Hotel-Eingang (Foto: Toni Osmundson/Unsplash).
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Druck im Maschinenraum: Österreichs Hotellerie zwischen Rekordnächtigungen und drohender Investitionsbremse

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Die österreichische Hotellerie steht trotz anhaltend hoher Übernachtungszahlen und eines erwarteten leichten Anstiegs der Nächtigungen vor einer wirtschaftlich hochgradig angespannten Wintersaison 2025/2026. Wie aus der jüngsten Mitgliederbefragung der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) hervorgeht, klafft die Schere zwischen steigenden Betriebskosten und der Zurückhaltung der Gäste bei den Ausgaben immer weiter auseinander.

Dieses Ungleichgewicht droht, die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismuslandes zu schwächen und führt bei vielen Betrieben bereits zu einer spürbaren Investitionszurückhaltung. Die Branche, die für Österreichs Wirtschaft von fundamentaler Bedeutung ist, fordert angesichts dieser Entwicklung von der Politik rasche und tiefgreifende Maßnahmen zur Entlastung von Steuern, Abgaben und Bürokratie, um eine „toxische Melange“ aus Preisdruck und Investitionsstopp abzuwenden.

Die Diskrepanz zwischen Außendarstellung und Betriebswirklichkeit

Die Stimmung in den Hotels selbst ist gespalten: Während der Gast im besten Fall nichts von den finanziellen Nöten des Gastgebers spüren soll, wie ÖHV-Präsident Walter Veit betont, dominieren hinter den Kulissen die Sorgen um die marginale Entwicklung der Erträge. Die Gäste, so die Beobachtung, buchten zwar weiterhin, aber oft kürzer oder in einer günstigeren Kategorie, was auf eine erhöhte Preissensibilität hindeutet.

Die Analyse der ÖHV-Mitgliederbefragung, an der 254 Leitbetriebe aus ganz Österreich teilnahmen, belegt diese Entwicklung mit klaren Zahlen: Für die Wintersaison 2025/2026 wird zwar ein leichtes Nächtigungsplus von durchschnittlich 0,6 Prozent erwartet, doch die Umsätze sollen nur um 2,2 Prozent steigen. Dieser Zuwachs reicht bei weitem nicht aus, um die erwarteten Kostensteigerungen aufzufangen. Zwei Drittel der befragten Hoteliers rechnen mit einem weiteren Anstieg der Ausgaben, primär getrieben durch höhere Kosten für Personal und Wareneinkauf.

Die Folge dieser Kosten-Umsatz-Schere: Drei Viertel der Betriebe sehen sich zwar gezwungen, die gestiegenen Kosten zumindest teilweise an die Gäste weiterzugeben, doch 74 Prozent geben an, dies nur teilweise tun zu können, und 15 Prozent sehen sich gar nicht in der Lage dazu. Dies legt den Schluss nahe, dass ein Großteil der Hoteliers sinkende Margen und damit eine Reduktion der Profitabilität in Kauf nimmt, um im internationalen Preisvergleich konkurrenzfähig zu bleiben.

Tourismus unter Real-Druck: Die Makroökonomische Perspektive

Die betriebswirtschaftlichen Sorgen der Hoteliers werden durch makroökonomische Daten untermauert. Obwohl der österreichische Tourismussektor im Jahr 2024 ein Rekordergebnis bei den Übernachtungen (154,3 Millionen) verzeichnen konnte und auch für 2025 eine Fortsetzung dieses Trends erwartet wird, ist die Freude getrübt.

Eine Analyse der UniCredit Bank Austria zeigt, dass der reale Wert der Tourismuseinnahmen aufgrund der hohen Teuerung deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie liegt. Konkret sanken die preisbereinigten Einnahmen pro Übernachtung in der ersten Jahreshälfte 2025 auf nur noch 85 Prozent des Wertes von 2019. Die Inflation frisst somit den nominalen Erfolg auf. Hohe Kosten, insbesondere für Personal und Energie, führen dazu, dass der Urlaub in Österreich im internationalen Vergleich teurer wird. Dies beeinträchtigt die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Österreichs als Urlaubsdestination, insbesondere im Vergleich zu alternativen Reisezielen.

Das veränderte Gästeverhalten ist eine direkte Konsequenz: Neben der Buchung günstigerer Unterkünfte zeigt sich auch eine Zurückhaltung bei Nebenausgaben für Gastronomie und Freizeitaktivitäten. Laut Branchenbeobachtern sind Gäste in der Gastronomie bewusster und sparsamer im Konsumverhalten, wobei die Qualität und das wahrgenommene Preis-Leistungs-Verhältnis immer mehr an Bedeutung gewinnen, um höhere Ausgaben zu rechtfertigen.

Die toxische Melange: Investitionsstopp und Wettbewerbsverlust

Die direkteste und wohl langfristig schädlichste Auswirkung der angespannten Ertragslage ist die Investitionsbremse. Die ÖHV-Befragung enthüllt, dass 44 Prozent der Betriebe geplante Investitionen verschieben oder sogar streichen. Dies ist eine signifikante Zahl, da Investitionen in die Modernisierung, Digitalisierung und Qualität des Angebots das Rückgrat der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bilden. Nur 47 Prozent der Betriebe halten an ihren ursprünglichen Investitionsplänen fest, während lediglich neun Prozent sie erhöhen.

Veit warnt vor der „toxischen Melange“ aus notwendigen Preiserhöhungen und drohender Investitionszurückhaltung. Wenn Hotels nicht mehr in der Lage sind, ihre Infrastruktur zu erneuern und das Gästeerlebnis zu verbessern, drohen langfristige Qualitätseinbußen und ein Verlust der Attraktivität der Destination Österreich. Die Forderung der ÖHV ist daher klar auf eine sofortige Entlastung der Betriebe ausgerichtet, um die finanzielle Basis für notwendige Investitionen zu sichern.

Die Forderungen an die Politik: Steuerbremse und Bürokratieabbau

Die Österreichische Hotelvereinigung richtet ihre Appelle mit Nachdruck an Bund und Länder und fordert zwei zentrale Handlungsstränge: einen sofortigen Steuer- und Abgabenstopp sowie eine radikale Entbürokratisierung.

Angesichts der hohen Bedeutung des Tourismus für die Volkswirtschaft, welche direkt und indirekt einen erheblichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt leistet und Hunderttausende von Arbeitsplätzen sichert, sieht die Branche die Politik in der Pflicht. Die Bürokratiebelastung wird von der gesamten Tourismus- und Freizeitwirtschaft als massiv empfunden. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) schätzt, dass Tourismusbetriebe durchschnittlich neun Stunden pro Woche für reine Verwaltungsaufgaben aufwenden müssen. Hierzu zählen unter anderem komplexe Vorgaben im Betriebsanlagenrecht, uferlose Dokumentationspflichten und die Handhabung neuer Verordnungen wie der Pfandannahmepflicht für kleine Unternehmen, die zusätzliche Personalkapazitäten und Platzbedarf erfordern.

Die Branche fordert daher die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, die Vereinfachung der Verwaltung und insbesondere die Entlastung im Steuerrecht, um finanzielle Spielräume zu schaffen. Während die Regierung im Rahmen ihres Regierungsprogramms 2025–2029 zwar den Abbau von Bürokratie thematisiert und die Digitalisierung von Steuerprozessen anstrebt, fordern die Verbände deutlich konkretere und schnellere Maßnahmen, die direkt in den Betrieben greifen. Nur durch eine Verbesserung des operativen Umfelds und eine Reduktion der Abgabenlast, so die einhellige Meinung, könne die Wettbewerbsfähigkeit der Hotellerie langfristig gesichert werden, ohne die Gäste mit unzumutbaren Preiserhöhungen zu belasten.

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