Airbus A320neo (Foto: Lufthansa).
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Erster Tarifkampf bei City Airlines: Verdi fordert Verhandlungen für Piloten und Kabinenpersonal

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Die junge Lufthansa-Tochter City Airlines, welche als strategischer Pfeiler der Konzernsanierung dient, sieht sich bereits kurz nach ihrer Gründung mit ersten arbeitsrechtlichen Forderungen konfrontiert. Die Gewerkschaft Verdi hat das Unternehmen formell zur Aufnahme von Tarifverhandlungen für das Cockpit- und Kabinenpersonal aufgefordert.

Diese Forderung kommt nicht unerwartet, da Verdi eine Mehrheit der derzeit rund 300 Beschäftigten bei City Airlines als Mitglieder zählt. Der geplante Tarifabschluß wäre ein Novum für die neue Fluggesellschaft und könnte weitreichende Konsequenzen für die gewerkschaftliche Landschaft innerhalb des Lufthansa-Konzerns haben, insbesondere im Hinblick auf die etablierten Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und UFO.

Verdi macht Druck: Forderungen nach besseren Konditionen

Die Gewerkschaft Verdi, welche traditionell die Interessen der Bodenbeschäftigten und anderer Dienstleistungsberufe vertritt, hat sich nun auch im Bereich des fliegenden Personals der neuen Lufthansa-Tochter City Airlines positioniert. Marvin Reschinsky, der zuständige Verdi-Konzernbetreuer, äußerte sich unmißverständlich zu den Erwartungen seiner Gewerkschaft: „Wir erwarten einen schnellen Start der Verhandlungen, damit die dringend benötigten Verbesserungen beim Gehalt und den Arbeitsbedingungen zügig erzielt werden können.“ Diese Aussage unterstreicht die Dringlichkeit, mit der Verdi das Wohl der Beschäftigten bei City Airlines in den Vordergrund rückt. Offensichtlich sieht die Gewerkschaft hier erheblichen Nachholbedarf bei den Konditionen, welche für die Mitarbeiter der neuen Airline gelten.

Die Forderung nach einem Tarifvertrag ist ein zentrales Anliegen der Arbeitnehmervertretungen, um faire und transparente Arbeitsbedingungen zu sichern. Ein solcher Vertrag regelt üblicherweise Löhne, Arbeitszeiten, Urlaubsansprüche und andere wichtige Aspekte des Arbeitsverhältnisses. Für die Beschäftigten von City Airlines, deren Anstellungsbedingungen als schlechter im Vergleich zu anderen Konzerngesellschaften gelten, wäre ein Tarifvertrag von großer Bedeutung. Es ist bekannt, daß die Lufthansa, um die Betriebskosten zu senken, bei City Airlines andere, weniger vorteilhafte Konditionen als bei der etablierten Cityline oder der Haupt-Airline Lufthansa anstrebt. Dies betrifft beispielsweise längere Arbeitszeiten, was die Attraktivität eines Wechsels von anderen Konzerngesellschaften zur neuen Airline mindert.

Lufthansa im Spannungsfeld der Gewerkschaften: Ein komplexes Tarifgeflecht

Die Lufthansa-Gruppe sieht sich mit der Forderung von Verdi in einem komplexen Geflecht von Gewerkschaftsbeziehungen wieder. Der Konzern erklärte, man sei weiterhin mit „den etablierten Gewerkschaften innerhalb der Lufthansa Group in Gesprächen“. Diese Aussage umfaßt neben Verdi auch die traditionsreichen Spartengewerkschaften: die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Flugbegleitergewerkschaft UFO. Beide Gewerkschaften vertreten seit langem das fliegende Personal der Lufthansa und ihrer Töchter und sehen ihre Zuständigkeiten durch die Vorstöße von Verdi potenziell bedroht.

Die Lufthansa bekräftigte zudem ihre Absicht, die Gespräche mit den Gewerkschaften zu intensivieren, mit dem Ziel einer Ersttarifierung für die Crews von City Airlines. Dies deutet darauf hin, daß der Konzern durchaus bereit ist, Tarifverträge für die neue Airline abzuschließen, jedoch möglicherweise versucht, die Verhandlungen strategisch zu gestalten und die Rolle der jeweiligen Gewerkschaften zu definieren.

Sollte Verdi tatsächlich Tarifabschlüsse bei City Airlines erzielen, hätte dies weitreichende Konsequenzen für die gewerkschaftliche Landschaft im Lufthansa-Konzern. Die Vereinigung Cockpit und UFO könnten, ähnlich wie bereits beim Lufthansa-Ferienflieger Discover Airlines geschehen, als Tarifpartner „ausgebootet“ werden. Bei Discover Airlines, welche ebenfalls als kostenoptimierte Konzerngesellschaft gegründet wurde, hatte Verdi die Tarifverträge für das fliegende Personal gewonnen, was zu erheblichem Ärger und Konflikten mit VC und UFO führte. Diese kleineren, auf spezifische Berufsfelder fokussierten Gewerkschaften hätten damit im Lufthansa-Konzern bald nur noch bei der Kernmarke der Lufthansa die maßgebliche Hoheit über die Arbeitsbedingungen des fliegenden Personals. Die VC ist zudem bei der Lufthansa-Tochter Eurowings für die Tarifverträge des Cockpits maßgeblich, was ihre verbleibende Einflußnahme sichert, aber ihre konzernweite Präsenz reduziert.

City Airlines: Ein zentraler Hebel in der Sanierungsstrategie der Lufthansa

Die vor etwa einem Jahre gestartete Fluggesellschaft City Airlines ist ein integraler Bestandteil der Sanierungsstrategie der Kernmarke Lufthansa. Die Muttergesellschaft hatte im vergangenen Jahre Verluste zu verzeichnen, und City Airlines soll maßgeblich dazu beitragen, die Kostenstruktur des Kurzstreckenverkehrs zu optimieren. Das Konzept der City Airlines sieht vor, Flüge zu niedrigeren Kosten als die bisher für Kurzstrecken nach Frankfurt und München zuständige Cityline zu operieren und noch günstiger als die Haupt-Airline Lufthansa zu sein. Diese Kostenreduzierung wird als entscheidend erachtet, um die Wettbewerbsfähigkeit auf den europäischen Kurzstreckenmärkten wiederherzustellen und die Rentabilität des Konzerns zu steigern.

Der Plan der Lufthansa sieht vor, daß City Airlines in diesem Jahre auf eine Flotte von zwölf Maschinen anwachsen und auf längere Sicht die Cityline vollständig ablösen soll, mit einer noch viel größeren Flotte. Dieser strategische Schritt stößt jedoch auf erheblichen Widerstand bei den etablierten Spartengewerkschaften VC und UFO. Der ursprüngliche Plan sah vor, daß Beschäftigte von Cityline zur neuen Fluglinie wechseln sollten, um die Cityline zu schließen. Doch die Bedingungen bei City Airlines – insbesondere die bereits erwähnten längeren Arbeitszeiten und generell schlechteren Konditionen – haben diesen Übergang behindert. Bislang wechselten kaum Cockpitbeschäftigte und nur wenige aus der Kabine zur neuen Gesellschaft.

Infolgedessen ist die Lufthansa gezwungen, externes Personal für die neue Airline anzuheuern, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die geplante Expansion voranzutreiben. Dieser Umstand führt dazu, daß der Parallelbetrieb von City Airlines und Cityline voraussichtlich noch einige Jahre fortgesetzt werden muß, was die Effizienzgewinne der Konzernstrategie zunächst schmälert. Die aktuellen Tarifverhandlungen mit Verdi sind somit nicht nur ein Kampf um Löhne und Arbeitsbedingungen, sondern auch ein wichtiger Indikator für die zukünftige Gestaltung der Arbeitsbeziehungen und der Kostenstruktur innerhalb des Lufthansa-Konzerns. Die Entwicklungen bei City Airlines könnten somit prägend für die Arbeitsbedingungen und die gewerkschaftliche Landschaft in der gesamten deutschen Luftfahrtindustrie sein.

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