Easyjet Europe verkleinert Präsenz am BER deutlich

Airbus A320neo (Foto: V1Images.com/Martin Rogosz).
Airbus A320neo (Foto: V1Images.com/Martin Rogosz).

Easyjet Europe verkleinert Präsenz am BER deutlich

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Die Billigfluggesellschaft Easyjet wird eigenen Angaben nach die Präsenz auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg um rund ein Drittel reduzieren. Hatte man vor der Pandemie in Tegel und Schönefeld noch 34 Flugzeuge stationiert, sollen es künftig nur noch elf Stück am BER sein.

Die Gewerkschaft Verdi ist mit der Verkleinerung des bislang größten deutschen Easyjet-Standorts naturgemäß nicht glücklich. Man spricht von einem “Schlag ins Gesicht der Beschäftigten”. Auch für den defizitären Flughafen Berlin-Brandenburg ist die Entscheidung von Easyjet durchaus problematisch, denn bislang ist Easyjet der größte Anbieter an diesem Airport. Derzeit hat man 18 Airbus-Jets ab dem BER im Einsatz. Mit Beginn der Winterflugplanperiode 2022/23 soll auf elf Maschinen reduziert werden.

Die Folge daraus ist, dass auch Jobs abgebaut werden. Derzeit geht man davon aus, dass etwa 275 Vollzeitstellen in den Bereichen Cockpit und Kabine wegfallen könnten. Entsprechende Gespräche mit der Personalvertretung laufen bereits. Easyjet wuchs im Zuge der Übernahme von ehemaligen Air-Berlin-Slots am Flughafen Berlin-Tegel stark. Bereits zuvor war man mit einer zweistelligen Anzahl von Flugzeugen in Berlin-Schönefeld tätig. Klammheimlich fuhr man die Anzahl der stationierten Maschinen von einst 34 Stück auf nur noch 18 zurück. Bedingt durch die Corona-Pandemie ist die schleichende Verkleinerung kaum aufgefallen, denn der Carrier hat nie wieder die volle Kapazität, die man vor Corona ab der deutschen Bundeshauptstadt hatte, angeboten.

Viele Strecken, darunter unter anderem Wien und Stuttgart, sind bereits weggefallen. Vom zuletzt genannten Airport hat man sich nach dem Vorbild des Mitbewerbers Ryanair Group gänzlich zurückgezogen. Bei Easyjet ist seit einiger Zeit offensichtlich, dass man sich verstärkt auf den Heimatmarkt Vereinigtes Königreich konzentriert und beispielsweise die Präsenz auf dem deutschen Markt zurückfährt. 

Ähnlich wie Ryanair begründet Easyjet die Reduktion der Präsenz mit “zu hohen und steigenden Flughafengebühren”. Auch soll sich in der Bundesrepublik die Nachfrage anders als beispielsweise im Vereinigten Königreich erholen. Es soll wesentlich langsamer voran gehen und die Buchungszahlen sollen unterhalb vergleichbarer Märkte liegen. Nachprüfen lässt sich diese Behauptung aber nicht, denn Mitbewerber wie Lufthansa verzeichnen gänzlich anderes Verhalten seitens der Konsumenten. Möglicherweise könnten sich eher hohe Steuern wie die Luftverkehrsabgabe nachteilig auf die Preisgestaltung von Billigfliegern wie Easyjet, Ryanair oder Wizz Air auswirken. Der zuletzt genannte Carrier hat im Herbst des Vorjahres die einzige Basis, die man in der Bundesrepublik hatte, geschlossen. Man mit den Ergebnissen, die man mit in Dortmund stationierten Flugzeugen erzielt hatte, unzufrieden.

Gewerkschaft Verdi glaubt Easyjet-Argumente nicht

Von einem “Rückzug auf Raten” will man seitens Easyjet Europe aber nichts wissen. Deutschland-Manager Stephan Erler betont, dass man seit 2004 ab der deutschen Hauptstadt tätig ist und auch weiterhin “die beste Auswahl an Destinationen bieten” werde. Allerdings hätten die Nachfrage, die unter den Erwartungen geblieben ist und “hohe Flughafengebühren” den Billigflieger regelrecht zur Verkleinerung der Basis am Flughafen Berlin-Brandenburg gezwungen. Erler ist der Ansicht, dass die bevorstehenden Maßnahmen unausweichlich sind. Man will im Zuge der Gespräche mit der Personalvertretung so viele Jobs wie möglich erhalten, so das Versprechen des Easyjet-Deutschland-Chefs. Die Verkleinerung der BER-Präsenz soll keine Auswirkungen auf das Hangar-Projekt haben. Ab Anfang 2023 sollen im neuen Wartungszentrum auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg Maschinen der Easyjet-Europe-Flotte gewartet werden. 

Seitens der Gewerkschaft Verdi ist man der Ansicht, dass die von der orangefarbenen Fluggesellschaft dargelegten Argumente eher vorgeschoben sein sollen. Die Arbeitnehmervertreter verweisen darauf, dass der BER im Vergleich mit anderen Airports nicht so teuer ist wie von der Airline dargestellt. Auch würde die Nachfrage wieder stark anziehen und auch Easyjet wäre ab Berlin-Brandenburg wieder mit vollen Flugzeugen unterwegs. Es gehe eher darum das Fluggerät ab anderen Airports, beispielsweise ab UK, zum Einsatz zu bringen. Dort könne Easyjet möglicherweise einen höheren Profit erzielen. Die Menschen würden dabei keine Rolle spielen, denn aus Südeuropa stammendes Personal würde weniger Lohn als in Deutschland bekommen. Gegen die geplante Verkleinerung der Easyjet-Basis am BER will Verdi jedenfalls Widerstand leisten. In welcher Form und ob möglicherweise in Form von Streiks steht aber noch nicht fest.

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