus A350-1000 und A350-900 an, die im Langstreckenverkehr wichtige Rollen spielen. Der Hersteller arbeitet eng mit den Fluggesellschaften zusammen, um sicherzustellen, dass die Inspektionen rasch und gründlich durchgeführt werden.
Die genaue Ursache für den Defekt wird derzeit noch untersucht. Parker Aerospace, der Hersteller der fehlerhaften Kraftstoffschläuche, steht ebenfalls im Fokus der Untersuchung. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Produktions- oder Designfehler aufgedeckt werden, die eventuell eine langfristige Neuausrichtung der Wartung und Überwachung dieser Teile erfordern könnten.
Konsequenzen für die Luftfahrtindustrie
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zur Zuverlässigkeit von Komponenten in modernen Flugzeugen auf. Die A350-1000, die als technologisches Vorzeigemodell gilt, geriet durch diesen Vorfall unerwartet in den Fokus sicherheitstechnischer Bedenken. Die EASA und andere Luftfahrtbehörden weltweit werden in Zukunft wahrscheinlich strengere Inspektionsvorgaben erlassen, um sicherzustellen, dass derartige Defekte frühzeitig erkannt und behoben werden.
Für Fluggesellschaften ist es essenziell, schnell auf solche Vorfälle zu reagieren, um das Vertrauen der Passagiere zu bewahren und den sicheren Betrieb der Maschinen zu gewährleisten. Cathay Pacific hat durch schnelles Handeln gezeigt, dass Sicherheit oberste Priorität hat, was in der Luftfahrtbranche entscheidend ist.
Die Dringlichkeitsanweisung der EASA zur Inspektion der Rolls Royce Trent XWB97-Triebwerke markiert einen wichtigen Moment in der modernen Luftfahrt. Der Vorfall bei Cathay Pacific zeigt, dass auch die fortschrittlichsten Technologien nicht fehlerfrei sind und regelmäßige und gründliche Inspektionen notwendig bleiben. Die globalen Auswirkungen auf Fluggesellschaften und Hersteller werden in den kommenden Monaten weiter beobachtet werden müssen, während die vollständigen Untersuchungsergebnisse abgewartet werden.