Nach dem Ende des jüngsten Arbeitskampfes bei der Deutschen Lufthansa am 12. Februar 2026 hat die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) eine erste Bilanz gezogen. Laut Angaben der Arbeitnehmervertretung verlief der Streik, der sich auf alle von deutschen Flughäfen startenden Verbindungen konzentrierte, äußerst wirkungsvoll. Schätzungen der Gewerkschaft zufolge blieben rund 93 Prozent der geplanten Flüge am Boden, was zu massiven Beeinträchtigungen im nationalen und internationalen Flugplan führte. VC-Präsident Andreas Pinheiro betonte die Geschlossenheit der Mitglieder und sah in der hohen Beteiligung ein deutliches Signal an den Vorstand des Luftfahrtkonzerns.
Im Zentrum des Konflikts steht die betriebliche Altersversorgung der Piloten. Die Gewerkschaft wies nach Streikende Vorwürfe der Unternehmensleitung zurück, wonach der Arbeitskampf politische Ziele verfolgt habe oder Forderungen jenseits der Altersvorsorge gestellt worden seien. Besonders scharf kritisierte die VC die vom Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann öffentlich genannten Zahlen zu den Ruhestandsbezügen. Während das Management von monatlichen Bezügen in Höhe von 8.400 Euro sprach, bezifferte die Gewerkschaft die Realität für die Mehrheit der Kapitäne und Ersten Offiziere auf Beträge zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Spitzenbeträge seien lediglich einer sehr kleinen Gruppe vorbehalten und für jüngere Jahrgänge aufgrund geänderter Tarifstrukturen faktisch unerreichbar.
Die Verhandlungen zwischen den Tarifparteien gestalten sich bereits seit Monaten schwierig. Laut VC-Vorstand Frank Blanken blieben insgesamt sieben Verhandlungsrunden ohne nennenswertes Ergebnis, da die Arbeitgeberseite kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt habe. Ein im Januar unterbreiteter Vorschlag der Tarifkommission für eine temporäre Lösung sei vom Management ignoriert worden. Zusätzliche Branchenquellen weisen darauf hin, dass der wirtschaftliche Schaden des Ausstands in die Millionen geht, da neben dem Passagiergeschäft auch Teile der Frachtlogistik betroffen waren. Die Lufthansa hatte im Vorfeld versucht, den Streik juristisch zu unterbinden, scheiterte jedoch vor den Arbeitsgerichten, die die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme bestätigten.
Trotz der verhärteten Fronten signalisiert die Vereinigung Cockpit nun Gesprächsbereitschaft, fordert jedoch einen ersten Schritt der Arbeitgeberseite ein. Das Lufthansa-Management hat sich seit dem offiziellen Ende des Streikaufrufs noch nicht zu einem neuen Verhandlungstermin geäußert. Analysten gehen davon aus, dass ohne eine grundlegende Annäherung im Bereich der Altersvorsorge weitere Arbeitsniederlegungen im laufenden Jahr drohen könnten. Für die Passagiere bedeutet das Ende dieses Ausstands zwar eine vorläufige Normalisierung des Flugbetriebs, die langfristige Tarifstabilität am wichtigsten deutschen Luftfahrtdrehkreuz bleibt jedoch ungewiss.