Ein Stück Normalität: Im A380 von Frankfurt nach London-Heathrow

Der zum Testflug eingesetzte A380-800 G-XLEF beim reinholen ans Gate E2 in Frankfurt (Foto: Steffen Lorenz).
Der zum Testflug eingesetzte A380-800 G-XLEF beim reinholen ans Gate E2 in Frankfurt (Foto: Steffen Lorenz).

Ein Stück Normalität: Im A380 von Frankfurt nach London-Heathrow

Der zum Testflug eingesetzte A380-800 G-XLEF beim reinholen ans Gate E2 in Frankfurt (Foto: Steffen Lorenz).
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Dicke Wolken hängen an diesem Sonntagmorgen über dem Rhein-Main Airport in Frankfurt, als wie aus dem Nichts die vier majestätisch wirkenden Rolls Royce Trent 900 – Triebwerke des Airbus A380-800 am Horizont erscheinen.

British Airways Flug 902 startete mit einer Verspätung von 47 Minuten am Heimatflughafen London-Heathrow. „Heathrow füllt sich langsam wieder“, informiert Kapitän White mit seiner Lautsprecherdurchsage: „Es gab, wie früher in London, einfach keinen Pushback-Truck, der dieses große Flugzeug pünktlich aus seiner Parkposition herausdrücken konnte, deshalb sind wir ein wenig hinter dem Zeitplan.“ Final erreichte der „Super-Airbus“ um 10:15Uhr mit rund 20 Minuten Verspätung die Parkposition E2 am Terminal 2. „Wir sind froh und freuen uns riesig gemeinsam mit Ihnen nach fast 18 Monaten Pause am Boden heute mit diesem A380 die außergewöhnlich kurze Strecke von Frankfurt nach London zu fliegen.“

Spätestens jetzt wird auch dem letzten Fluggast klar, dass der heutige Flug schon ein wenig besonders ist. Ein kleines Schmunzeln kann ich mir schwer verbergen als der Kapitän im Laufe seiner fast 5 minütigen Ansprache erwähnt, dass er sich heute kaum im Cockpit bewegen kann, da insgesamt 5 Piloten an diesem Tag für diesen Flug geplant und um ihn herum verteilt sind. Daneben befanden sich 18 Flugbegleiter und 2 Techniker an Bord, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Die Anreise

British Airways hat sich dazu entschieden, dass A380 Linientraining auf den Routen London(LHR)-Madrid-London(LHR) – Kurs : BA462&BA463 sowie
London(LHR)-Frankfurt-London(LHR) – Kurs BA902&BA903 durchzuführen. Die Anreise nach Frankfurt lässt sich hierbei auf verschiedene Art und Weisen darstellen. Der Flughafen verfügt mit dem Regional- und Fernbahnhof über eine sehr gute Anbindung mit der Bahn. Die Anreise per Flieger an den größten deutschen Flughafen ist im laufenden Winterflugplan aus allen Himmelsrichtungen möglich. Aus der DACH-Region sind 18 Flughäfen mit regelmäßigen Flügen an Frankfurt angebunden, Madrid ist von 11 Flughäfen aus erreichbar. Für meine persönliche Anreise bot sich allerdings, dank günstigem Einstiegsticket, eine Anreise per ICE an.

Das Boarding

Der Dokumentennachweis kann auf drei verschiedenen Wegen erledigt werden: Variante 1: ermöglicht es vorab von zu Hause aus alles Notwendige über die „Verifly App“ hochzuladen. Sofern dies klappt und man das grüne Häkchen neben seinem Bild sieht, ist eine weitere Kontrolle der Dokumente am Abflugtag nicht mehr notwendig. Variante 2: ist die oftmals gewählte Variante am Check-In-Schalter, wo diese Kontrolle bei der Abgabe von Gepäck durchgeführt wird. Variante 3: ist der Dokumenten-Check am Boarding Gate für Gäste, die mit Handgepäck reisen und ihre Daten vorab nicht in der „Verifly App“ hochgeladen haben.
Das Boarding für die rund 150 Fluggäste an diesem Morgen startete pünktlich und nach den British Airways vorhandenen Boarding Gruppen.

Ich erreichte als vierter Fluggast die Flugzeugtür. Zu meinem persönlichen Erstaunen fand das Boarding in Frankfurt über die vorderste Flugzeugtür statt, was den positiven Nebeneffekt mit sich brachte, dass sowohl ein kurzer Blick über die am Boden geöffnete Tür ins Cockpit möglich war, als auch der kleine „Spaziergang“ von ganz vorn durch die auf diesem Flug gesperrte First Class im A380, vorbei durch die Business Class im Unterdeck in die hintersten Reihen der Economy Class zu meinem Sitz 41A.

Der Sitz / die Kabine

Kommen wir zur vermutlich umfassendsten Schilderung dieses Reports. Der von British Airways an diesem Tag eingesetzte A380-800 verfügt in einer 4-Klassen Bestuhlung über insgesamt 469 Sitze. Von allen vier angebotenen Sitzen / Produkten sind Bilder in der Slideshow vorhanden.

Unterdeck / Hauptdeck:
First Class:
Im vordersten Segment startet die Kabine mit den Reihen 1-4 in einer 1-2-1 Bestuhlung. Diese mutet stilvoll und edel an und ist mit schwarzen Sitzen und in einem cremefarbenen Ton in der Kabine gestaltet. Durch den kleinen Bereich wirkt die Kabine aufgeräumt und individuell. Da immer mehr Fluggesellschaften die Business-Class Kabinen vergrößern, entsteht oftmals der Eindruck von „Massenabfertigung“. Dieses Gefühl entsteht in dieser First Class sicher nicht.

Business Class:
Es folgt eine Bordküche mit der zweiten Einstiegstür sowie der vorderen, prunkvollen Treppe ins Oberdeck des „Riesen-Airbus“, gefolgt von den Business Class Reihen 10-15 in einer 2-4-2 Konfiguration. Als kleine Besonderheit empfand ich hierbei, dass sämtliche NICHT-GANG Plätze(!) entgegen der Flugrichtung – quasi rückwärts sitzend – verbaut worden sind. Dies betrifft alle Fenstersitze A und K der Business Class sowie die Sitze E und F im mittleren Viererblock. ALLE Gangplätze (B und J außen) sowie D und G sind in Flugrichtung (vorwärts) verbaut. Die Business Class Kabine sowie der dazugehörige Sitz kommen in dunklen Grautönen sowie weiß daher, bieten ausreichend Staufächer und Platz zum Arbeiten sowie einen großen Bildschirm. Jeder Sitz lässt sich dabei innerhalb einer Minute problemlos in ein Bett mit einer Liegefläche von 1,83m verwandeln.

Economy Class:
Im Unterdeck folgt im Anschluss die Economy Class in einer 3-4-3 Konfiguration, welche knapp 200 Reisenden Platz bietet. Der Standard-Sitz der Economy Class im A380 ist in hellblau bezogen und mit einer verstellbaren Kopfstütze ausgestattet. Im Vordersitz befindet sich der Bildschirm in „Mini-iPad“ Größe (ca. 8 Zoll) sowie darunter verbaut ein USB-Anschluss und das GamePad. Der Sitzabstand ist mit 76-78cm absolut akzeptabel. Von meinem Knie bis zur Sitztasche lag noch gut eine Hand breit Platz und durch die großen Fenster des A380 wirkt der Raum gefühlt größer.

Oberdeck:
Business Class:

Das Oberdeck besteht zunächst im vorderen Teil aus weiteren Business Class Sitzen. Diese sind allerdings „nur“ 2-3-2 bestuhlt, (Reihen 50-59) wobei auch hier die Fenstersitze entgegen der Flugrichtung angeordnet sind. (A und K) In der Mitte ist lediglich der Sitz E entgegen der Flugrichtung. Alle Gangplätze (B,D,F,J) sind in Flugrichtung ausgerichtet.

Premium Economy Class:
Die Premium Economy Class des A380 in den Sitzreihen 60-68 ist ebenfalls, wie die Business Class 2-3-2 bestuhlt. Neben dem breiteren Sitz für ein wenig mehr Raumgefühl, dem Cocktailtisch in der Mitte der Sitze und dem etwas größeren Bildschirm bietet dieses Produkt insgesamt 96cm Beinfreiheit und eine verstellbare Fußstütze für einen streckenbedingt absolut passablen Aufpreis. Die zusätzlichen Staufächer in den Fensterreihen sind ein weiteres Plus.

Economy:
Die Economy ist im Oberdeck in den Reihen 70-83 untergebracht und lediglich 2-4-2 bestuhlt. Dies bietet den Vorteil, dass man bei einer Reise mit seinem Reisepartner jeweils die Außensitze buchen kann ohne neben einer fremden Person sitzen zu müssen. Desweiteren bieten auch hier die Sitze an den Fenstern die im A380 verbauten zusätzlichen Staufächer, allerdings nur im Oberdeck. Da zum Zeitpunkt der Buchung bereits sämtliche Fensterplätze in der Business Class ausgebucht und reserviert waren sowie das Thema OneWorld Lounge auf BA-Frühflügen ab Frankfurt so ein Thema für sich sind, entschied ich mich für einen Economy Class Sitz am Fenster und in Flugrichtung vorwärts.

Der Flug (inklusive Verpflegung)

Als Luftfahrt-Enthusiast lässt sich eine offensichtliche Tatsache vorweg nehmen: der Flug war viel zu kurz. Auch wenn uns der Flughafen Heathrow nach der Landung zusätzliche 60 Minuten im Airbus A380 „schenkte“, da der zugewiesene Fluggaststeig in London Heathrow technisch ge“resetet“ werden musste, hätte die Reise sehr gern deutlich länger als 75 Minuten in der Luft dauern dürfen. Die an diesem Tag teilweise deutschsprachige Kabinenbesatzung und der lediglich zu etwa einem Viertel belegte A380 mit ausreichend Platz für jedermann weckten das Gefühl einer angenehmen Reise von Anfang bis Ende.
Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich durch das Servicekonzept von British Airways nicht mehr ganz durchblicke. Ich erinnere mich an meine letzten vier Flüge mit British Airways ab/an London City oder Heathrow in den Jahren 2019 und 2020. Zwischenzeitlich hatte BA in der Economy Class auf der Kurzstrecke auf Essen gegen Bezahlung (ich meine, dass es von M&S war) umgestellt. Dies konnte ausschließlich per Karte oder per Avios (die Vielfliegereinheit bei IAG) beglichen werden. Dabei galt die Ausnahme, dass auf allen von British Airways Cityflyer durchgeführten Flügen mit der Embraer weiterhin kostenfreier Service bestand. Deshalb war ich ein wenig erstaunt, als die Crew an diesem Vormittag jeweils einen kostenfreien süßen sowie salzigen Snack verteilte und eine kleine Gratisflasche stilles Wasser siehe Foto). Dies lässt sich jetzt für mich ein wenig schwierig einordnen da ich unsicher bin, ob dies entweder an der Corona-Pandemie derzeit und dem möglichst kurzen Gästekontakt, dem A380-Service-Konzept oder einem Rückzug des „Catering gegen Bezahlung“ liegt. Für den kurzen Flug von unter 1,5 Stunden jedenfalls mehr als ausreichend und eine freundliche Geste.

Das Entertainment (inkl. Wifi)

British Airways bietet auf dem A380 ein sehr umfangreiches Entertainment-Programm nach aktuellem Branchenstandard. Die Auswahloption „aktuelle Filme“ enthielt dabei auch Filmtitel aus dem Jahr 2021 bspw. Cash Truck (Original Titel – „Wrath of Man“) und verdient daher auch die Bezeichnung aktuell. Wifi wird an Bord angeboten und funktionierte am Testtag auch. Die Preise werden wie üblich nach verschiedenen Paketen festgelegt und laufen unter dem Service „air“. Zusätzlich gibt es natürlich Serien, Musik, Spiele und Infotainment-Inhalte welche über die kostenfreien Kopfhörer und den Monitor im Vordersitz abgerufen werden können.

Das „Air“-Portal auf dem eigenen mobilen Endgerät enthält zusätzlich ebenfalls zahlreiche Features und zeigt neben der Flughöhe und Geschwindigkeit auch weitere Informationen rund um den Flug an. Die Verbindung war während des gesamten Fluges stabil. Die Steckdosen unter dem Sitz waren jeweils ab dem Erreichen von 10000 Fuß ein/ausgeschaltet worden.

Screenshot des BA Wifi Services „Air“ welcher an Bord auf dem eigenen Endgerät gegen Gebühr – nutzbar ist (Foto: Steffen Lorenz).

Der Preis

Auf dem Flug von Frankfurt nach London bot British Airways am Testtag analog dem Konzept für europäische Flüge ausschließlich zwei Klassen, Economy und Business an. Ausgestattet ist der A380 im regulären interkontinentalen Einsatz mit 4 Klassen, die im regulären Streckennetz dann auch entsprechend vermarktet werden. Neben der Economy wird zusätzlich auch eine Premium Economy Class (im Oberdeck) angeboten, zusätzlich steht an Bord im vorderen Segment des Unterdecks auch die First Class zur Verfügung. Da ich noch einige Bonus-Punkte zur Verfügung hatte, bezahlte ich nicht den vollen Flugpreis, welcher am Tag meiner Buchung in der Economy knapp 79€ betragen hätte.
Der Business-Class Tarif startet bei British Airways innerhalb Europas im Regelfall bei um die 200€. Anzumerken sei hierbei, dass auch bei Buchung einiger C-Class Tarife bei BA eine Extragebühr für die Sitzplatzreservierung genommen wird. Auf der Langstrecke und den Routen auf welchen der A380 eigentlich zum Einsatz kommt, werden aktuell auch mal rund 8000(!) Pfund One-Way für ein Business-Class Ticket von London Heathrow nach Miami kurz vor den Feiertagen fällig.

Das Fazit des Autors

Seit Beginn der Pandemie wird eines von Woche zu Woche deutlicher: der Tourismus erlebt weiterhin eine Durststrecke nie dagewesenen Ausmaßes. Umso schöner ist es zu sehen, dass sich nach bald 2 Jahren ein (entferntes) Licht am Ende des Tunnels abzeichnet. Wochen und Monate des teilweise kompletten Stillstandes, Flughäfen die eher einem Flugzeugfriedhof als einem Verkehrsumschlagplatz ähnelten, all dies wird mehr und mehr zur Seltenheit. Mit der Öffnung des extrem wichtigen Marktes der USA vor wenigen Wochen ist für die Luftfahrtbranche ein weiterer Meilenstein erreicht worden. Nach 20 Monaten rechnet und hofft die Branche gleichermaßen auf einen hohen Nachholbedarf an Flügen zwischen Europa und Nordamerika. Dies ist einer der Gründe wieso, sich nun auch British Airways dazu entschlossen hat einen Teil, seiner A380-Flotte zu reaktiviert.

Neben dem Ziel Dubai, welches in direkter und klassischer A380 Konkurrenz zu einer Golf-Airline geflogen wird, stehen ab Anfang Dezember nun zunächst Los Angeles und Miami als erste angekündigte Ziele auf dem Flugplan der Airline aus dem Vereinigten Königreich. Daher ist aus meiner Sicht dieses „A380-Revival“ nicht nur ein weiterer und zugleich extrem wichtiger Meilenstein, sondern vielmehr auch ein Signal der Zuversicht. Die hochmotivierte Crew, dieses wunderschöne, leise und geräumige Flugzeug und ein Produkt, welches in allen 4 angebotenen Klassen eine angenehme Reise ermöglicht, macht British Airways insbesondere auf den mit A380 geflogenen Strecken in meinen Augen zu einer klaren Alternative und Wahlmöglichkeit.

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