Der europäische Flughafenverband ACI Europe hat in seinem aktuellen Verkehrsbericht für den März und das erste Quartal 2026 eine überraschend robuste Entwicklung des Passagieraufkommens gemeldet. Trotz des Ende Februar ausgebrochenen bewaffneten Konflikts im Nahen Osten stieg die Zahl der Fluggäste im gesamten europäischen Netzwerk um 3,8 % im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Während die direkten Auswirkungen in der Krisenregion massiv sind – die israelischen Flughäfen verzeichneten einen Einbruch von über 86 % –, blieb der Gesamtmarkt stabil. Olivier Jankovec, Generaldirektor des Verbandes, erklärte, dass sich die Verkehrsströme nach Asien rasch angepasst hätten und insbesondere der transatlantische Markt sowie die innereuropäischen Verbindungen als Stützen des Wachstums fungierten.
Die statistischen Auswertungen offenbaren jedoch eine deutliche Zweiteilung des Marktes. Während Länder wie die Slowakei mit einem Zuwachs von 130,7 % und Nordmazedonien mit über 36 % Spitzenwerte erzielten, hinken große Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich dem europäischen Durchschnitt hinterher. Experten führen das moderate Wachstum in Deutschland von lediglich 3,1 % vor allem auf die hohe Belastung durch nationale Luftverkehrsabgaben und gestiegene Standortkosten zurück, die Airlines dazu bewegen, Kapazitäten in kostengünstigere Märkte wie Spanien oder Italien zu verlagern. Ein Sonderfall zeigt sich auf Zypern, wo die Passagierzahlen aufgrund der medialen Wahrnehmung eines Drohnenvorfalls um 15,3 % sanken, obwohl die Sicherheitslage vor Ort als stabil eingestuft wurde.
In der Riege der großen Luftverkehrsdrehkreuze behauptete sich London-Heathrow mit 6,64 Millionen Passagieren als verkehrsreichster Standort, gefolgt von den beiden großen Flughäfen in Istanbul, die Zuwächse von über 7 % vermeldeten. Frankfurt und München verzeichneten hingegen nur ein moderates Plus von rund 2 %, was den anhaltenden Wettbewerbsdruck auf die deutschen Hubs unterstreicht. Im Bereich der Luftfracht hinterließ der Konflikt im Nahen Osten deutlichere Spuren: Da wichtige Transitrouten beeinträchtigt wurden, sank das Frachtaufkommen an europäischen Flughäfen im März um 3,1 %. Dies markiert eine Trendwende nach den starken Zuwächsen zu Jahresbeginn.
Für die kommende Sommersaison zeigt sich die Branche vorsichtig optimistisch, warnt jedoch vor Unwägbarkeiten durch potenzielle Preisschocks bei Kerosin und geopolitische Risiken. Die Kapazitäten der Fluggesellschaften bleiben weitgehend stabil, gestützt durch Absicherungsstrategien gegen volatile Treibstoffpreise. Sorge bereiten jedoch weiterhin die kleinen Regionalflughäfen. Obwohl dieses Segment im März prozentual stark zulegte, liegen die absoluten Zahlen immer noch mehr als 32 % unter dem Niveau von vor der Pandemie im Jahr 2019. Die langfristige Erholung dieses Sektors hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Ölpreise und der Kaufkraft der Konsumenten nach den sommerlichen Spitzenmonaten ab.