Anzeigetafel am Flughafen Frankfurt (Foto: Fraport AG).
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Entwicklung des Luftverkehrs im Zehnjahresvergleich

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Die Reisegewohnheiten und Erwartungen der Flugpassagiere in Deutschland und Österreich haben sich in der vergangenen Dekade fundamental gewandelt. Eine umfassende Untersuchung des Flughafenverbandes Adv für den Zeitraum von 2014 bis 2024 gibt detaillierten Aufschluss über tiefgreifende strukturelle Verschiebungen, veränderte Reiseanlässe und eine modifizierte Passagierstruktur im deutschsprachigen Raum.

Während der internationale Reiseverkehr deutliche Zuwächse verzeichnet, zeigt der innerdeutsche Flugverkehr erhebliche Rückgänge. Gleichzeitig bleibt die Gesamtzufriedenheit der Passagiere mit der Flughafeninfrastruktur auf einem konstant hohen Niveau, wenngleich der Zugang zu dieser Mobilitätsform zunehmend von wirtschaftlichen Faktoren bestimmt wird.

Die Erhebung basiert auf einer methodisch standardisierten Befragung, die alle drei Jahre in den Terminalbereichen der teilnehmenden Verkehrsflughäfen durchgeführt wird. Im Rahmen von persönlichen Interviews wurden über die vergangenen zehn Jahre hinweg mehr als 160.000 Passagiere aus aller Welt zu ihren Erfahrungen, Wünschen und konkreten Reisecharakteristika befragt. Das auswertende Institut, das Ifak-Institut aus Taunusstein, gewichtet die Datensätze anhand des realen gewerblichen Linien- und Charterverkehrs, um eine repräsentative Abbildung des Marktgeschehens zu gewährleisten. Der jüngste Erhebungszeitraum im Jahr 2024 erfasste dabei eine Basis von 150.595 abfliegenden Passagieren, was hochgerechnet einem Gesamtvolumen von 104,5 Millionen einsteigenden und umsteigenden Fluggästen entspricht. Im Vergleich zu den Krisenjahren der Pandemie, in denen das Passagieraufkommen im Jahr 2022 auf 75,3 Millionen abfliegende Personen sank, zeigt sich eine deutliche quantitative Erholung, die jedoch von qualitativen Verschiebungen überlagert wird.

Konstant hohe Passagierzufriedenheit im Infrastrukturvergleich

Trotz der betrieblichen Herausforderungen der vergangenen Jahre bewerten die Fluggäste ihren Aufenthalt an den Flughäfen mehrheitlich positiv. Über alle Segmente hinweg vergaben 79 Prozent der Befragten die Schulnoten eins oder zwei. Weitere 19 Prozent beurteilten den Aufenthalt mit den Noten drei oder vier, während lediglich zwei Prozent unzufrieden waren und die Noten fünf oder sechs erteilten. Bemerkenswert ist hierbei das Abschneiden kleinerer Regionalflughäfen mit weniger als einer Million Passagieren pro Jahr.

Diese erzielten mit 92 Prozent die höchsten Zufriedenheitswerte, gefolgt von den großen Drehkreuzen mit 82 Prozent. Die Auswertung nach Fluggesellschaften zeigt ein homogenes Bild: Die Zufriedenheit am Flughafen bleibt unabhängig von der gewählten Airline hoch. Passagiere der Lufthansa-Gruppe äußerten sich zu 82 Prozent zufrieden, während Low-Cost-Carrier mit 75 Prozent und Touristik-Airlines mit 79 Prozent nur geringfügig dahinter zurückbleiben. Auch demografische Merkmale wie Alter oder Geschlecht sowie der jeweilige Reiseanlass weisen kaum statistische Abweichungen bei der Bewertung der Flughafenqualität auf.

Divergierende Entwicklung von nationalen und internationalen Routen

Die signifikanteste Veränderung innerhalb der letzten Dekade betrifft das Verhältnis von nationalen zu internationalen Flugverbindungen. Der innerdeutsche Luftverkehr verzeichnet seit dem Jahr 2017 einen kontinuierlichen und drastischen Rückzug. Die Zahl der abfliegenden Passagiere im Inlandverkehr sank von 15,5 Millionen im Jahr 2014 auf lediglich 5,5 Millionen im Jahr 2024, was einem Minus von 65 Prozent entspricht. Besonders hart trifft diese Entwicklung die kleineren Flughäfen, die inzwischen nahezu vollständig vom nationalen Luftverkehrsnetz abgeschnitten sind.

Im Gegensatz dazu wuchs die Nachfrage nach internationalen Destinationen im selben Zeitraum um 23 Prozent an. Erreichten 2014 noch 62,3 Millionen internationale Passagiere ihre Ziele von deutschen Flughäfen aus, so stieg diese Zahl bis 2024 auf 76,3 Millionen. Geografisch profitierten vor allem Destinationen in Europa mit einem Zuwachs von 21 Prozent sowie Asien mit einem Plus von 31 Prozent. Der afrikanische Markt legte ebenfalls deutlich zu, während der Verkehr nach Mittelamerika um 13 Prozent zurückging.

Strukturkrise im Geschäftsreiseverkehr und Wachstum im Tourismus

Ein wesentlicher Treiber für den Rückgang des innerdeutschen Flugverkehrs ist die veränderte Dynamik bei den Businessreisen. Der geschäftlich motivierte Luftverkehr leidet unter einem dauerhaften Einbruch. Im Jahr 2017 wurde mit 28,1 Millionen Geschäftsreisenden ein Höchststand verzeichnet, welcher bis zum Jahr 2024 auf 16,1 Millionen Absolventen sank.

Dies bedeutet einen Rückgang von 40 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Als Ursachen gelten veränderte Reiserichtlinien in Unternehmen, vermehrte digitale Kommunikation sowie ein ausgedünntes Flugangebot. Spiegelbildlich dazu entwickeln sich die Privatreisen zum dominierenden Segment des Luftverkehrs. Ihre Zahl stieg von 50,9 Millionen im Jahr 2014 auf 65,7 Millionen im Jahr 2024, was einer Steigerung von 29 Prozent entspricht. Innerhalb der Privatreisen gewinnen neben dem klassischen Erholungsurlaub, der 51 Prozent ausmacht, zunehmend andere private Anlässe wie Besuche von Freunden und Verwandten, Eventreisen oder Kurztrips an Bedeutung, deren Anteil inzwischen bei 49 Prozent liegt.

Verlagerung der Destinationen und Defizite beim Zielaufkommen

Die Krise des Geschäftsreiseverkehrs schlägt sich auch in der Destinationsstatistik nieder. Traditionelle Business-Ziele wie Kontinentaldeutschland büßten 69 Prozent ihres geschäftlichen Passagieraufkommens ein. Auch Großbritannien verlor 36 Prozent und Österreich 42 Prozent der Geschäftsreisenden. Einzig Spanien verzeichnete in diesem Segment ein Wachstum von 20 Prozent. Bei den Privatreisen dominieren weiterhin die klassischen Destinationen des Mittelmeerraums.

Spitzenreiter bleibt Spanien mit 12 Millionen Passagieren im Jahr 2024, gefolgt von der Türkei, die ein Wachstum von 40 Prozent auf 8 Millionen Passagiere verbuchen konnte. Griechenland verzeichnete mit 86 Prozent den prozentual stärksten Zuwachs im Zehnjahresvergleich. Ein problematischer Trend zeigt sich beim sogenannten Zielaufkommen, also bei Fluggästen, deren Reise in Deutschland endet. Während das Quellaufkommen der in Deutschland startenden Passagiere um 19 Prozent zunahm, sank das Zielaufkommen von Auslandsgästen seit 2017 um 28 Prozent. Als Gründe werden in den Analysen fehlende Direktverbindungen und ein vergleichsweise hohes Preisniveau angeführt, die Deutschland als Einreiseziel an Attraktivität verlieren lassen.

Veränderte Verhaltensmuster bei Reisedauer und Gruppengrößen

Der Mangel an Frequenzen und Direktverbindungen wirkt sich unmittelbar auf das Buchungsverhalten und die Verweildauer am Zielort aus. Überraschenderweise hat sich die durchschnittliche Dauer von Geschäftsreisen verlängert. Machten im Jahr 2014 Kurzreisen von ein bis zwei Tagen noch 46 Prozent aller Businessflüge aus, so sank dieser Wert bis 2024 auf 28 hellere Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Geschäftsreisen mit einer Dauer von drei bis vier Tagen von 26 auf 33 Prozent.

Analysten führen dies darauf zurück, dass das reduzierte Flugangebot Tagesreisen oft unmöglich macht und Reisende zu zusätzlichen Übernachtungen zwingt. Bei den Privatreisen bleibt die Reisedauer mit einem Schwerpunkt von ein bis drei Wochen stabil, allerdings sind kurze Wochenendtrips aufgrund gestiegener Kosten rückläufig. Ein weiterer Trend betrifft die Reisegruppengröße: Das solitäre Reisen verliert in fast allen Segmenten an Boden. Geschäftliche und private Flüge werden vermehrt in Gruppen oder zu zweit angetreten. Im internationalen Verkehr reisen Passagiere zudem statistisch gesehen in größeren Konstellationen als auf nationalen Routen.

Sozioökonomische Faktoren und demografische Verschiebungen

Die Nutzerstruktur an den Terminals wird jünger und weiblicher. Der Anteil der Passagiere im Alter zwischen 20 und 39 Jahren stieg von 42 Prozent im Jahr 2014 auf 48 Prozent im Jahr 2024. Zudem ist der Luftverkehr weiblicher geworden: Der Frauenanteil unter den Passagieren erhöhte sich im Zehnjahreszeitraum von 47 auf 51 Prozent. Demgegenüber steht eine deutliche soziale Selektion über das Einkommen, die sich insbesondere in den begleitenden Onlinebefragungen der Jahre 2023 und 2025 widerspiegelt.

Die Daten verdeutlichen, dass Fliegen zunehmend zu einer Frage des verfügbaren Budgets wird. In der einkommensschwächsten Gruppe mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.500 Euro pro Monat gaben im Jahr 2025 rund 82 Prozent der Befragten an, keine einzige Flugreise durchgeführt zu haben; zwei Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 71 Prozent. Selbst in der mittleren Einkommensgruppe zwischen 2.500 und 4.000 Euro stieg der Anteil der Nichtflieger von 66 auf 73 Prozent. Lediglich in Haushalten mit einem Nettoeinkommen von über 4.000 Euro blieb das Reiseverhalten mit einem Nichtfliegeranteil von rund 50 Prozent stabil. Mobilität per Flugzeug verliert damit für einkommensschwächere Schichten an Selbstverständlichkeit.

Infrastrukturnutzung und verändertes Anreiseverhalten

Hinsichtlich der Verkehrsmittelwahl bei der Anreise zum Flughafen, dem sogenannten Modalsplit, zeigt sich eine klare Abhängigkeit von der Schienenanbindung. An Flughäfen mit direktem Anschluss an das Fern- und Regionalbahnnetz stieg die Nutzung des Zuges von 11 Prozent im Jahr 2014 auf 20 Prozent im Jahr 2024.

Der Individualverkehr per Personenkraftwagen legte dort nur leicht auf 43 Prozent zu, während Taxidienste und Busse erhebliche Einbußen verzeichneten. An Flughäfen ohne direkte Bahnanbindung stagniert die Verteilung hingegen: Hier bleibt das Auto mit 50 Prozent das dominierende Anreisemedium, gefolgt von S-Bahnen oder Straßenbahnen mit 25 Prozent. Innerhalb der Terminals erfreuen sich die kommerziellen Angebote stabiler Beliebtheit. Fast jeder zweite Passagier nutzt während der Wartezeit die gastronomischen Einrichtungen wie Cafés oder Restaurants. Zudem kauft jeder fünfte Reisende in den Flughafenkomplexen ein, wobei das Angebot von Duty-Free-Shops und Einzelhändlern vor allem von internationalen Passagieren in Anspruch genommen wird.

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