Der österreichische Mobilitätsclub ÖAMTC hat im Rahmen seines umfassenden Kindersitztests 2026 schwerwiegende Mängel bei mehreren Modellen aufgedeckt, noch bevor die vollständigen Ergebnisse am 26. Mai veröffentlicht werden.
Bei den durchgeführten Frontalaufprallversuchen lösten sich mehrere Sitze vollständig von ihren Basisstationen und wurden durch den Fahrgastraum geschleudert. Nach Angaben der Techniker birgt dieses Versagen der Verankerung im Falle eines realen Unfalls ein massives Verletzungsrisiko für Kinder und andere Fahrzeuginsassen. Die Tests des ÖAMTC und seiner internationalen Partnerorganisationen simulieren dabei Belastungen, die deutlich über die gesetzlichen Mindestanforderungen für die europäische Zulassung hinausgehen und sich an der Unfallschwere der Euro NCAP-Crashtests orientieren.
Besonders betroffen von dieser Problematik ist eine Gruppe sogenannter White-Label-Produkte aus chinesischer Fertigung. Diese technisch nahezu identischen Sitze werden unter einer Vielzahl von Markennamen wie „Ding Aiden 360“, „Kidiz 360“, „Xomax 946i“ oder „Lettas i-Size 360“ über große Online-Plattformen vertrieben. Trotz optischer Unterschiede und individueller Labeling-Optionen für verschiedene Händler zeigten diese Modelle im Test ein gefährliches Versagen der mechanischen Verbindung zur Basisstation. Da diese Produkte jedoch die weniger strengen gesetzlichen Zulassungsnormen erfüllen, dürfen sie trotz der festgestellten Sicherheitslücken weiterhin legal im europäischen Handel angeboten werden.
Neben den White-Label-Modellen geriet auch der Sitz „Kinderkraft Mink Pro 2“ in Verbindung mit der Isofix-Station „Base Mink FX2“ in die Kritik. Auch hier löste sich die Babyschale im Frontalcrash von der Basis. Experten weisen darauf hin, dass die Schale ohne die fehleranfällige Station – also gesichert mit dem Fahrzeuggurt – einen guten Schutz bietet. Der Hersteller Kinderkraft hat bereits reagiert und einen kostenlosen Umtausch für betroffene Kunden angekündigt. Im Gegensatz dazu gab der Produzent der White-Label-Sitze, das Unternehmen Lettas, lediglich an, seit Jahresbeginn punktuelle Verbesserungen an der Konstruktion vorgenommen zu haben, ohne jedoch eine Rückrufaktion für bereits verkaufte Ware einzuleiten.
Rechtlich haben Käufer allein aufgrund eines schlechten Abschneidens in Verbraucherschutztests keinen generellen Anspruch auf Umtausch oder Rückgabe, sofern die gesetzlichen Mindestvorgaben eingehalten werden. Der Mobilitätsclub rät Eltern daher dringend dazu, vor dem Kauf unabhängige Testberichte zu konsultieren und sich nicht allein auf die gesetzlichen Prüfsiegel zu verlassen. Da Kindersitze eine der wichtigsten Sicherheitskomponenten im Fahrzeug darstellen, sei die Wahl eines geprüften Markenprodukts oft die sicherere Alternative zu vermeintlich günstigen Angeboten von globalen Versandplattformen. Die detaillierte Übersicht aller getesteten Modelle wird Ende Mai 2026 erwartet.