Im November 2024 unterzeichneten Ethiopian Airlines und die südsudanesische Regierung eine historische Absichtserklärung, die die Grundlage für die Gründung einer nationalen Fluggesellschaft im Südsudan legen soll.
Dieser Schritt markiert einen entscheidenden Wendepunkt für das zentralafrikanische Land, das seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011 mit politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert ist. Die neue Partnerschaft zwischen Ethiopian Airlines, einer der führenden Fluggesellschaften Afrikas, und dem Südsudan könnte nicht nur die Luftverkehrsinfrastruktur des Landes revolutionieren, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität und regionalen Integration leisten.
Die Bedeutung des Abkommens
Die Absichtserklärung zwischen Ethiopian Airlines und dem Südsudan zielt darauf ab, eine nationale Fluggesellschaft zu etablieren, die nicht nur den Binnenflugverkehr im Südsudan stärkt, sondern auch internationale Verbindungen aufnimmt. Ethiopian Airlines wird mit seiner umfangreichen Erfahrung im Flugzeugbetrieb, der Personal- und Flugbetriebsschulung sowie der Verwaltung von Flugrouten und Lufträumen eine zentrale Rolle beim Aufbau der neuen Fluggesellschaft spielen. Dies ist besonders wichtig, da der Südsudan derzeit unter der Kontrolle des sudanesischen Luftraums operiert, was zusätzliche Komplexität bei der Luftverkehrsüberwachung mit sich bringt.
Der südsudanesische Verkehrsminister Madut Biar und der äthiopische Botschafter Nabil Mahdi unterzeichneten das Abkommen am 7. November 2024 in Juba, der Hauptstadt des Südsudans. Die Partnerschaft ist ein symbolischer Schritt hin zu einer nachhaltigen Entwicklung und könnte für das Land, das nach jahrelangen Konflikten auf dem Weg zu einem stabileren Staat ist, von enormer Bedeutung sein. Insbesondere wird erwartet, dass die neue Fluggesellschaft die Wirtschaft des Landes durch die Verbesserung der Luftverkehrsanbindung und die Schaffung von Arbeitsplätzen ankurbeln wird.
Herausforderungen und geopolitische Implikationen
Der Südsudan hat in den letzten Jahren mit erheblichen politischen und sozialen Herausforderungen zu kämpfen. Nach der Unabhängigkeit von Sudan im Jahr 2011 hat das Land in erster Linie mit Bürgerkrieg und internen Konflikten zu kämpfen gehabt. Diese Instabilität hat zahlreiche Entwicklungsprojekte, darunter den Aufbau einer nationalen Fluggesellschaft, verzögert. Trotz dieser Widrigkeiten hat der Südsudan immer wieder versucht, seine Luftfahrtinfrastruktur auszubauen. Bereits 2012 gab es eine Ausschreibung für den Aufbau einer nationalen Fluggesellschaft, wobei zunächst die türkische Fluggesellschaft Atlasjet als bevorzugter Partner ausgewählt wurde. Allerdings zog sich Atlasjet 2013 aus dem Projekt zurück.
Auch andere Initiativen zur Schaffung einer nationalen Fluggesellschaft scheiterten, darunter das Unternehmen South Supreme Airlines, das von dem südsudanesischen Unternehmer Ayii Duang Ayii gegründet wurde. Diese Rückschläge haben das Vertrauen in die Fähigkeit des Südsudans, eine langfristig stabile und erfolgreiche Fluggesellschaft zu etablieren, erschüttert. Doch der neue Vertrag mit Ethiopian Airlines gibt Anlass zur Hoffnung, dass nun eine nachhaltige Lösung gefunden wurde.
Ethiopian Airlines: Ein starker Partner für den Südsudan
Ethiopian Airlines, eine der erfolgreichsten Fluggesellschaften des afrikanischen Kontinents, hat sich seit ihrer Gründung 1945 zu einem wichtigen Akteur im globalen Luftverkehr entwickelt. Besonders in Afrika hat Ethiopian Airlines ein dichtes Netzwerk aufgebaut, das von Flügen zu regionalen Zielen bis hin zu interkontinentalen Verbindungen reicht. Mit über 130 Flugzeugen und einer Marktführerschaft in Afrika ist Ethiopian Airlines ein stabiler Partner, der dem Südsudan nicht nur technisches Wissen und Unterstützung im Flugbetrieb bieten kann, sondern auch ein starkes Netzwerk und umfassende Schulungsprogramme.
Der Schritt, sich mit dem Südsudan zusammenzuschließen, ist Teil der langfristigen Strategie von Ethiopian Airlines, ihre Position auf dem afrikanischen Markt weiter auszubauen. Der 15-Jahres-Plan „Vision 2025“ der Fluggesellschaft zielt darauf ab, mehrere afrikanische Drehkreuze zu etablieren und Zubringerdienste zu ihrem internationalen Drehkreuz in Addis Abeba anzubieten. Ethiopian Airlines hat bereits mehrere Joint Ventures in anderen afrikanischen Ländern wie Togo (ASKY Airlines), der Demokratischen Republik Kongo (Air Congo) und Zambia Airways etabliert. Ein ähnliches Modell könnte auch im Südsudan zum Erfolg führen.
Auswirkungen auf die Luftfahrt und Wirtschaft des Südsudans
Die Schaffung einer nationalen Fluggesellschaft im Südsudan hat das Potenzial, das Land erheblich zu transformieren. Einerseits wird sie dazu beitragen, die Isolation des Landes zu verringern, indem sie sowohl Inlands- als auch internationale Verbindungen bereitstellt. Derzeit werden die meisten Flüge in den Südsudan von regionalen Fluggesellschaften wie Kush Air, Badr Airlines und Ethiopian Airlines durchgeführt. Die Einführung einer eigenen Fluggesellschaft könnte nicht nur die Infrastruktur des Landes verbessern, sondern auch den Wettbewerb im Flugverkehr anheizen und damit zu einer Senkung der Ticketpreise und einer Verbesserung der Servicequalität führen.
Darüber hinaus wird erwartet, dass die neue Fluggesellschaft dazu beiträgt, Arbeitsplätze zu schaffen, insbesondere in den Bereichen Luftfahrtbetrieb, Wartung und Verwaltung. Dies könnte langfristig zu einer Verringerung der Arbeitslosigkeit im Südsudan führen und die Wirtschaft insgesamt stärken.
Der Vertrag mit Ethiopian Airlines ist ein richtiger Schritt auf dem Weg zur Schaffung einer funktionierenden nationalen Fluggesellschaft im Südsudan. Doch der Weg bleibt steinig. Die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes sowie die Notwendigkeit, eine nachhaltige und zukunftsfähige Luftfahrtinfrastruktur aufzubauen, könnten die Umsetzung verzögern. Dennoch ist der Entschluss, Ethiopian Airlines als Partner zu gewinnen, ein positives Signal für die Entwicklung des Südsudans und könnte langfristig zu einer stärkeren Integration in die afrikanische und globale Wirtschaft führen.