Lufthansa-Gate am Flughafen München (Foto: Robert Spohr).
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Einigung im Tarifstreit bei der Lufthansa: Bodenpersonal erhält Gehaltsplus und langfristigen Kündigungsschutz

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Die Deutsche Lufthansa AG und die Gewerkschaft Verdi haben nach intensiven Verhandlungen in der vierten Runde einen neuen Tarifvertrag für die rund 20.000 Bodenbeschäftigten des Konzerns erzielt. Mit diesem Abschluss werden drohende Streiks, die den deutschen Luftverkehr im Frühjahr 2026 hätten massiv beeinträchtigen können, abgewendet. Die Einigung sieht eine stufenweise Erhöhung der Grundgehälter sowie eine signifikante finanzielle Aufwertung technischer Berufe vor.

Ein zentraler Pfeiler des Vertragswerks ist zudem ein achtjähriger Schutz vor Ausgliederungen, der den Mitarbeitern in der Passagier- und Flugzeugabfertigung langfristige Sicherheit garantiert. Während die Unternehmensführung die Planungssicherheit durch die lange Laufzeit von 26 Monaten betont, hebt die Arbeitnehmerseite die soziale Komponente des Abschlusses hervor, von der insbesondere untere Einkommensgruppen profitieren. Trotz Kritik von Konkurrenzgewerkschaften wertet Verdi das Ergebnis als Erfolg, der nun noch durch eine Mitgliederbefragung bestätigt werden muss. Damit kehrt vorerst Ruhe in die operativen Bereiche der Fluggesellschaft zurück, was angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in der Branche als wichtiges Stabilitätsignal gewertet wird.

Stufenplan zur Gehaltsanpassung und Laufzeitdetails

Der neue Tarifvertrag sieht eine Erhöhung der monatlichen Bezüge vor, die im Durchschnitt ein Plus von gut 220 Euro für die Vollzeitbeschäftigten bedeutet. Die Anpassung der Grundgehälter erfolgt in zwei Schritten und summiert sich auf insgesamt 4,65 Prozent. In der Rückschau wird bereits zum Januar 2026 eine Erhöhung von 2,2 Prozent wirksam, gefolgt von einem weiteren Schritt um 2,4 Prozent im März 2027. Eine Besonderheit ergibt sich jedoch für die Beschäftigten der Kernmarke Lufthansa: Hier wurde vereinbart, dass die erste Stufe der Gehaltserhöhung erst im Januar 2027 greift, was die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen innerhalb der verschiedenen Konzerngesellschaften widerspiegelt.

Für Auszubildende konnte eine pauschale Erhöhung der Vergütungen um 100 Euro durchgesetzt werden, was die Attraktivität der Einstiegspositionen im Konzern sichern soll. Die Laufzeit des Vertrages ist bis Ende Februar 2028 festgeschrieben. Diese Zeitspanne von insgesamt 26 Monaten wird von Personalvorstand Michael Niggemann als wesentlicher Faktor für die Verlässlichkeit des Flugbetriebs hervorgehoben. In Zeiten globaler Unsicherheiten und volatiler Märkte sei ein stabiler Tarifrahmen ohne das Risiko kurzfristiger Arbeitskämpfe für die strategische Planung des Unternehmens von hohem Wert.

Fokus auf Technik und Logistik sowie soziale Staffelung

Ein wesentliches Merkmal dieses Tarifabschlusses ist die gezielte Aufwertung spezifischer Berufsgruppen. Mitarbeiter in technischen Berufen können mit einem zusätzlichen Einkommensplus von bis zu fünf Prozent rechnen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa Technik auf dem hart umkämpften Markt für spezialisierte Fachkräfte zu erhalten. Gleichzeitig wurde eine soziale Komponente integriert, die untere Einkommensgruppen bei den Tochtergesellschaften Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik Logistik Services überproportional begünstigt.

Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky betonte, dass man ursprünglich mit einer Forderung von sechs Prozent in die Gespräche gegangen war. Auch wenn der prozentuale Gesamtabschluss darunter liegt, sieht die Gewerkschaft die Ziele durch die Kombination aus Sockelbeträgen und prozentualen Erhöhungen als weitgehend erreicht an. Zusätzlich zum monetären Plus erhalten Gewerkschaftsmitglieder während der Vertragslaufzeit drei zusätzliche freie Tage, was die Position von Verdi innerhalb der Belegschaft stärken soll.

Strategischer Schutz gegen Outsourcing als Kernpunkt

Das für die Gewerkschaft wichtigste Ergebnis ist jedoch nicht finanzieller Natur, sondern betrifft die strukturelle Absicherung der Arbeitsplätze. Der vereinbarte Schutz vor Ausgliederungen erstreckt sich über einen Zeitraum von acht Jahren. Damit ist es dem Konzern bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein untersagt, Bereiche der Passagier- und Flugzeugabfertigung in externe Firmen oder Tochtergesellschaften mit niedrigeren Tarifstandards zu überführen. Dieser Punkt war in den vergangenen Monaten ein zentraler Zankapfel, da Spekulationen über Effizienzsteigerungen durch Outsourcing die Stimmung in der Belegschaft belastet hatten.

Aus Sicht von Verdi schafft dieser Passus eine „Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Die Drohkulisse einer Zerschlagung bestehender Strukturen sei damit vom Tisch. Interessanterweise regte sich gegen diesen Punkt Widerstand von anderer Seite: Die Spartengewerkschaft Agil kritisierte den Abschluss und bezeichnete den Ausgliederungsschutz als Scheinerfolg. Laut Agil habe eine solche Gefahr aktuell gar nicht existiert, weshalb sich die Lufthansa diesen Verzicht nichts habe kosten lassen. Dennoch wird innerhalb der betroffenen Konzerngesellschaften, zu denen unter anderem der Check-in, die Passagierbetreuung und die Frachtabfertigung gehören, die langfristige Standortgarantie überwiegend positiv aufgenommen.

Stabilisierung des Luftverkehrsstandorts Deutschland

Die Einigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Luftfahrtindustrie unter hohem Kostendruck steht. Steigende Standortkosten und eine intensive Konkurrenz durch internationale Fluggesellschaften fordern den Konzern heraus. Ein langanhaltender Streik des Bodenpersonals hätte nicht nur unmittelbare finanzielle Verluste in Millionenhöhe bedeutet, sondern auch das Vertrauen der Passagiere in die Zuverlässigkeit des Drehkreuzes Frankfurt und München nachhaltig geschädigt.

Durch den Abschluss bei den rund 20 Konzerngesellschaften ist sichergestellt, dass die gesamte Kette der Bodenabfertigung – von der Verwaltung bis zur Wartung – ohne Unterbrechungen operieren kann. Die Lufthansa-Führung sieht in der Einigung ein klares Zeichen für die Handlungsfähigkeit der Tarifpartnerschaft. Es gehe darum, die Balance zwischen attraktiven Arbeitsbedingungen und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Unternehmens zu wahren. Die kommenden Wochen werden nun im Zeichen der internen Befragung der Gewerkschaftsmitglieder stehen, deren Zustimmung als wahrscheinlich gilt, womit der Tarifkonflikt formal beendet wäre.

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