Die staatliche Fluggesellschaft Etihad Airways aus Abu Dhabi wäre grundsätzlich bereit für einen Börsengang (IPO), sieht aber nach Aussage ihres Konzernchefs Antonoaldo Neves derzeit keine unmittelbare Notwendigkeit, durch eine solche Maßnahme Kapital aufzunehmen.
In einem Gespräch mit Bloomberg erklärte Neves, die endgültige Entscheidung über einen möglichen Börsengang liege beim Eigentümer des Unternehmens, der Abu Dhabi Developmental Holding Company PJSC (ADQ), dem staatlichen Investmentfonds von Abu Dhabi. Seine Äußerungen fielen im Rahmen der Arabian Travel Market Konferenz in Dubai, wo er für die kommenden fünf Jahre ein starkes Wachstum für Etihad prognostizierte.
Solide finanzielle Basis trotz globaler Unsicherheiten
Berichte vom März dieses Jahres hatten bereits angedeutet, dass ein IPO von Etihad Airways im zweiten Quartal 2025 stattfinden und dem Unternehmen rund eine Milliarde US-Dollar einbringen könnte. Antonoaldo Neves präzisierte jedoch während der Konferenz in einem Interview mit Reuters, dass Etihad trotz der globalen Handelsspannungen, die durch die amerikanische Zollpolitik ausgelöst wurden, starke Passagierzahlen verzeichne. Er wies darauf hin, dass die Stärkung des Euros gegenüber dem Dollar – und den an den Dollar gekoppelten Währungen in der Golfregion – zu einer zusätzlichen Reise-Nachfrage aus Europa führe. Dieser Trend zeichne sich ab, während vorläufige Daten aus den Vereinigten Staaten darauf hindeuteten, dass internationale Reisende aufgrund der politischen Lage in den USA tendenziell von Reisen dorthin absähen.
Neves betonte die solide finanzielle Basis von Etihad: „Etwa 60 Prozent unserer Flugzeuge sind unbelastet, also vollständig bezahlt. Sollte es eines Tages zu einer Krise kommen, könnte ich Flugzeuge parken und 75 Prozent der Kosten einsparen.“ Diese Aussage unterstreicht die finanzielle Flexibilität der Fluggesellschaft und die Fähigkeit, auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, ohne zwingend auf frisches Kapital aus einem Börsengang angewiesen zu sein.
Strategische Flottenexpansion und neue Flugzeugtypen
Der Konzernchef gab zudem bekannt, dass Etihad plane, die Flotte jährlich um circa 20 Flugzeuge zu erweitern, um bis zum Ende des Jahrzehnts eine Flottengröße von 170 Maschinen zu erreichen. Bereits früher hatte Neves angekündigt, dass Etihad im dritten Quartal 2025 den Betrieb mit dem neuen Airbus A321-200NX(LR) aufnehmen werde.
Dieses Flugzeugmuster soll auf Kurz- und Mittelstrecken den Komfort von Grossraumflugzeugen bieten und die Reichweite des Streckennetzes erweitern. Die aktuelle Flotte von Etihad umfasst laut ch-aviation Daten eine breite Palette an Airbus- und Boeing-Flugzeugen, darunter A320, A321, A350, A380 sowie Boeing 777 und 787.
Erfolgreiches Geschäftsjahr 2024 stärkt Position
Im Februar hatte Etihad bereits bekanntgegeben, dass der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Milliarden Dirham (1,4 Milliarden US-Dollar) auf 25,3 Milliarden Dirham (6,9 Milliarden US-Dollar) gestiegen war. Zudem wurde ein Gewinn nach Steuern von 1,7 Milliarden Dirham (463 Millionen US-Dollar) vermeldet, der hauptsächlich auf Einnahmen aus dem Passagier- und Frachtgeschäft sowie auf Verbesserungen der betrieblichen Effizienz zurückzuführen war.
Diese positiven Finanzergebnisse untermauern die Aussage von Neves, dass Etihad aktuell keine dringenden finanziellen Mittel aus einem Börsengang benötigt. Die Entscheidung über einen möglichen Börsengang verbleibt somit beim Eigentümer ADQ, der die strategischen Vorteile und den optimalen Zeitpunkt für eine solche Maßnahme abwägen wird. Beobachter sehen in einem zukünftigen IPO von Etihad Airways einen potenziellen Meilenstein für die Weiterentwicklung der Fluggesellschaft und die Ambitionen Abu Dhabis als globales Luftfahrtdrehkreuz.